iZettle Payment Deutschland

Ist Mobile Payment der neue Boommarkt? Betrachtet man den Ehrgeiz der Anbieter wie Square, Payleven, SumUp, Streetpay und Co, wird schnell klar, dass die Erwartungen hoch sind. Mit iZettle startet nun der größte europäische Anbieter in Deutschland – und punktet mit der Deutschen Telekom sowie den Volks- und Raiffeisenbanken als Kooperationspartner.

iZettle-Start mit Telekom und VR-Banken

Der Payment-Bereich gilt schon länger als einer der aussichtsreichsten Segmente im E-Commerce. In den vergangenen Monaten haben sich besonders im Mobile Payment eine ganze Reihe an Anbietern positioniert, um – zumeist mit dem Smartphone-basierten Modell des gehypten US-Startups Square (www.square.com) von Twitter-Gründer Jack Dorsey – schnellstmöglich in den relevanten Märkten Fuß zu fassen. Mit dem schwedischen iZettle (www.izettle.de) startet einer der größten europäischen Anbieter nun im deutschen Markt und hat mit der Deutschen Telekom (www.telekom.de) und der DZ Bank (www.dzbank.de) – dem Spitzeninsitut der immerhin mehr als 1.100 Volks- und Raiffeisenbanken – namhafte Partner gewonnen.

Vor wenigen Tagen erst hatte das Unternehmen seine jüngste Finanzierungsrunde auf ein Gesamtvolumen von 25 Millionen Euro ausgeweitet und neben Greylock, Northzone, MasterCard und SEB Private Equity den US-Kartenanbieter American Express als neuen Investor für sich gewinnen können. Mit zwei der drei großen Kreditkartenanbietern im Gespann machen die Gründer Jacob de Geer und Magnus Nilsson aus den Zielen für den deutschen Markt – immerhin der größte Europas – kein Geheimnis: Marktführer will man werden. Aber das wollen andere auch.

Knackpunkt Chip & PIN

iZettle ist der älteste der europäischen Square-Klone, die Konkurrenten Payleven (www.payleven.de) aus dem Hause Rocket Internet (www.rocket-internet.de), SumUp (www.sumup.de) oder Streetpay (www.streetpay.com) gingen erst in diesem Jahr an den Start. Vom US-Vorbild unterscheidet sich iZettle insbesondere dahingehend, dass der Smartphone-Aufsatz der Schweden nicht auf den Magnetstreifen von Kreditkarten, sondern auf den in Europa verbreiteten EMV-Chip ausgelegt ist. Ganz ausgereift ist iZettle allerdings nicht: Derzeit fehlt noch die Möglichkeit, die Zahlung per PIN zu bestätigen.

Damit gerät das schwedische System gleich aus zweierlei Gründen etwas ins Hintertreffen: Zum einen werden ohne diese Möglichkeit nicht die Sicherheitsstandards des Kartenanbieters Visa erfüllt – Kunden müssen auf diese Bezahlmethode also erst einmal verzichten. Zum anderen steht man damit hinter dem in typischer Samwer-Manier finanziell gut ausgestatteten Wettbewerber Payleven zurück, der mit dieser Funktion gerade lautstark die Werbetrommel rührt und ebenfalls längst seine internationale Expansion gestartet hat.

Bald 25.000 iZettle-Nutzer in Deutschland?

Dass sich dieses Manko allerdings stark auf die Marktakzeptanz hierzulande auswirken wird, ist nicht zu erwarten: Der Großteil der innerdeutschen Kartenzahlungsvorgänge werden traditionell über die EC-Karte abgewickelt. Hinsichtlich der Gebührengestaltung geben sich sich unterschliedlichen Angebote nicht viel: iZettle verlangt 2,75 Prozent pro Kartentransaktion. Weitere Kosten gibt es keine.

Außer nunmehr in Deutschland wird iZettle in Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark angeboten, in Großbritannien befindet sich das System bereits im Testbetrieb. Nach eigenen Angaben wird die Plattform bislang von 75.000 Kleinunternehmen und Privatpersonen genutzt. Im deutschen Markt, der von der zehn Mann starken Niederlassung in Berlin aus betreut wird, will man bald weitere 25.000 Nutzer mit kostenlosen Kartenlesern gewonnen haben.

Die Konkurrenz schläft nicht

Aber auch die iZettle-Konkurrenten schlafen nicht: Vor rund einem Monat erst hatte Payleven parallel zum Marktstart in Italien auch eine API zur Verfügung gestellt, mit der Entwickler das System in eigene Angebote einbinden können. Ende August dieses Jahres ist SumUp in Deutschland, Österreich, Großbritannien und Irland gestartet, weitere Länder sollen im Laufe des Jahres folgen. Geld für die Expansion hat der Zahlungsanbieter allemal: Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft B-to-v Partners AG beteiligte sich zum Marktstart gemeinsam mit den deutschen VCs Shortcut Ventures (www.shortcut.vc), der Tengelmann Ventures GmbH sowie dem Business-Angel Klaus Hommels.

Als weiterer Anbieter hatte sich Streetpay bereits mit dem Mobilfunkanbieter E-Plus zusammengetan und mit einer Senkung des Transaktionsentgelts auf 1,9 Prozent – und damit merkbar unter das Niveau der Wettbewerber – versucht, sich als günstigster Mobile-Payment-Anbieter zu etablieren. Mit Paypal here und dem mit Kapital geradezu überhäuften Square selbst dürften auch die beiden großen US-Anbieter längst ein Auge auf den deutschen Markt geworfen haben – auch wenn größere Internationalisierungsschritte bisher ausblieben. Wie lange das wohl noch so bleiben wird?