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Urteil gegen Airbnb-Gastgeber in New York

Nun hat es die Hotel-Lobby geschnallt: Private Zimmervermietung ist ein attraktives Angebot – und das nicht nur für die sogenannten Couch-Surfer. Weit über zehn Millionen Menschen haben mittlerweile Zimmer über die mit 1,3 Milliarden US-Dollar bewertete Plattform Airbnb gebucht, allein in Deutschland sind es seit Gründung mehr als vier Millionen. Das mögen zwar nicht genau so viele verlorene Buchungen für die Hotelindustrie sein. Allerdings sind Letzterer doch eine ganze Menge an Zimmervermietungen entgangen.

Nun wehrt man sich mit Händen und Füßen gegen den boomenden Trend. Erster Erfolg vor wenigen Tagen: In New York wurde gegen einen Airbnb-Gastgeber geurteilt, weil Privatleute die eigenen Zimmer nicht einfach in Hotelräume umwandeln können. 300.000 Übernachtungen wurden dort 2012 über die Plattform gebucht, im laufenden Jahr sollen es laut The Verge eine Million werden. Eins zu null für die Hotellerie. Die bleibt nun am Ball: In Kanada werden Medienberichten zufolge rund 2.000 Vermieter auf’s Korn genommen, weil sie Zimmer ohne entsprechende Erlaubnis vermietet haben. Dabei sollen sogar Regierungsmitarbeiter „under cover“ Reservierungen vorgenommen haben, um die Beschuldigten zu überführen.

Die Hotel-Lobby scheint einen guten Draht zur kanadischen Obrigkeit zu haben. Das derzeitige Gesetz verbietet das regelmäßige Anbieten von kurzfristigen Übernachtungsmöglichkeiten ohne vorherige Registrierung und das Bezahlen einer Gebühr von 250 Kanadischen Dollar.

Starker Kundenzuspruch

Bislang hatten sich die großen Hotelketten freilich nicht vor den „Shareconomy“-Anbietern gefürchtet, weil diese zumeist auf niedrigpreisige Unterkünfte abzielten. Dabei hat man sich gleich in zweierlei Hinsicht verkalkuliert. Zum einen kommt das Angebot bei weitaus mehr Nutzern an, als zunächst vermutet. Nicht nur Studenten, sondern auch betagtere Reisende interessieren sich für die Plattform.

Sicherlich hat in diesem Zusammenhang auch die Finanz- und Wirtschaftskrise, die zum Sparen animierte, aber auch der allgemeine Trend hin zur Shareconomy – von Carsharing bis hin zu Kleidung – den Zimmervermittlern in die Hände gespielt. Zum anderen umfasst das Angebot von Airbnb und Co auch immer hochwertigere Unterkünfte, die zum Teil deutlich attraktiver sind – nicht nur bezüglich des Preises – als entsprechende Hotelzimmer.

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Aber es sind nicht allein die großen Hotelketten, die sich von den Vermittlungsportalen bedroht fühlen. Kleinere Pensionen beziehungsweise die berühmten B’n’Bs haben sogar noch stärker unter dem starken Wachstum privater – und nicht als Gewerbe betriebenen und versteuerten – Wohnungsvermittlungen zu leiden. Entsprechend gehen sie organisiert in zum Teil einflussreichen Verbänden und Organisationen auf die Barrikaden. Und das ebenfalls mit Erfolg. In einigen nordamerikanischen Metropolen, Neuseeland, ganz konkret den Niederlanden, Spanien, Paris und andernorts bastelt man längst an Gesetzen, die Airbnb, mehr oder weniger, verbieten würden. Auch in Berlin wird auf Senatsebene diskutiert, ob das Modell zumindest eingeschränkt werden soll, da es an fest vermietbarem Wohnraum mangelt.

Die spanische Bank LaCaixa hatte bereits im vergangenen Jahr festgestellt, dass mehr als zwei Drittel der 1,1 Millionen Übernachtungen in Spanien in unregistrierten Wohungen stattfinden, wie BusinessInsider berichtet. Das kostet den Staat signifikante Steuereinnahmen. Oftmals kritisiert werden auch die fehlenden Sicherheitsauflagen für über Airbnb vermittelte Unterkünfte. Hotels und registrierte B’n’Bs müssen hier von Feuermeldern über Notausgänge bis hin zu Notfalltelefonen weit reichende Einrichtungen vorweisen.

Konsequenzen für das Geschäftsmodell?

Für Airbnb, Wimdu, das im vergangenen Sommer nach Kanada expandierte 9flats und Co heißt das vor allem eines: steigende Kosten. Die Plattformen müssen in jedem Land und jeder Stadt, in dem das Angebot verfügbar ist, eng mit dem Gesetzgeber zusammenarbeiten. Bei Airbnb etwa sind das 192 respektive 26.000, Wimdu ist nach eigenen Angaben in 100 Ländern aktiv, 9flats verweist auf gut 90.000 Unterkünfte weltweit – in keinem Fall ist das eine geringe Aufgabe. Einigerorts ist die private Vermietung rechtens, andererorts nicht. Oftmals sind die Gesetze ungenau formuliert. Airbnb hat bereits reagiert und einen Head of Global Public Policy eingestellt. Es gilt die Obrigkeit davon zu überzeugen, dass private Vermieter anders reguliert werden müssen als Hilton und Co.

Dabei würden zusätzliche Auflagen, so gering sie auch sein mögen, das Privatvermieten unattraktiver machen, was direkt auf das Geschäft der jungen Anbieter zurück fallen würde. Zudem würden unterschiedliche Bedingungen in einzelnen Ländern oder Städten das bislang erfolgversprechende Geschäftsmodell deutlich verkomplizieren. Ohnehin angeschlagene Anbieter wie das Samwer’sche Wimdu, das bereits die internationalen Büros zusammenstreichen musste und sich nach 90 investierten Millionen Euro nicht verkaufen lässt, würden umso mehr darunter leiden. Bei allem Wettbewerb müssen die Vermittlungsplattformen nun aber vor allem eines: im Dialog mit dem Gesetzgeber zusammenstehen, um das Geschäftsmodell aufrecht zu erhalten.

Bild: Karl-Heinz Laube / pixelio.de