Foodpanda Ralf Wenzel Interview

Foodpanda: Marktführerschaft als Anspruch

Angefangen hatte bei Rocket Internet (www.rocket-internet.de) in Sachen Lieferdienst-Vermittler alles in Südostasien:  Anfang 2012 war der Lieferdienst-Vermittler Foodpanda in der Region gestartet. Seitdem expandierte das Jungunternehmen unter zum Teil verschiedenen Namen zunächst nach Afrika und Lateinamerika. Spätestens mit seinem Markteintritt in Polen und Russland Ende vergangenen Jahres und der kürzlich vermeldeten Expansion in zwölf weitere Länder ist Foodpanda den großen internationalen Lieferdienst-Vermittlern wie Just-Eat (www.just-eat.co.uk), Delivery Hero (www.deliveryhero.com), oder Takeaway.com (www.takeaway.com) zumindest etwas auf die Pelle gerückt.

Ganz ohne Vorwissen agiert man bei Rocket Internet auch nicht: Mit ihrem European Founders Fund haben die Samwer-Brüder ab Ende 2007 beim schweizerischen Anbieter Foodarena (www.foodarena.ch) Erfahrungen gesammelt. Ende 2011 hatte Delivery Hero den Anbieter mehrheitlich übernommen. Gründerszene sprach mit Ralf Wenzel, dem zuständigen Managing Director beim Berliner Company Builder, über die – bei Rocket-Unternehmungen typischerweise hohen – Ambitionen des Lieferdienst-Vermittlers.

Foodpanda ist ein Lieferdienst-Vermittler, wie sie hierzulande mit Pizza.de, Lieferando, Lieferheld oder Lieferservice.de anzutreffen sind. International liefern sich Just-Eat und Delivery Hero einen Wettstreit. Wie passt Foodpanda in dieses Umfeld?

Ralf Wenzel

Zunächst sind wir der globalste aller Lieferdienste: Foodpanda erreicht drei Milliarden Menschen in 25 Ländern. In vielen Märkten, vor allem in Asien, sind wir schon jetzt Marktführer, was in jedem Land unser Anspruch ist. Die Entwicklung ist überall die gleiche: Essen bestellt man am bequemsten und schnellsten online oder per Handy-App. Pizza-Flyer und Telefonbestellungen bieten nicht den gleichen Komfort, die gleiche Schnelligkeit und Kosteneffizienz.

Warum der derzeitige Fokus auf vermeintlich umsatzschwache Länder wie Chile, Ghana, Ungarn, Elfenbeinküste, Kenia, Mexiko, Pakistan, Peru, Senegal oder die Ukraine? Stehen die großen Märkte wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder die USA nicht auf dem Foodpanda-Atlas? Wäre auch die Übernahme eines großen Lieferdienst-Vermittlers eine Option?

Ich glaube nicht, dass ein Land wie Mexiko mit über 110 Millionen Einwohnern umsatzschwach ist. Indien, Brasilien und auch Russland sind wahre Giganten und eine tolle Herausforderung. Unser Vorteil: In den sogenannten „Emerging Markets“ gibt es kaum oder nur sehr wenig Konkurrenz. Zudem ist Essen überall ein zentrales Thema, egal, wie groß der Markt ist. Auch alle internationalen Restaurantketten expandieren mehr und mehr in neue Märkte. E-Commerce und die mobile Nutzung gewinnen global weiter an Bedeutung. Unser Ziel: Sobald jemand an Essen denkt, soll er auch an Foodpanda denken.

Sind sich sättigende Märkte dann überhaupt interessant? Immerhin prangen hierzulande oft schon vier Wettbewerberlogos an den Restaurant-Türen…

Idealerweise ist man der einzige oder zumindest größte Aufkleber an der Tür. Wir müssen ohnehin davon wegkommen zu denken, dass die stärksten Märkte hier vor Ort sind. Am Ende ist es mir lieber, Markführer in Indien oder Russland zu sein. Mit entsprechender Größe kommt der Rest von alleine. Denn eines wissen wir schon jetzt: Kunden, die einmal bei uns auf der Plattform waren, kommen immer wieder. Foodpanda ist sozusagen ihr digitaler Kellner.

Was macht den Lieferdienste-Markt so interessant?

Essen ist doch für jeden ein großes Thema, oder? Hat man die Infrastruktur und das Netzwerk erst einmal aufgebaut, steht ein funktionierendes Geschäftsmodell. Die Restaurants haben damit die Möglichkeit, ihren Kundenstamm online zu erweitern. Sie können von der zunehmenden Bedeutung von E-Commerce und dem Wunsch nach Convenience profitieren. Und wir werfen hier genau das in die Waagschale, was wir am besten können: Ein Angebot entwickeln, das Kunden immer wieder auf die Website bringt, weil wir Sie zuverlässig, schnell und einfach bedienen.

Wie lassen sich den Wettbewerbern Marktanteile abnehmen, wenn das Angebot weitestgehend gleich ist? Was differenziert Foodpanda von anderen Anbietern?

Foodpanda LänderDer Panda ist ein Superheld zum Gernhaben. Wir konzentrieren uns darauf, in jedem Land und jedem Ort weltweit die größtmögliche Vielfalt an Essen und Restaurants anbieten zu können. Wir möchten, dass man zuhause oder von unterwegs alles bestellen kann, von guter Pasta bis hin zum saftigen Steak und dem frischen Salat. Neben dem Essen fühlen wir uns auch für die schnelle Lieferung und den gesamten Service verantwortlich. Wir liefern daher selbst aus, wenn das Restaurant keinen eigenen Lieferdienst anbietet.

Wie ist Foodpanda organisatorisch aufgestellt? Da die Koordination nun in Deiner Hand liegt und von Deutschland aus stattfindet, soll ja offenbar ein gemeinsames Dach geschaffen werden. Derzeit nutzen die einzelnen Ländergesellschaften zum Teil ja auch unterschiedliche Markennamen…

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Wir haben bei Foodpanda ein starkes zentrales Team in Berlin und gleichzeitig lokale Experten in all unseren Ländern. In Asien und Osteuropa arbeiten wir unter der Marke Foodpanda, in Afrika, dem Mittleren Osten und Lateinamerika sind wir unter Hellofood aktiv. Die gesamte koordinative Arbeit machen wir in Berlin: Online Marketing, CRM, die IT- und Produktentwicklung sowie die globale Vertriebssteuerung. Hier können wir die Entwicklung und Kundenzufriedenheit in den einzelnen Ländern genau beobachten und verbessern. Zudem haben wir Muttersprachler aus allen Ländern vor Ort. In der täglichen Arbeit sind Sie unverzichtbar. Großer Vorteil: Die Zentralisierung ermöglicht es uns, sehr schnell in neue Länder zu gehen.

Welche Rolle spielt Foodpanda dabei im Portfolio von Rocket Internet?

Wir sind ein junges Venture und profitieren sehr von der Rocket-Kompetenz. 25 Länder oder auch die zwölf neuen Länder in wenigen Wochen wären ohne Rocket Internet einfach nicht möglich.

Gerade die drei großen Lieferdienst-Vermittler GrubHub, Just-Eat und Delivery Hero haben in den vergangenen Monaten mitunter beachtliche Finanzierungssummen vermeldet. Mit welcher Kapitalbasis ist Foodpanda derzeit ausgestattet? Gerüchtehalber sollen diesbezüglich gerade Gespräche mit Kleiner Perkins stattfinden…

Es ehrt uns, dass es zu einem jungen Venture wie uns bereits Gerüchte gibt. Es ist jedoch einfach zu früh, um dazu überhaupt etwas zu sagen. Wir melden uns, wenn es soweit ist.

In Russland, wo auch Foodpanda aktiv ist, hatte der Wettbewerber Delivery Hero zuletzt seine Aktivitäten mit denen eines lokalen Anbieters zusammen gelegt, weil als „Ausländer“ alleine keine Marktanteile zu gewinnen waren. Steht Foodpanda in dem Land – oder anderswo – vor dem selben Problem?

Bei Foodpanda haben wir die richtige Mischung aus zentraler Steuerung und lokaler Kompetenz. Wir sehen uns daher auch in Russland nicht als Ausländer. Wir glauben, jeden nationalen Markt gut verstehen zu können. Zudem hängt der Erfolg des Geschäftsmodells von der Vielfalt der anbietenden Restaurants ab. Da sind wir mit aktuell über 10.000 Partner-Restaurants gut aufgestellt.

Bestellst Du selbst öfter per Lieferdienst-Vermittler – und wenn ja, über welchen?

Letzte Woche war ich in Singapur und habe bei Foodpanda bestellt. Alleine schon weil ich neugierig war, wie es klappt. Es war alles wunderbar. Hier in Berlin bestellen wir jeden Donnerstagabend Essen für alle Mitarbeiter. Wir testen da aktuell die verschiedensten Angebote, um auch uns zu verbessern.

Bildmaterial: Rocket Internet