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Sie sind gemeinsam mit einem motivierten Gründerteam und einer guten Idee der Motor eines jungen Unternehmens: Investoren. Egal, ob Venture-Capitalist, Business-Angel oder Inkubator – ohne das nötige Kleingeld gäbe es so manche spannende Business-Idee nur auf dem Papier. Gründerszene hat sich daher einmal die Mühe gemacht und unter dem Motto “Interview mit einem VC” – und nein, Anspielungen an Blutsauger sind gänzlich zufällig – Deutschlands spannendste Geldgeber zu einem Interview gebeten. Dieses Mal: Jens Müffelmann von der Axel Springer AG.

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Ich bin seit 1997 bei Axel Springer und war anfangs als Strategiechef tätig. Seit 2004 verantworte ich unser mittlerweile massiv ausgebautes Portfolio an Internet-, TV- und Radio-Beteiligungen.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

Wir haben seit 2006 über 130 größere Investments getätigt, davon viele Beteiligungen. Dazu gehören Online-Rubrikenmärkte wie Seloger und Totaljobs, Commerce-Plattformen wie Zanox (www.zanox.com), Idealo (www.idealo.de) oder KaufDa (www.kaufda.de), aber auch Content– und Community-Angebote wie Transfermarkt oder Motortalk. Kurzum: mediennahe digitale Geschäftsfelder.

Unser Beteiligungsfokus liegt auf Later-Stage-Investments. Die Unternehmen sollten schon gezeigt haben, dass ihre Geschäftsmodelle nachhaltig und skalierbar sind. Sie sollten profitabel sein, zumindest aber eine klare Profitabilitätsperspektive haben.

In den letzten Jahren haben wir über eine Milliarde investiert und werden auch weiter investieren. Unser Ziel ist es, in einigen Jahren 50 Prozent des Konzerngeschäftes im digitalen Bereich zu erwirtschaften. Schon heute haben wir den höchsten Digitalumsatz und die höchste Reichweite der Medienunternehmen in Europa.

Wie viel investiert ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten?

Grundsätzlich streben wir Mehrheitsbeteiligungen an. Als Investor, der sich auf Later-Stage-Investments konzentriert und ein strategischer Partner sein will, ist das ja nicht ungewöhnlich. Bislang haben wir mit jedem Gründer den richtigen Weg gefunden.

Bist du selbst an den Investments Deines Fonds beteiligt? Zum Beispiel direkt oder über carry.

Wir sind kein klassisch Exit getriebener Fonds. Wir haben deshalb andere unternehmerische Incentivierungsmodelle.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Es bringt unglaublich viel Spaß, mit smarten Teams zu arbeiten, auch wenn „High-Performance“ in der Regel mit „High-Maintenance“ verbunden ist – vielleicht aber auch gerade deswegen. Das Scouting und Dealmaking, und die Suche nach intelligenten Lösungen, von denen beide Seiten profitieren, ist ebenso spannend und reizvoll wie die nachhaltige Weiterentwicklung der Portfoliounternehmen im Axel-Springer-Netzwerk.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung?

Wir hatten mit einer der bekanntesten deutschen Copycat-Online-Plattformen unterschriftsreife Beteiligungsverträge durchverhandelt. Einen Tag vor Signing wurde allerdings NUR der Käufername geändert und ein anderer Investor hat mit einem unsauberen Back-end Deal übernommen. Aber der Käufer ist nicht glücklich geworden. Noch heute wird das Plagiat durch das Original gnadenlos abgestraft.

Großartig ist es, wenn wir mit den Gründern ihre Unternehmen erfolgreich weiterentwickeln, dann für den Restanteil deutlich mehr zahlen als für das mehrheitliche Initialinvestment und die Gründer danach dennoch an Bord bleiben.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Eine brillante Idee ist ohne starkes Team und konsequente Umsetzung wenig wert. Eine starkes Team kann eine Idee, die nicht wie gewünscht funktioniert, anpassen und optimieren. Insofern gilt für mich: „Team schlägt Idee“.
Auch deshalb wollen wir, dass die Gründer bei unseren Investments über einen längeren Zeitraum weiter an Bord bleiben.

Gibt es das ideale Gründerteam?

Ein starkes Team besteht aus hungrigen, leidensfähigen, analytischen und paranoiden Gründern, die sich mit ihren Kompetenzen ergänzen.

Was muss ein Gründer machen, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen? Welches sind die bedeutendsten Kriterien bei Startups für dich?

Uns interessieren Unternehmen, die mediennah agieren und strategisch zu unserem Kerngeschäft passen. Unser Netzwerk soll ihnen zu einem echten Wachstumssprung verhelfen. Von zentraler Bedeutung sind ein erfahrenes Management, das sich auch über unseren Einstieg hinaus committed, und eine faire und realistische Bewertung des Unternehmens.

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Ernsthaft: Unser Mantra im Konzern wie bei Beteiligungen ist seit einer Dekade „profitables Wachstum“.

Welches sind die Top-Kardinalsfehler von Startups in Deutschland?

Uns fällt immer wieder auf, dass einige Gründer ganz klare Vorstellungen vom Exit, aber nicht vom Geschäftsmodell haben.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Sicher, die USA geben in vielen Feldern den Ton an. Aber wir müssen uns nicht verstecken. Gerade Berlin macht sehr große Hoffnung.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

Das verkünden wir, wenn die Tinte trocken ist.

Wie stehst du zu Copycats?

Sorry, kein „Samwer-Bashing“ hier! Man muss nicht immer alles neu erfinden. Umsetzungsexzellenz ist für mich genauso eine unternehmerische Leistung wie Innovationsexzellenz.

Auf welchen Startup-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Wir sind bei allen relevanten Startup-Events dabei. Und was Blogs und Zeitungen betrifft: Ganz klar BILD und BILD.de. Dann wisst Ihr, wie Eure User ticken…