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Es dauert nur ein paar Minuten, dann ist Marten Peyser am Meer. Das Haus auf der Nordseeinsel Föhr, in dem er zusammen mit seiner Familie lebt, liegt rund 200 Meter vom Strand entfernt. Dort surft er gern, wenn der Wind stimmt. Auch zur Arbeit hat es Peyser nicht weit: Seinen Job erledigt er von zu Hause. Ein Laptop und ein Telefon sind alles, was er dafür braucht.

Marten Peyser ist der Chef eines Onlineshops für Yoga-Zubehör und ein Paradebeispiel dafür, dass ein Geschäftsführer im Digitalzeitalter auch ohne Großraumbüros und Mittagsmeetings gut arbeiten kann. Nur manchmal, etwa alle vier Wochen, verlässt Peyser das Nordsee-Idyll der kurzen Wege. Dann trifft er sich mit seinem Geschäftspartner Stefan Miebach. Um ihn spontan zu sehen, müsste Peyser einmal quer durch Deutschland fahren, bis ins 615 Kilometer entfernte Köln.

43 – Greenyogashop

Wachstumsrate: 115%
Gründungsjahr: 2013
Firmensitz: Wyk auf Föhr
Branche: E-Commerce
Webseite: www.greenyogashop.com

Meistens verabreden sich die Partner deshalb in Hamburg. Ganz in der Nähe der Hansestadt, bei Buxtehude, sind die beiden auch aufgewachsen. Hier haben sie sich als Jugendliche beim Fußball kennengelernt – und später aus ihrem gemeinsamen Interesse am Sport ein Geschäft gemacht. Über ihr kleines E-Commerce-Unternehmen verkaufen sie seit sechs Jahren Matten, Leggings und Trinkflaschen an Yoga-Fans.

Auf rund 300 Produkte für Männer und Frauen bringt es der Greenyogashop insgesamt, sagen die Gründer. Trotz der geografischen Entfernung zwischen seinen Schöpfern scheint der Shop gut zu laufen: Miebach berichtet stolz, dass die Bestellzahlen dieses Jahr von Monat zu Monat gewachsen seien. Außerdem sei die Retourenquote niedrig. Und auch das Sortiment wird größer: Im vergangenen Jahr mussten die Gründer das Warenlager in Peysers Keller auf Föhr, das damals aus allen Nähten zu platzen drohte, an einen Dienstleister in der Nähe von Aachen übergeben.

Mit Kissen fing alles an

Peyser ist gelernter Physiotherapeut und Altenpfleger. Da liegt ein gewisses Interesse für den eigenen Körper nahe. Er sei der „Yogi“ des Gründerteams, sagt er. Vor etwa zehn Jahren fing der heute 36-Jährige an, Yoga-Übungen zu machen. „Das wurde immer mehr, als meine Kinder zur Welt kamen. Ich habe das als Gelegenheit gesehen, mal für mich zu sein und neue Konzentration zu schöpfen“, erzählt er.

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Eine passende Geschäftsidee ließ nicht lange auf sich warten: Bei einem Achtsamkeitsworkshop bemerkte Peyser, dass ihm die Auswahl an Meditationskissen, die Meditierende beim Aufrechtsitzen unterstützen sollen, nicht reichte. Zu klein, zu schlecht verarbeitet, befand er, nachdem er sich einen Überblick über die damals am Markt verfügbaren Kissen verschafft hatte. Zusammen mit einem Hamburger Schneider bastelte er anschließend an einem „guten“ Kissen, das Peysers Geschmack in Sachen Größe und Qualität traf. Das fertige Produkt verkaufte er online. Der Grundstein für den heutigen Shop war gelegt.

Von Hamburg nach Föhr zog Peyser dann 2011, um dort einen Job als Sportlehrer in einem Kinderkurheim anzunehmen. Den jungen Greenyogashop betrieb Peyser zu diesem Zeitpunkt noch nebenberuflich. Das änderte sich erst Anfang 2016, drei Jahre nach der Gründung der GmbH: Das Kurheim, wegen dem Peyser mitsamt Familie nach Föhr gekommen war, machte dicht. „Für mich war das der Punkt zu sagen: Ich nehme diese Gelegenheit jetzt wahr und werde den Shop so hochziehen, dass wir davon leben können“, beschreibt Peyser die Situation. „Das hat im ersten Jahr schon sehr gut funktioniert.“

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Dass der Shop überhaupt funktioniert, führen die beiden Firmengründer auch auf eine gute Arbeitsteilung zurück. Peyser kümmert sich hauptsächlich um die Bereiche Koordination und Kommunikation, ist für die Kunden da, hat den Lagerbestand im Blick, beantwortet Produktanfragen. Miebach dagegen verantwortet den Marketing-Bereich und ist der Ansprechpartner für Finanzen und Strategie. Der 34-Jährige knüpft auch die Kontakte zu neuen Partnern. Das geht in Köln besser als in Nordfriesland.

Seit Kurzem beschäftigen die Gründer außerdem zwei Mitarbeiter, eine Einkäuferin und einen Entwickler. Beide arbeiten nebenberuflich für den Yoga- Shop – und sitzen ebenfalls in Nordrhein-Westfalen. Auch mit ihnen läuft die Koordination meistens aus der Ferne, nur ab und zu trifft sich das kleine Team persönlich. „Das ist schon manchmal etwas komplizierter, und ich fände es schöner, wenn wir alle zusammen in einem Raum sitzen würden. Aber keiner der anderen kann zurzeit sein Leben nach Föhr verlagern, und ich erwarte das auch von niemandem“, sagt Peyser, der aktuell als Einziger in Vollzeit für den Greenyogashop arbeitet.

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