Google Reader eingestellt Alternativen

Ende des Nachrichten-Dienstes Google Reader

Überraschend kommt die Nachricht sicherlich nicht: Der Suchmschinenriese Google stellt den 2005 gestarteten Meldungs-/RSS-Dienst Reader zum 1. Juli ein. Schon oft wurde über diese Entscheidung spekuliert, bislang hatte sich das US-Unternehmen dazu allerdings nicht offiziell geäußert. Wie es nun im offiziellen Blog heißt, seien die Nutzerzahlen zuletzt zurückgegangen, zum anderen wolle Google seine Energie in weniger Produkte stecken – vieles, was nicht (mehr) zum Kerngeschäft gehört, muss gehen. Hierzulande hatte sich Google in diesem Zusammenhang zuletzt vom 2011 übernommenen Couponing-Anbieter DailyDeal getrennt, der zurück in die Händer der Gründer Fabian und Ferry Heilemann wanderte.

Alle Daten, einschließlich der eigenen RSS-Abos (Really Simple Syndication), können die Nutzer bis zum Sommer über Google Takeout exportieren. Beliebt war und ist Google Reader insbesondere indirekt: Viele beliebte Nachrichten-Apps wie Flipboard, Reeder oder Feedly haben das Google-Angebot integriert und mitunter als Backend genutzt, um die einzelnen RSS-Feeds zu sammeln, beziehungsweise eine Synchronisierung über mehrere Geräte anbieten zu können. Davon profitierten zwar die Nutzer, Google selbst aber konnte daraus wenig Gewinn ziehen – zumal die Reader-Oberfläche selbst überaus nüchtern daherkommt und lange keine signifikannten Verbesserungen erfahren hat.

In den vergangenen Jahren hätten sich Nutzer, die sich für das Verfolgen von Webseiten interessieren, zunehmend auf die sozialen Netzwerke verlagert, kommentiert Google – sicherlich auch mit Blick auf das eigene Angebot. Interessant für den US-Konzern dürfte die Reader-Plattform dabei wohl für die Bewertung von Inhalten gewesen sein – eine Aufgabe, die zukünftig Google+ erfüllen soll.

Vielzählige Alternativen für „Newsjunkies“

Auch weitere Dienste und Apps stellt Google ein: Von der CalDav-API, die besonders für App-Entwickler interessant gewesen sein dürfte (und deren Unterstützung Microsoft jüngst für das neue Windows Phone 8 angekündigt hatte) bis hin zu den Desktop-Versionen der erst im vergangenen Jahr übernommenen Foto-App Snapseed reicht der Frühjahrsputz.

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Währenddessen springen einige Anbieter in die Bresche. Etwa hat die „digitale Zeitung“ Feedly bereits angekündigt, ein entsprechendes Angebot zu starten. Nicht nur die eigenen Kunden sollen davon profitieren, die Plattform soll auch für andere Nutzer offen stehen. Weitere Alternativen gibt es zuhauf, vom webbasierten Dienst bis hin zu Desktop- und Mobil-Apps, welche die Abos lokal verwalten: Neben den bereits genannten Angeboten, die zum Teil Google Reader integrierten, bieten sich etwa Pulse, Zite, NetNewsWire, Feedreader oder Good Noows. Wer etwas experimentierfreudig ist und Zugriff auf einen eigenen Webserver hat, dürfte mit Fever ein Lösung finden, die die Nachrichten-Feeds nach „Hotness“ gewichten kann.

Update: Petition gestartet

Möglicherweise hat Google unterschätzt, wie stark die Nutzer an dem RSS-Angebot des Tech-Giganten hängen: Nach nur wenigen Stunden seit der Google-Ankündigung haben sich mehr als 40.000 Nutzer im Rahmen einer zwischenzeitlich gestarteten Petition für die Aufrechterhaltung des Angebots ausgesprochen. Und auch auf den sozialen Netzwerken zeichnet sich ein eindeutiges Bild: So hat das Reader-Interesse etwa auf Twitter den neugewählten Papst in den Trends bereits überholt.

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