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Stattliche 15 Millionen US-Dollar konnte das Mobile-Advertising-Startup Trademob hauptsächlich vom neu eingestiegenen Investor Kennet Partners gewinnen – genug Kapital sicherlich, um das weitere Wachstum des Unternehmens zumindest für eine Weile zu sichern. Welche Zukunft aber hat der Bereich der Mobilwerbung generell?

Kennet Partners investiert in Trademob

Das Geschäftsmodell des Mobilwerbung-Aggregators Trademob (www.trademob.com) scheint aufzugehen: Stattliche 15 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund zwölf Millionen Euro) konnte das Unternehmen nun einsammeln. Mit 12,5 Millionen US-Dollar stammt der Löwenanteil dabei vom britisch-amerikanischen-Investor Kennet Partners (www.kennet.com), der sich erstmals bei dem Berliner Jungunternehmen engagiert. Bislang wurde Trademob von Tengelmann Ventures (www.e-tengelmann.de) und dem High-Tech Gründerfonds (HTGF, www.high-tech-gruenderfonds.de) finanziert – in welcher Höhe, wollten die Trademob-Gründer Ravi Kamran, Alexander Franke und Florian Lutz allerdings nicht verraten.

Im Zuge der neuen Finanzierung werden Michael Elias, Managing Director, und Hillel Zidel, Director bei Kennet, in das Trademob-Team einsteigen. Das Kapital selbst soll zur weiteren internationalen Expansion und zur Weiterentwicklung der technischen Plattform genutzt werden. Vor Kurzem erst hatte Trademob seine Expansion nach Großbritannien und die USA gestartet.

Gegenüber anderen Anbietern im Mobile-Advertising-Bereich will sich Trademob mit einer etwas eigenen Positionierung von der Konkurrenz abheben: Das Unternehmen sieht sich dabei weder als Agentur noch als Anzeigen-Netzwerk, sondern vielmehr als Aggegator – oder als “One-Stop-Shop für mobile Werbung”, wie Gründer Kamran es gerne bezeichnet. Dazu kauft das Berliner Startup Traffic aus verschiedenen Werbenetzwerken ein und führt eine Performanceanalyse der Werbekanäle durch. Aus den so gewonnenen Erkenntnissen werden dann Optimierungsansätze für das App Marketing entwickelt, wirbt Trademob. KaufDa (www.kaufda.de), HRS (www.hrs.de), Wooga (www.wooga.com) oder Ebay Kleinanzeigen nennt Trademob als Kunden.

Knackpunkt Tracking

Ganz wesentlicher Knackpunkt beim Mobile Advertising ist das Tracking – nur wer genau analysieren kann, über welche Kanäle der meiste Traffic generiert wird, kann gezielte Werbeschaltungen ermöglichen. Entsprechend wirbt nahezu jeder Werbeanbieter damit, hier die beste Lösung zu haben. Trademob selbst verweist auf eine eigene „Fingerprinting Solution“, die unabhängig von Hersteller-abhängigen Kennungen wie etwa Smartphone-UUIDs funktionieren soll – und damit zumindest theoretisch auch im Desktop-Bereich funktionieren würde. Die Erkennungsrate bewirbt das Unternehmen dabei mit „deutlich über 95 Prozent“, was gerade da etwa Apple mittelfristig UUID-Lösungen blockieren will, auch zukünftig für ein zielgenaues Kampagnen-Management sorgen soll – hofft zumindest Trademob.

Als Aggregator will sich Trademob im Markt zwischen den Kunden und den eigentlichen Publisher-Netzwerken wie dem Valley-finanzierten und international aktiven Madvertise (www.madvertise.de) oder Apprupt (www.apprupt.com) positionieren und Werbeschaltungen über unterschiedliche Netzwerke anbieten. Dabei sieht Trademob gute Argumente auf seiner Seite: So habe sich gezeigt, dass die Werbebudgets mit einem zwischengeschalteten Aggregator um 30 bis 50 Prozent höher ausfallen, wovon auch die Netzwerke selbst profitieren sollen. Ganz vom (intensiven) Wettbewerb wird man sich damit sicherlich zwar nicht abkoppeln können, zumal die Margen im Werbegeschäft bei immer mehr Anbietern sicherlich stetig fallen dürften, was schon derzeit den Wettbewerb zwischen den Netzwerken deutlich anheizt und Letztere zu einer schnellen Expansion zwingt, um die notwendige Reichweite bieten zu können.

Schwieriger Balanceakt

Hinzu kommt der enorme Druck der Mobilbranche, endlich mit Werbung Umsätze zu generieren. Wie komplex das gesamte Thema ist wird alleine daran deutlich, wie lange selbst die Mega-Plattform Facebook gebraucht hat, um eine (halbwegs) schlüssige Mobilstrategie vorzustellen. Ironischerweise war es Trademob selbst, die im Rahmen einer Studie verkündeten, dass rund 40 Prozent der Klicks auf mobile Werbebanner unbeabsichtigt stattfinden. Damit drängt sich einerseits die Frage auf, ob das Segment nicht generell überbewertet ist. Immerhin hat sich der einstige Hype um Bannerwerbung etwa im Desktop-Bereich längst gelegt.

Andererseits ist die Platzierung von Werbeeinblendungen auf mobilen Geräten schon aufgrund des kleineren Displays „näher“ am Kunden, als das auf den immer größer werden stationären Geräten der Fall ist. Hier werden die Anbieter mit Hochdruck daran arbeiten müssen, bald Lösungen vorzulegen, die zwar eine gute Sichtbarkeit bieten, gleichzeitig aber die Nutzer nicht vergrätzen. Denn Letztere wissen jeden Quadratzentimeter Display sehr zu schätzen. Das wird ein schwieriger Balanceakt, von dem sowohl das Schicksal von Werbenetzwerken wie auch Aggregatoren wie Trademob abhängen wird.

Bildmaterial: Andrea Damm / pixelio.de