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Eigentlich wollte die Partnerbörse 12Like (www.12like.com) gegen die etablierten Konkurrenten in die Schlacht ziehen, nun ist sie selbst Teil eines dieser Konkurrenten geworden: Überraschend wurde das Berliner StartUp vom erfolgreichen Wettbewerber Parship (www.parship.de) für eine nicht genannte Summe aufgekauft – und das nur zehn Monate nach seiner Gründung.

Parships Synergien mit 12Like

Ungeachtet eines beachtlichen Jahresumsatzes von rund 60 Millionen Euro hat es auch ein Kraftprotz wie Parship schwer. Denn der Markt, indem sich Wettbewerber wie eDarling (www.edarling.de) und ElitePartner (www.elitepartner.de) tummeln, leidet unter der Werbeschlacht im Fernsehen. Laut Peter Schmid, Geschäftsführer von Parship, sei diese besonders „zu Lasten der Rendite“ von Partnervermittlungen gegangen. Für Parship bedeutet die Übernahme von 12Like daher den Zugang zu einem spannenden Wachstumsfeld, das die Kernprodukte der Hamburger bisher noch nicht allzu stark abdecken.

Flirtwillige über Facebook zu gewinnen könne eine virale Ergänzung zur Stärkung von Parships Marktposition sein. Die nach eigenen Angaben fünfstellige Mitgliederzahl von 12like war dabei wohl weniger interessant als ihre Zielgruppe der Facebook-Nutzer, die zunehmend das Online-Flirten für sich erkannt hat. Dies lässt sich auch aus der Übernahme-Begründung von Parship-CEO Peter Schmid ableiten: „12 like soll für Parship die „Generation Facebook“ erschließen. 12like ist ein innovatives Unternehmen mit tollem Team und einer Marke, die zu uns passt und mit der wir die Generation Facebook zielgruppengerecht ansprechen.”

Glaubt man dem Gründerteam, soll sich 12Like schon zu seiner Gründung so positioniert haben, dass geschickte Anknüpfungspunkte zu Partnervermittlungsseiten bestehen und dennoch ein USP durch die Anbindung an Facebook vorhanden ist. So ergeben sich sicherlich Synergien in Sachen Matchmaking über Facebook.

Trotz des Exit soll 12like, welches durch eine sechsstellige Anschubfinanzierung von Skype-CEO Michael van Swaaij gefördert wurde, weiterhin unabhängig fortgeführt werden. Gründer Dirk Wischnewski wird auch weiterhin die Geschäftsführerposition inne behalten und gibt sich positiv: „Wir freuen uns sehr über die Verbindung unseres innovativen Social-Matchmaking-Ansatzes mit der Stärke des Marktführers der Online-Partneragenturen. Wir erwarten uns von diesem Schritt weitere starke Wachstumsimpulse in 2011 und eine sukzessive Internationalisierung“. Mitgründerin Kathrin Anselm, wird bei 12Like hingegen ausscheiden.

Überraschend schneller Exit bei 12Like

Mit nur zehn Monaten Bestehen ist es ein ungemein schneller Exit, den 12Like hingelegt hat und prompt spekuliert die Szene, zu welchen Konditionen der Verkauf von statten ging. Handelt es sich beim Verkauf von 12Like um einen Firesale? Oder wurde 12Like gezielt so positioniert, dass es schnell wachsen und anschließend an einen Mitbewerber verkauft werden konnte?

Glaubt man einer Stimme der Branche, ist es durchaus möglich, dass es sich bei der Übernahme von 12Like um einen Firesale gehandelt hat. Allerdings lassen sich diese Gerüchte um ausgehendes Kapital  bisher nur aus einem Lager vernehmen. Sollte 12Like wirklich kein Kapital mehr gehabt und keine weitere Finanzierung erhalten haben, wäre zumindest der Zeitpunkt des Exits plausibel. Gründer Dirk Wischniewski beteuert, dass 12like “zu keinem Zeitpunkt am Ende” gewesen sei. Vor allem stellt 12Like die erste Akquisition von Parship überhaupt dar und die Hamburger werden einen entsprechenden Kauf sicher nicht leichtfertig eingegangen sein.

Matchmaking über Facebook als herausfordernder Markt

Insgesamt befindet sich 12Like in einem herausfordernden Segment. Mit Konkurrenten wie Badoo, Zoosk oder Areyouinterested.com im Nacken, die alle nach demselben Prinzip funktionieren und bereits länger etabliert sind, haben die Berliner potente Konkurrenz.

Vor allem gestaltet sich das Geschäftsmodell in Teilen schwierig. Über Facebook lassen sich schnell und günstig viral Nutzer aufbauen, doch nur ein Bruchteil dieser ist dazu bereit, für die gebotenen Dienste zu zahlen. Mit einer fünfstelligen Mitgliederzahl – die Branche spekuliert über rund 50.000 Mitglieder – ist 12Like hier folglich doch eher schlecht aufgestellt.

Ähnlich dem Social-Games-Segment gelingt eine Monetarisierung nur über Kleinbeträge. Zum Vergleich: Während Parship dreimonatige Pakete zu 89,70 Euro als kleinste Größe anbietet, sind für Matchmaking-Anbieter wie Badoo eher monatliche Preise von rund acht Euro realistisch. Insofern ist 12Like mit Kosten von 39,99 Euro pro Monat bei einem Dreimonats-Abo schon eher höherpreisig aber auch kompatibel mit den Bezahl-Strukturen von Parship.

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Mitarbeit: Corinna Kastner