Delivery Hero, Lieferheld, Hungry House, Übernahme

Das Segment der Lieferdienst-Vermittler zeigt auch in diesem Jahr keinen Stillstand: Nachdem in der letzten Woche erst wieder die Fetzen flogen, weil Lieferheld sich zur größten Online-Plattform für Lieferdienste und Restaurants in Deutschland erklärte, macht diese Woche Delivery Hero (www.deliveryhero.com) von sich reden: Das globale Netzwerk für Online-Essensbestellung hat Lieferheld und den britischen Anbieter Hungry House übernommen.

Delivery Hero will 150 Millionen Euro umsetzen

Wie viel Geld sich Delivery Hero die Übernahme von Lieferheld (www.lieferheld.de) und Hungry House (www.hungryhouse.co.uk) hat kosten lassen, will das Berliner Unternehmen nicht verraten, zumindest die deutschen Gesellschafter werden wohl aber schlichtweg über einen Merger Anteile an der entsprechenden Gesamtholding erhalten haben. Der unter dem Dach von Delivery Hero neu entstandene Firmenverbund wird von Niklas Östberg und Fabian Siegel als Co-CEOs geleitet und visiert für 2012 Marktplatz-Umsätze von über 150 Millionen Euro an, die mit weltweit über drei Millionen Kunden verdient werden sollen.

Derzeit will Delivery Hero einen Markt von 75 Milliarden Euro ausgemacht haben, wobei die einzelnen Warenkörbe im Segment eher klein ausfallen dürften, wenn zehn Prozent pro Bestellung provisioniert werden. Neben dem Umsatz ist also viel spannender, wie viel Gewinn auf lange Sicht jeweils durch die Essensvermittlung erwirtschaftet werden kann.

Für Hungry House sei dabei vor allem Delivery Heros Wachstum entscheidend gewesen: „Partnering with Delivery Hero was an easy choice. Delivery Hero has demonstrated massive growth in the past months and they have assembled an impressive management team with past experience of executing aggressive business models. In the new setup we have the financial resources and expertise to compete for market leadership in the UK“, heißt es von Hungry-House-CEO Shaene Lake.

Gegründet im letzten Jahr, ist Delivery Hero bisher vor allem in Russland, Mexiko und Australien aktiv – mit den jüngsten Übernahmen kommen nun auch Großbritannien, Deutschland und die Schweiz hinzu. Auf stolze 250 Mitarbeiter will es das Unternehmen weltweit bereits bringen. Zu den bisherigen Investoren von Delivery Hero zählen Kite Ventures (www.kiteventures.com), Tengelmann (www.e-tengelmann.de), Hasso Plattner Ventures (www.hp-ventures.com), Holtzbrinck Ventures (www.holtzbrinck-ventures.com) und Point Nine Capital (www.pointninecap.com). Angesichts dieser womöglich kostenintensiven Übernahmen werkelt Delivery Hero nun wohl auch an einer weiteren Finanzierung.

Delivery Hero werkelt an 20-Millionen-Finanzierung

Aus den Reihen von Delivery Hero heißt es, dass der globale Anbieter gerade an einer Finanzierungsrunde über 20 Millionen Euro arbeiten soll. Diese ist wohl noch nicht final geclosed, doch alle Beteiligten seien „sehr zuversichtlich“. Die Übernahme von Großbritanniens zweitgrößtem Lieferdienst-Vermittler nach Just-Eat (www.just-eat.co.uk) stellt in diesem Kontext sicherlich auch ein wirksames Mittel zum Säbelrasseln dar.

Vor allem dürfte auch Lieferando (www.lieferando.de) demnächst wieder ein Kandidat für eine Finanzierung sein, das angesichts solcher Meldungen wohl seitens Delivery Hero unter Druck gesetzt werden soll. Insgesamt sind in Delivery Hero und Lieferheld bisher bereits 15 Millionen Euro Investorenkapital geflossen, gelingt es, diese Summe auf 35 Millionen anzuheben, wird dies die Wettbewerber entsprechend unter Zugzwang setzen, während der internationale Aufbau weiter an Fahrt gewinnt. Eigentlich könnte es in diesem Szenario nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es auch einen Zusammenschluss zwischen Delivery Hero und Lieferando gibt… Nachtigall, ick hör‘ Dir trapsen?

Bildmaterial: beglib