copycat researchgate labroots

Einfach zu führen ist die Copycat-Debatte sicherlich nicht, schon weil sich die Grenzen zwischen Inspiration und Kopie nicht eindeutig festmachen lassen und der Erfolg eines Startups von deutlich mehr Faktoren abhängt als dem, was sich auf die Schnelle kopieren lässt. Dennoch kann es keinen Gründer freuen, wenn sein intellektuelles „Baby“ mitunter recht dreiste Nachahmung findet. Mit Researchgate findet sich nun ein (weiteres) deutsches Startup in dieser Position.

Researchgate: „Labroots kopiert Look and Feel“

Während die (hiesige) Copycat-Debatte immer wieder neu aufflammt, müssen sich auch häufiger deutsche Startups mit internationalen Klon-Versuchen herumschlagen – bisher lief es bekanntlich gerne eher umgekehrt. Am aktuellen Beispiel: Die US-amerikanische Forschungsplattform Labroots (www.labroots.com) präsentiert sich seit Anfang Oktober in einem neuen Design, das doch stark an den Auftritt des deutschen Wissenschafts-Erfolgs Researchgate (www.researchgate.net) erinnert – der sich allerdings in den letzten Wochen wieder etwas verändert hat. Sogar einzelne Formulierungen wurden übernommen, beschwert sich Researchgate-Gründer Ijad Madisch (hier übrigens im Interview) gegenüber Gründerszene.

Labroots selbst widerspricht dieser Sichtweise. Auf Anfrage erklärte das Unternehmen, man habe eigens für den Relaunch Programmierer engagiert, die im Auftrag eigene und Open Source Software programmierten. Zudem habe man die Seite hinsichtlich ihrer sozialen Netzwerk-Fähigkeiten auf ein Niveau gebracht, wie es auch Linkedin oder Facebook bietet. Vom Wettbewerber Researchgate habe man dabei in keiner Weise kopiert, zudem besäßen die beiden Plattformen – trotz einiger Gemeinsamkeiten – durchaus unterschiedliche Funktionalitäten. Etwa seien Beim letzten Labroots-Relaunch der Seite die Bereiche Wettbewerbe sowie Unternehmen & Institutionen hinzu gekommen, die Researchgate derzeit nicht biete. Was gleichwohl bleibt und in der Stellungnahme unkommentiert bleibt, sind durchaus auffällige Ähnlichkeiten am Erscheinungsbild.

researchgate labroots klon

Neu ist Labroots nicht, bereits seit 2008 existiert das von Greg Cruikshank geführte und in der Nähe des Silicon Valley im kalifornischen Orange County beheimatete Unternehmen. Wie der deutsche Wettbewerber hat die Plattform den Austausch von Forschern über deren Ergebnisse zum Ziel. Der bisherige Look der Plattform erinnerte dabei mehr an ein typisches Internet-Forum, während die Ausrichtung von Researchgate stärker in Richtung soziales Netz und damit deutlich über den Forumsgedanken hinaus geht. Mit dem neuen Look-and-Feel will sich Labroots ebenfalls in diese Richtung weiter entwickeln.

researchgate labroots klon kopie

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Immer mehr Nachahmer

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich hierzulande gestartete Modelle im Ausland gegen Nachahmer behaupten müssten. Ganz eklatant war die Kopieraktion etwa bei der indischen Diskussions- und Kontaktplattform The HR Connect (www.thehrconnect.com), die nicht nur das Konzept und das Design von ExploreB2B (www.exploreb2b.com), sondern auch gleich den Code des Originals kopierten. Die Inder haben mittlerweile reagiert und präsentieren sich nun in einem neuen Design. Auch zwischen dem Heimtextilien- und Wohnaccessoires-Anbieter Urbanara (www.urbanara.de) und dem von Harvard-Absolventen gegründeten US-Pendant Crane & Canopy (www.craneandcanopy.com) bestehen mehr als nur äußerliche Ähnlichkeiten.

mister spex klon

Besonders auffällig ist die Zahl an Kopien in Russland: Von der Entscheidungsfindungsplattform Tricider – deren russischer Klon sogar die Dreistigkeit besaß, zunächst unter gleichem Namen anzutretenüber Pro Optika, eine Eins-zu-Eins-Kopie von Mister Spex, bis zu hin zu einer direkten Nachahmung der bekannten, von Jung von Matt entworfenen Zalando-Werbestrategie durch den russischen Zappos-Klon Sapato reichen die Beispiele.

Ungeklärte rechtliche Fragen

Auch wenn in vielen Fällen allzu dreiste Kopierversuche zumindest teilweise gestoppt werden konnten, stellen solche Klone gerade für die an einer Internationalisierung interessierten Unternehmen eine deutliche Beeinträchtigung dar. Die Copycat-Debatte dürfte also auch in den kommenden Monaten und Jahren noch andauern, auch wenn sie aus dem Blickwinkel des Kopierten hierzulande immer stärker einen neuen Anstrich bekommen mag.

Tricider Klon

Rein rechtlich wird zumindest international wohl so bald keine Handhabe bestehen, die Gesetzeslage ist weiterhin national bestimmt und selbst dann nicht immer eindeutig geregelt. Bis zu welchem Punkt hat der vermeintliche Klon sich inspirieren lassen, wann liegt ein echtes Copycat vor? Wie schwierig diese Frage selbst dann noch ist, wenn ganz konkrete Patente im Spiel sind, zeigen die scheinbar endlosen Gerichtsprozesse, wie sie zuletzt sehr schlagzeilenträchtig etwa zwischen Apple, Samsung, Google oder Microsoft wurden.

Es gibt also noch viele offene Fragen zu klären. Bis dahin wird der Tech- und Startup-Szene, die sich hierzulande schon mehr als einmal die Bezeichnung als „Kopier-Könige“ gefallen lassen musste, nicht viel übrig bleiben, als sich mit „gutem Menschenverstand“ untereinander zu arrangieren – beziehungsweise sich im Fall der Fälle auf außergerichtlichem Wege öffentlich zur Wehr zu setzen. Allein mit dem Bewusstsein, dass Nachahmung das ehrlichste Kompliment ist („imitation is the sincerest form of flattery“), lässt sich allerdings kaum Geld verdienen.

Bildmaterial: sofetchdesigns.com / Myspace