Abacho, MyHammer, Econa, Bernd Hardes, Peggy Reichelt

Schon mehrmals hat Gründerszene dieses Jahr über die Berliner Unternehmensgruppe Econa berichtet, die mit der Übernahme unterschiedlicher Internetportale – zuletzt gleich drei Mac-Portale auf einen Schlag, davor das Diät-Portal Abnehmen.net – von sich reden gemacht hat. Jetzt geht die Einkaufstour weiter: Mit der Übernahme von Abacho tätigt Econa die bereits dritte Akquisition dieses Jahr und baut damit sein Portfolio wie angekündigt weiter aus.

Abacho bietet seinen Nutzern neben der Websuche einen Übersetzungsdienst, einen Routenplaner und Dienste wie Webmail, Wetter und News. Mit dem Zukauf verleibt sich Econa so eines der ältesten deutschen Internetportale ein, das vielen vor allem wohl aus den Anfangszeiten des Internets bekannt sein dürfte. Eine ähnliche Präsenz scheint Abacho auch in der Wahrnehmung von Bernd Hardes, Partner bei Econa, zu haben: „Abacho.de kenne ich schon seit meinen ersten Gehversuchen im Netz in den neunziger Jahren. Deshalb freue ich mich sehr, dass dieses traditionsreiche Portal jetzt seinen Weg in das Econa Portfolio findet“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung.

Berger-de León konzentriert sich auf MyHammer

Die 1999 gegründete Abacho AG wurde im Mai dieses Jahres in die MyHammer Holding AG umbenannt und bis zum Zuschlag von Econa gehörte das Unternehmen in Teilen zum Portfolio von Holtzbrinck Ventures. Laut Geschäftsbericht 2009 hat das Unternehmen aus Neuss im letzten Jahr zehn Millionen Euro Umsatz gemacht, von denen der Großteil von MyHammer herrührt. Startete das Unternehmen zu Beginn noch unter anderem Namen und mit Abacho als wesentlichem Produkt, ist nun nur noch das später unter der gleichen Dachmarke gelaunchte Produkt MyHammer (www.my-hammer.de) Teil der zugehörigen AG.

Markus Berger-de León hatte nach seinem Ausstieg als CEO bei der VZ-Gruppe  im Februar dieses Jahres noch verkündet, sich auf seine Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender bei Abacho konzentrieren zu wollen. Mittlerweile bekleidet er die Position des Vorstandsvorsitzenden der MyHammer Holding AG, die sich vom Portal Abacho getrennt und sich schon im Vorfeld entsprechend umbenannt hat. Somit verantwortet Berger-de León nun insbesondere das Deutschland-Geschäft von MyHammer, auf das sich die AG nun fokussiert.

Wie in der Pressemitteilung zu lesen war, baut Econa mit dem Zukauf von Abacho seine Strategie weiter aus, „mittelgroße, profitable Websites zu übernehmen und diese langfristig weiterzubetreiben“, um so weitere Themenfelder zu erschließen. Dabei konzentriert Econa sich vornehmlich auf werbefinanzierte, redaktionelle Portale. Zu den weiteren Plänen mit Abacho sagte Bernd Hardes: „Wir werden www.abacho.de inhaltlich neu ausrichten und zu einem Portal rund um das Thema Reisen weiterentwickeln. Damit ergänzen wir unser Portfolio um ein neues, spannendes Thema.“

Wie Abacho in die Strategie von Econa passt

Grundsätzlich sicher keine schlechte Idee, Abacho neu zu positionieren. Denn bei allem Respekt vor einem Unternehmen, das schon so lange mit dabei ist – böse Zungen gibt es viele, die in Abacho nichts weiter als eine Art schlecht besuchtes Web.de oder GMX sehen könnten. Und tatsächlich verrät ein Blick bei Alexa, dass Web.de und GMX wesentlich besser performen, während Abacho den Löwenanteil seines Traffics anscheinend über SEO-Maßnahmen zieht. Ein kleiner Selbsttest dürfte jedem die Frage beantworten, was an solch schlechter Nachrede wirklich dran ist: einfach mal kurz darüber nachdenken, wann man selber das letzte Mal die Seite besucht hat.

Während der Look von Abacho etwas überaltert wirkt und sich die Plattform in der öffentlichen Wahrnehmung nicht wirklich gegen Konkurrenten wie Web.de oder GMX durchsetzen konnte, dürfte Abacho aber den Einkaufs-Kriterien von Econa entsprechen und zum Portfolio der Berliner Internetgruppe passen: das Portal ist profitabel, einigermaßen reichweitenstark, bietet verschiedene kostenlose Dienste an und wird über Werbung finanziert. In Ergänzung zu den Nischenportalen, die bereits im Besitz von Econa sind, kann sich so ein interessantes neues Gesamtprodukt ergeben, ohne das Econa den Aufwand und die Kosten für den eigenständigen Aufbau eines solchen Internetportals tragen müsste.

Mit dem Online-Reisemarkt hat Econa sich einen interessanten, wenn auch nicht gerade leichten Markt ausgesucht, auf den Abacho nun fokussiert werden soll und auf dem sehr kompetitiv unterschiedliche Geschäftsmodelle ausprobiert werden. Hier wird sich sicher noch einiges tun, eine Einschätzung bezüglich der Erfolgschancen von Abacho, mit dieser Umpositionierung einen Volltreffer zu landen, ist zum jetzigen Zeitpunkt daher schwierig.

Wenn der Eindruck nicht täuscht, wird es jedenfalls nicht am Tatendrang von Econa scheitern. Peggy Reichelt, Vorstand der Econa Internet AG, machte im Juli in ihrem Video-Interview mit Gründerszene-Chefredakteur Joel Kaczmarek einen durchaus hemdsärmeligen Anschein und betonte, dass die Herausforderung bei der derzeitigen Strategie von Econa vor allem darin bestünde, „Inhaltsbereiche zu besetzen die thematisch Sinn machen, die einerseits eine hohe Qualität haben und andererseits monetarisierbar sind“. Man darf in jedem Falle gespannt sein wie es weitergeht mit einem Online-Opa wie Abacho, dem durch die neue Führung ja vielleicht neue Lebensgeister eingeflößt werden.

Bildmaterial: Macieklew

Mitarbeit: Justin Wimmer