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Das Thema Partnervermittlung zählt nach dem Gaming-Segment wohl zu den mit am besten funktionierenden Geschäftsmodellen im Internet, doch dass auch dieses Segment gerade spürbare Veränderungen durchläuft, zeigt sich am Beispiel Parship: Das Branchenurgestein aus Hamburg hat sich dieser Tage von zehn Prozent seiner Mitarbeiter getrennt und fokussiert sich nun verstärkt.

Parship reduziert verschiedene Unternehmensbereiche

Auf Anfrage von Gründerszene heißt es aus dem Hause Parship (www.parship.de), dass insgesamt etwa zehn Prozent der 160 Stellen in Hamburg und den ausländischen Parship-Niederlassungen gestrichen wurden. Diese Entlassungen betrafen nicht nur einzelne Länder, sondern erstreckten sich über sehr unterschiedliche Unternehmensbereiche.

Parship-Geschäftsführer Peter Schmid begründet diese Restrukturierung bei Parship mit einer technisch-inhaltlichen Neufokussierung: „Ziel der Umgestaltung ist es, Entscheidungsprozesse international zu vereinfachen und Abläufe effizienter zu gestalten. Die Zentralisierung von Fachfunktionen wird durch unsere neue IT-Infrastruktur ermöglicht, deren Umbau wir im vergangenen Jahr abgeschlossen haben.“

Im Gespräch mit Gründerszene verweist der Parship-CEO weiter darauf, dass sich die Rahmenbedingungen im Online-Datingmarkt stark verändern würden und Parship bemüht sei, in diesem „hoch kompetitiven Umfeld auch künftig schnell und effektiv agieren zu können“. Nach seiner strukturellen Neuausrichtung will das Unternehmen schneller und finanziell schlagkräftiger agieren können und investiert daher stark in Produkt und Technologie. Für diese Ausrichtung mussten wohl rund 20 Mitarbeiter ihren Hut nehmen.

Agressiver Wettbewerb im Partnervermittlungs-Markt

Dass Parship sich in einem immer stärker werdenden Konkurrenzumfeld bewegt, dürfte jeder Nutzer bereits bemerkt haben, der über ein Fernsehgerät verfügt. Direkte Konkurrenten wie ElitePartner (www.elitepartner.de) oder eDarling (www.edarling.de) agieren mit massiven TV-Werbeausgaben und aggressiven Preismodellen, um entsprechend Marktanteile abschöpfen zu können.

Besonders eDarling soll im gegenseitigen Wettbewerb mit „harten Bandagen“ kämpfen, wie Peter Schmid erst kürzlich in einem Videointerview mit Gründerszene verriet. Und auch wenn Peter Schmid im Online-Datingmarkt auf ein Wachstum von zehn bis 15 Prozent verweist, dürften diese hohen Media-Ausgaben die Margen aller Wettbewerber schmählern und auch für die Entlassungen bei Parship mit verantwortlich sein.

Vor allem läuft Parship Gefahr, sich von eDarling und ElitePartner auf Dauer den Rang ablaufen zu lassen. Glaubt man den Daten von Google Trends – und Alexa zeichnet ein ähnliches Bild –, haben die beiden Konkurrenten Parship bereits überholt und sich 2010 stabil vor den Hamburgern abgesetzt.

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Marktführend ist laut diesen Daten derzeit eDarling, auch wenn sich keine Aussagen über die Monetarisierung der Nutzer ableiten lässt. Doch erfahrungsgemäß sind Rocket-Startups in der Nutzerkonvertierung sehr bewandert und durch ihre Beteiligung an Parship konnten die Samwer-Brüder ja auch entsprechende Einsichten des Geschäftsmodells gewinnen – ein Umstand, der Parship umso unzufriedener mit dieser Marktlage stimmen dürfte.

Neben diesen direkten Konkurrenten wird jedoch auch der Markt für klassische Dating-Plattformen durch Akteure wie Badoo (www.badoo.com) weiter erschwert, die kostengünstig über Facebook an Reichweite gewinnen. So versuchen auch etablierte Online-Datingunternehmen mit Matchmaking-Angeboten in den Markt der klassischen Online-Partneragenturen vorzudringen.

Vor allem wird das Thema Partnervermittlung im Netz immer alltäglicher, was neue Kundengruppen anspricht und dafür sorgt, dass eine Spezialisierung und Vertikalisierung der Angebote erforderlich wird. Mit seiner Akquisition von One2Like hat Parship hier ja bereits angedeutet, in welche Richtung es für die Hamburger gehen soll.

Fazit: Konsolidierung in Sachen Partnervermittlung?

Wenn selbst der (ehemalige?) Branchenprimus gezwungen ist, Mitarbeiter zu entlassen und seine Prozesse zu reorganisieren, darf der Wettbewerb im Bereich der Partnervermittlung wohl als hart gelten. Mittelfristig ist also eine Konsolidierung der Akteure zu erwarten, wobei sich jene Anbieter mit dem am besten konvertierenden Geschäftsmodell und den zufriedensten Kunden durchsetzen dürften.

Auf Gründerszenes Anfrage hin, ob Parship seine Entlassungen angesichts einer gerade erst erfolgten Akquisition denn kurzfristig habe veranlassen müssen, heißt es, dass Parships Reorganisation keine Reaktion auf kurzfristige Geschäftsergebnisse, sondern ein bereits Mitte des vergangenen Jahres angeschobener Prozess sei. Parship wolle dynamischer und schneller reagieren können – es bleibt also spannend abzuwarten, wie sich der Markt noch ausdünnen wird, wenn selbst große Anbieter sich auf Bewegung einstellen.