Fabian Heilemann Dailydeal

DailyDeal-Mitgründer Fabian Heilemann

Von tragfähigen Strukturen und Later-Stage-Kapital

Als Gründer haben sich die Brüder Fabian und Ferry Heilemann mit dem Exit ihres Couponing-Anbieters DailyDeal (www.dailydeal.de) an Google einen Namen gemacht, als Investoren sind sie bei Startups wie Amerano (www.amerano.de), JustBook (www.justbook.com) oder Vamos (www.getvamos.com) engagiert. Zuletzt waren die beiden Brüder in den Schlagzeilen, als sie DailyDeal vom Suchmaschinenriesen zurück nahmen. Im Gespräch mit Gründerszene verrät Fabian, wie die Zukunft für Dailydeal und die neu gegründete E-Business-Agentur Heilemann & Co. aussehen soll, welche Erfahrungen er bei Google gesammelt hat, wieso Startups nicht nur in Superlativen denken sollten und was sein bester Rat für junge Gründer ist.

Auch wenn Du wohl nichts über die Details sagen kannst: War das DailyDeal-Aus bei Google ein Rückschlag für Dich? Ganz nüchtern wirst Du das ja kaum sehen können…

Also, ein Rückschlag auf keinen Fall. Im Gegenteil: Wir sind sehr glücklich über die neu gewonnene Freiheit. DailyDeal birgt als gründergeführtes und auch finanziell absolut unabhängiges Unternehmen großes Potenzial in sich. Wir sitzen hier – bildlich gesprochen – auf einem Berg von Assets und können nun auch Synergien heben zwischen DailyDeal, unserer Investment-Firma Heilemann Ventures und unserer vor wenigen Tagen erfolgreich gestarteten E-Business-Agentur Heilemann & Co.

Findet nun der langsame Übergang von DailyDeal zu Heilemann & Co. als Fokusprojekt statt? Oder soll es ein Zusammenspiel der unterschiedlichen Unternehmen geben?

DailyDeal ist kein Auslaufmodell und steht bei uns unverändert im Fokus. Heilemann & Co ist ein neues, wirtschaftlich von DailyDeal unabhängiges Unternehmen. Zwischen diesen beiden Unternehmen gibt es aber selbstredend enge Verbindungen. Sie ergänzen sich gut. Wir geben mit der Agentur das Wissen und die Erfahrung weiter, die wir unter anderem in den letzten drei Jahren bei DailyDeal gesammelt haben.

Demnach hat das Deal-Business noch eine Zukunft – auch wenn viele große Anbieter wie Groupon längst straucheln…

Definitiv. Wir denken bei DailyDeal nicht in Wochen oder Monaten, sondern in Jahren. Couponing, also die Online-Leadgenerierung für lokale Unternehmen, löst substantielle Probleme von Offline-Playern. Hieraus leitet sich die grundsätzliche ökonomische Relevanz und Existenzberechtigung des Geschäftsmodells ab. Dies gilt umso mehr, wenn man das bisherige Geschäftsmodell um flankierende Produkte ergänzt, und hierdurch eine noch breitere Value-Proposition für die Nutzer und Geschäftspartner abbildet.

Was hast Du bislang bei DailyDeal und im Rahmen von Heilemann Ventures, über das Du zusammen mit Deinem Bruder Ferry in Startups investierst, gelernt?

Ferry und ich haben erkannt, wie wichtig es ist, loyale Mitarbeiter zu finden und zu halten, die als „Unternehmer im Unternehmen“ eigenverantwortlich einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Gesamterfolg leisten. Nicht zufällig arbeitet ein Großteil unserer Mitarbeiter schon seit mehreren Jahren mit uns zusammen und nicht ohne Grund haben sich nach dem Rückkauf von DailyDeal viele ehemalige Mitarbeiter erneut bei uns beworben.

Und was aus der Zusammenarbeit mit Google?

Die Zeit mit Google war für unser Team, DailyDeal als Unternehmen und uns als Gründer sehr lehrreich. Nach dem extremen Wachstum in den ersten anderthalb, fast zwei Jahren haben wir das Unternehmen stark professionalisiert und viele Prozesse neu strukturiert. Durch die enge Verzahnung der beiden Unternehmen auf vielen Ebenen haben wir alle auch individuell gelernt und uns weiterentwickelt. Das Unternehmen und jeder einzelne Mitarbeiter ist unter Google spürbar gereift.

Was macht ein erfolgreiches Startup aus? Ist schnelles Wachstum immer das einzige Ziel?

Anzeige
 Startups müssen Probleme lösen und Mehrwerte bieten, um sich am Markt zu behaupten. Schnelles, oft defizitäres Wachstum kann dabei ein sinnvolles Zwischenziel sein, aber niemals das langfristige Endziel. Sicherlich hatte auch DailyDeal 2010 und 2011 eine Phase, in der es galt, möglichst schnell die Claims abzustecken und Marktanteile zu sichern. Wirklich erfolgreich ist man aber erst dann, wenn man tragfähige Prozesse und Strukturen schafft, die ein nachhaltig profitables Unternehmen hervorbringen.

Und erfolgreiche Gründer? Sicherlich gibt es Qualitäten, die Dir als Investor wichtig sind…

Absolute Leistungsbereitschaft und vor allem auch sehr hohe Leistungsfähigkeit sind enorm wichtig. Darüber hinaus sollten Gründer unbedingt auch diejenigen Skills und umfassenden Erfahrungen mitbringen, die ideal auf die jeweilige Unternehmens- und Produktstrategie einzahlen. Am Ende des Tages kommt es bei Investment-Entscheidungen immer wieder darauf an, dass die Geschäftsidee und das Team erstklassig sind und außerdem noch perfekt zueinander passen.

Wie siehst Du die Entwicklung in der Berliner Startup-Szene – auch mit Blick auf das Silicon Valley?

Berlin hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Hier hat sich eine leistungsfähige Mikroökonomie entwickelt mit Seed- und Early-Stage-Investoren, sehr vielen neuen Startups und auch international angesehenen Playern wie Soundcloud, Wooga oder Zalando. All das sollte aber nicht den Blick auf strukturelle Defizite verstellen: Berlin unterscheidet noch viel von London oder dem Silicon Valley. Vor allem der Mangel an Venture Capital für Startups im Later-Stage-Bereich ist gravierend. Beim Anteil der Venture-Capital-Investitionen am nationalen Bruttoinlandsprodukt hinkt Deutschland mit 0,06 Prozent nicht nur Großbritannien oder den USA hinterher. Wir liegen als sonst führende Wirtschaftsnation sogar deutlich unterhalb des EU-Durchschnitts von 0,12 Prozent.

Was sind die Vorteile von Berlin als Standort?

Berlin ist hip, jung, urban und (noch) vergleichsweise günstig. Entsprechend viele junge Leute aus Deutschland und dem Ausland zieht es in die Stadt. Für Startups bietet der vergleichsweise entspannte Arbeitsmarkt ideale Voraussetzungen. Berlin profitiert international zudem vom guten Standing in der Tech-Branche. Selbst im Valley ist das Interesse groß – nicht zuletzt dank einiger internationaler Erfolgsstories.

Und was fehlt Berlin noch, um sich als Standort gegen London oder Tel Aviv behaupten zu können? Later-Stage VCs zum Beispiel sind ja weiterhin nur schwer zu finden…

Berlin hat gute Chancen, mit London oder Tel Aviv gleichzuziehen und sich dem Valley weiter anzunähern. Es fehlt, wie Du schon ausführst, bislang aber noch an kapitalkräftigeren VC-Gebern für spätere Wachstumsphasen bis hin zum PE-Sektor. Die Politik könnte mit Steueranreizen zu einem besseren Investitionsklima beitragen. Speziell in Berlin mangelt es zunehmend auch an bezahlbaren Büroflächen in zentraler Lage. Unternehmen mit einer Größe von mehr als zwei-, dreihundert Mitarbeitern stellt das vor große Herausforderungen. Wir haben mit DailyDeal beispielsweise anderthalb Jahre lang nach einem passenden Büro gesucht und waren lange Zeit auf drei Standorte verteilt.

Oft drängt sich das Gefühl auf, dass Berlin dem „(Multi-)Milliarden-Exit“ hinterher läuft. Wie wichtig ist dieser tatsächlich für die Glaubwürdigkeit als Startup-Hotspot?

Erfolgsgeschichten sind sicher imagefördernd und große Namen wie Wooga, Gameduell oder Zalando tragen schon heute zur positiven Wahrnehmung bei. Wir tun uns als Branche aber keinen Gefallen, nur in Superlativen zu denken. Es geht nicht darum, das nächste Google zu gründen. Wichtiger für die Glaubwürdigkeit und den eigenen Mikrokosmos ist es, gesunde Unternehmen zu entwickeln, die es auch in zehn, fünfzehn Jahren noch gibt.

Was ist Dein bester Rat für Gründer?

Gründer sollten immer ehrlich zu sich selbst und fokussiert sein, extrem hart arbeiten und sich bei der bei Wahl von Mitarbeitern und Geschäftspartnern immer fragen, ob sie ihnen auch wirklich vertrauen können.

Bild: Heilemann Ventures