Startuptyp Konzerntyp

Startup und Konzern mit Stereotypen behaftet

Die Gründe, warum Jobsuchende sich für die Arbeit im Startup oder aber im Konzern entscheiden, sind mehr oder weniger immer die gleichen und dabei ziemlich stereotyp:

Oft gehörte Gründe für die Arbeit im Startup:

  • Es gibt flache Hierarchien, viele Entscheidungsspielräume und schnell große Verantwortung.
  • Man duzt sich und trägt Jeans nicht nur am „Casual Friday“.
  • Alles ist irgendwie dynamisch, man bewegt sich und bleibt nicht stehen.
  • Prozesse sind, wenn vorhanden, meist kurz und schmerzlos.
  • Interdisziplinäre Arbeit ist ziemlich wahrscheinlich.
  • Die Erfolge (und Misserfolge) seiner Arbeit sieht man oft unmittelbar.
  • Arbeit fühlt sich insgesamt ein bisschen weniger nach Arbeit an, es herrscht WG-Charme statt Office-Chic, eine willkommene Work-Life-Integration.

Oft gehörte Gründer für die Arbeit im Konzern:

  • Es gibt schon eine starke Marke, das heißt, andere Menschen verstehen, wo man arbeitet!
  • Im Team sind bereits Fachleute mit Expertise und vielen Jahren Erfahrung, von denen man lernen kann.
  • Konzerne zahlen oft wesentlich besser, unbefristete Arbeitsverträge, 30 Urlaubstage und Überstundenausgleich sind durchaus möglich.
  • Das Arbeitsumfeld ist generell geregelter, es gibt schon Strukturen und funktionierende Prozesse.
  • Die Wahrscheinlichkeit auf eine Work-Life-Balance ist deutlich höher.

Eine Lebensphasen- und Typfrage

So schön sich das Arbeiten in Startups und Konzernen in Schublade stecken lässt, so schwarz und weiß sind diese Vorstellungen von beiden Arbeitswelten. Grundsätzlich kann die Präferenz für die eine oder andere Form der Arbeit maßgeblich von der Lebensphase, aber auch generell vom eigenen Typ abhängen. Lebensphase und Typ korrelieren dabei sicher oft, aber nicht unbedingt immer. Und ebenso, wie sich Lebensphasen ändern, können sich natürlich auch Typen wandeln.

Wo liegt der persönliche Fokus?

Typ A: Selbstverwirklichung und Freiheit

Oft einhergehende Lebensphase: Berufsstart oder das „beste Alter“

Selbstverwirklichung, Freiheit und Begeisterung für das, was man tut, sind vielen Menschen wichtiger als eine unbefristete Stelle und ein hohes Gehalt. Der Typ „Selbstverwirklichung und Freiheit“ zieht seine Motivation aus Eigenverantwortung, Spielräumen und der Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit. Besonders häufig kann man diese Prioritätensetzung sicherlich bei Berufseinsteigern (die noch keine Familie haben), aber auch bei erfahrenen Professionals (bei denen die Familie schon wieder aus dem Haus ist) beobachten.

Während die ganz Jungen oft voller Idealismus, Tatendrang und Motivation ins Berufsleben starten und die Welt verändern wollen, kehrt dieser Anspruch nach vielen Jahren Berufserfahrung oft zurück – wenn man müde geworden ist von zu vielen Restriktionen oder einfach wieder neue Herausforderungen für sein Leben sucht.

Typ B: Sicherheit und Work-Life-Balance

Oft einhergehende Lebensphase: Familienplanung und/oder Sesshaftigkeit

Sicherheit und eine gute Work-Life-Balance sind vielen Menschen mehr wert als eine Arbeit auszuüben, die man liebt, die dafür aber vielleicht unsicher und schlechter bezahlt ist. Sie haben gar nicht den Anspruch, dass ihre Arbeit sie absolut begeistern muss und wünschen sich vor allem ein geregeltes Arbeitsleben, dass ihnen im Gegenzug einen guten Lebensstandard in der Freizeit sichert.

Sicherheit und ein geregeltes Einkommen werden vielen insbesondere dann wichtig, wenn sie nicht mehr nur sich selbst, sondern auch ihre eigene Familie ernähren müssen und Verantwortung für andere Menschen haben. Oftmals bleibt diese Einstellung gegenüber der Arbeit dann auch im Alter bestehen – denn wozu sollte man jetzt noch den sicheren Job aufgeben, so kurz vor dem gut gesicherten Ruhestand?

Welche Unternehmensform passt zu wem?

Die jeweils zur Lebensphase beziehungsweise zum Typ passende Unternehmensphase scheint auf der Hand zu liegen, muss aber nicht immer so eindeutig sein! Auch in Startups gibt es mitunter sehr hierarchische Strukturen oder einen sicheren Konzern im Hintergrund – ebenso wie es in Konzernen unglaublich innovative Projekte und Ausgründungen gibt. Es gibt Startups, die außerordentlich viel in die Mitarbeiterzufriedenheit investieren und Konzerne, in denen nichts dergleichen geschieht. Es ist – wer hätte es gedacht – nicht unbedingt eine Frage der Größe, sondern vielmehr der Unternehmenskultur und Arbeitsweise!

Die viel wichtigeren Fragen sollten lauten:

  • Was ist mir gerade am allerwichtigsten bezogen auf meinen Job?
  • Wie sähe mein idealer Job aus, wenn ich ihn mir basteln könnte?

Und natürlich: Wo finde ich ihn nun, diesen Traumjob?

Wenn man die beiden obigen Fragen für sich beantwortet und sich eine genaue Vorstellung von seinen Erwartungen an den nächsten Job gemacht hat, ist die Suche nach einem Unternehmen, dass einem das alles (zumindest bestmöglich) bietet, der nächste Schritt.

Von Startup- oder Konzernform sollte man sich dabei erst einmal wenig beeindrucken lassen. Vielmehr sollte man seine Energie darauf verwenden, sehr intensiv über potenzielle Arbeitgeber zu recherchieren. Neben einer gründlichen Online-Recherche (Unternehmenswebsite, Presse, Social Media, Bewertungsplattformen wie Kununu…) hilft es zur Einschätzung des Cultural fit mit aktuellen Mitarbeitern des Unternehmen ins Gespräch zu kommen oder zumindest sein Netzwerk zu Rate zu ziehen. Oftmals kennt jemand jemanden, der jemanden kennt…

Spieß umdrehen und das Unternehmen interviewen

Die allerbeste Chance zur Einschätzung des Fit liefert aber der erste Face-to-Face Kontakt mit dem Unternehmen selbst. Ein gutes Interview sollte ja schließlich ein Bewerbungsgespräch in beide Richtungen sein und somit auch Fragen des Bewerbers an das Unternehmen genügend Raum gewähren. Eine tolle Chance also, zu fragen, was das Zeug hält. Nicht die üblichen, meist abgedroschenen Fragen aus diversen Interview-Ratgebern, sondern Dinge, die einen wirklich interessieren – und die letztlich ausschlaggebend sind für die eigene Zufriedenheit.

Sind Anzahl der Urlaubstage und feste Arbeitszeiten einer Person wirklich wichtig, sollte sie sich nicht davor scheuen, danach zu fragen. Sie könnte nie ohne Feedback leben? Dann unbedingt nach der Feedbackkultur fragen! Sie möchte eigene Konzepte schnell umsetzen und Ergebnisse sehen? Dann sollte sie sich nach den üblichen Vorgehensweisen und Prozessen im Team erkundigen. Ab und an wird ein Rückzugsort zur Stillarbeit benötigt? Also, herausfinden, inwiefern dafür Möglichkeiten gegeben sind.

Wenn die Person aufgrund authentischer und ihr wirklich wichtiger Fragen den Job nicht bekommt, hätte er sowieso nicht zu ihr gepasst. Passen sie und das Unternehmen aber zusammen, zeigen die Fragen umso mehr ihre Reflektiertheit und ehrliches Interessen an einer guten Zusammenarbeit – ob nun im Startup, im Konzern oder irgendeinem Setting dazwischen.

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Benjamin Thorn  / pixelio.de