16 unu by Chris Marxen

Die Unu-Gründer Elias Atahi, Pascal Blum und Mathieu Caudal

Das Rauschen und Klappern der U-Bahn mischt sich unter das Röhren der Verbrennungsmotoren – Berlin-Kreuzberg führt seine alltägliche Kakofonie aus Straßenlärm auf. Ich warte auf Elias Atahi und suche seine Nummer im Smartphone. Als ich im nächsten Moment wieder aufblicke, sehe ich den Unu-Gründer mit seinem E-Roller nur wenige Meter neben mir stehen. Ich habe ihn nicht kommen hören, denn der Roller gibt kaum einen Mucks von sich.

Er lege fast jede Strecke mit dem Roller zurück, sagt Atahi. Klar, denn sein Unternehmen stellt sie auch her. Trotzdem: Damit könne er sich viel schneller in der Stadt bewegen, sagt er. Wie der Gründer machen es alle in dem Startup. Denn jeder der knapp 45 Mitarbeiter bekommt einen Firmenroller gestellt. Vom Design her erinnert der elektrisch betriebene Scooter an eine verjüngte Variante einer klassischen Vespa – nur der typische Gestank und Lärm vom Zweitakter fehlen. Unter dem Sitz befindet sich der herausnehmbare Akku. Der könne an jeder normalen Steckdose aufgeladen werden und sei nach etwa fünf Stunden wieder voll, erklärt Atahi. Mit einer Ladung lasse sich etwa 50 Kilometer weit fahren.

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Das Unternehmen gründete der damals 23-Jährige zusammen mit Pascal Blum. Die Idee kam den beiden 2012 auf einer Reise durch die chaotischen Megastädte Asiens. Elektromobilität sei dort wegen staatlicher Auflagen schon viel weiter verbreitet gewesen, erzählt Atahi beim Mittagessen. Dass es auch in Europa einen Bedarf für E-Roller geben könnte, erkannten die Gründer recht schnell.

„Wir haben als Studenten begonnen, und ich hatte nicht mal das Geld für die Kapitaleinlage zur Firmengründung“, erinnert sich Atahi. Das Geld habe er sich 2013 bei seinem Mitgründer Blum geliehen. Doch dann ging alles ziemlich schnell. Erst haben sie zwei Business Angels gefunden, wenig später gab es weiteres Kapital vom US-amerikanischen Investor Michael Baum. Ende 2013 hatte Unu rund 350.000 Euro zusammen und konnte den ersten Roller produzieren.

„Jeder Dritte, der sich auf einen Roller setzt, kauft ihn auch“

Für die Entwicklung vom Prototyp zum Serienmodell sei maßgeblich Mathieu Caudal verantwortlich gewesen. Er ist kurz nach der Gründung zum Startup gestoßen und wurde in diesem Jahr ins Gründerteam mit aufgenommen.

In den ersten zwölf Monaten habe Unu mehr als 1.000 Kunden gewinnen können. Im Jahr 2015 sammelte das Unternehmen weitere 1,5 Millionen Euro ein. Das Gründerteam stehe kurz davor, die nächste Finanzierungsrunde abzuschließen, sagt Atahi. Über aktuelle Verkaufszahlen will er aber keine Details preisgeben.

04 – Unu

Wachstumsrate: 725%
Gründungsjahr: 2013
Firmensitz: Berlin
Branche: Mobility
Webseite: unumotors.com

Wer sich für einen der Roller interessiert, kann online einen Termin mit einem sogenannten Pionier vereinbaren. Der kommt dann mit einem Unu beim Interessenten persönlich vorbei und erklärt alles. Eine Probefahrt kann natürlich auch unternommen werden. „Jeder Dritte, der sich auf einen Roller setzt, kauft ihn auch“, sagt Atahi. Das Konzept dahinter sei das eines Markenbotschafters. 50 Pioniere beschäftigt Unu.

Das Berliner Startup arbeitet auch verstärkt mit Künstlern zusammen. Unu-Mix-Tapes ist eines dieser Projekte. Hierüber stellen aufstrebende Musiker aus Amsterdam, Hamburg oder München ihre Musikauswahl über SoundCloud zur Verfügung. Stadtführer zu angesagten Locations und andere Projekte sollen bald folgen, erzählt Atahi.

So sieht es beim Berliner E-Roller-Startup Unu aus

Die Vision ist groß

Im nächsten Schritt soll sich Unu vom reinen Fahrzeug-Produzenten zur Plattform entwickeln. Atahi nennt es „Mobility as a Service“, kurz MaaS. Der Wandel sehe so aus, dass man Mobilität als Dienstleistung bezahlt – um alles andere müsse man sich nicht mehr kümmern.

Langfristig ist damit gemeint, ein Angebot mit autonomen Fahrzeugen aufzubauen. Es müsse möglich sein, so Atahi, dass Fahrzeuge bei Bedarf selbstständig bis zur Haustür vorfahren und der Kunde von dort an selber weiterfahren kann. Im Labor unterhalb des Büros soll daran bereits fleißig entwickelt werden. Doch das ist alles streng geheim. Auch wann das neue Modell erscheinen wird, will er noch nicht verraten.

Im Büro selbst geht es ähnlich wie in einem Co-Working-Space zu. Viele Mitarbeiter sitzen verteilt an langen Tischen in einem großen Raum. Doch eines ist anders: Gleich am Eingang stehen dutzende schwarze, Geldkassetten-große Blöcke an der Wand. Hier hat jeder Mitarbeiter auch einen eigenen Ladeplatz für seinen Akku.

Bild: Chris Marxen/Gründerszene