Dress-for-Less, Privalia, Übernahme, 200 Mio., 200 Millionen

Nachdem bereits Brands4Friends (www.brands4friends.de) und BuyVip (www.buyvip.com) in der jüngeren Zeit für Aufsehen erregende Exits im Segment der Shoppingclubs sorgten, gibt es erneut eine relevante Übernahme im deutschen Fashion-Commerce zu verzeichnen: Der spanische Shoppingclub Privalia (www.privalia.com) übernimmt die deutsche E-Commerce-Seite Dress-for-Less für einen kolportierten Kaufpreis von 200 Millionen Euro.

Wechselte Dress-for-Less für 200 Mio. den Besitzer?

Dress-for-Less (www.dress-for-less.de) ist ein Online-Outlet für Marken- und Designermode, das 1999 von Holger Hengstler und Mirco Schultis gegründet wurde und seines Zeichens selbst im vergangenen Jahr das Street-Fashion-Portal Kolibrishop übernahm. Mit der Übernahme von Dress-for-Less erschließt sich Privalia so nun auch einen Zugang zum deutschen Markt.

Als Teil des Deals wurden die beiden Gründer an Privalia beteiligt, das laut Reuters wohl zwischen 150 und 200 Millionen Euro für diese Übernahme auf den Tisch legen musste. Schultis und Hengstler werden auch weiterhin die Geschicke von Dress-for-Less lenken und daneben „Führungsaufgaben bei Privalia übernehmen“.

Privalia selbst finanzierte die Übernahme von Dress-for-Less durch eine Finanzierungsrunde über 88 Millionen Euro, die von den Investoren General Atlantic, Highland Capital Partners, Index Ventures und Insight Ventures Partners getragen wurde.

Derzeit ist der spanische Shoppingclub in Spanien, Italien, Brasilien und Mexiko aktiv und zählt zu den viel versprechenden Akteuren im europäischen Shoppingclub-Segment. Privalia erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 168 Millionen Euro, was im Vergleich zu 2009 einer Umsatzsteigerung von gut 140 Prozent entspricht. Für 2011 will Privalia einen Umsatz von 400 Millionen Euro erwirtschaften.

Privalia sollen an der Übernahme von Dress-for-Less vor allem die strategischen und operativen Synergien gereizt haben – zumindest wenn man den beiden Privalia-Mitgründern Lucas Carne und Jose-Manuel Villanueva glaubt: “We are pleased to have agreed to acquire Dress-for-Less, a leading online retailer in Germany, the biggest and fastest growing economy in the EU. There are significant strategic and operational synergies in this partnership. This acquisition brings a significant geographic expansion, a leadership position in Germany and expands the Privalia business model, providing Privalia with a large and effective channel for the private sales return stock.“

Was Dress-for-Less für Privalia attraktiv macht

Bei der Übernahme von Dress-for-Less dürfte für Privalia vor allem der Wettstreit mit den anderen europäischen Shoppingclub-Dickschiffen Vente Privee (www.vente-privee.com), BuyVIP und Brands4Friends eine Rolle gespielt haben. Nachdem Amazon BuyVIP übernommen und eBay Brands4Friends für 150 Millionen Euro gekauft hat, konsolidiert sich der europäische Markt für Shoppingclubs merklich und Privalia fehlte es bisher an einem potenten Standbein in Deutschland.

Auf dem deutschen Markt ist das in Kelsterbach bei Frankfurt ansässige Dress-for-Less bisher das einzige Unternehmen, das mit dem Konzept eines Designer-Outlets signifikante Umsätze generieren konnte. Auch die Samwer-Brüder versuchten dieses Modell mit MyBrands zu klonen, ließen besagten Klon dann aber trotz an sich guter Performance im Schuhshop Zalando aufgehen.

Die Übertragung dieses Geschäftsmodells an Zalando (www.zalando.de), das mit der Zalando Lounge auch einen eigenen Shoppingclub führt, zeigt aber, warum Outlets im E-Commerce-Segment spannend sein können: Shoppingclubs haben mit teilweise hohen Retourensendungen – je nach Durchführung bis zu 40 Prozent – zu kämpfen und selbst nachdem Produkte durch mehrere Verkaufsaktionen geschickt wurden, können Produkte über bleiben. Dress-for-Less könnte angesichts dessen für Privalia ein effektiver Retouren-Absatzkanal auf deutschem Boden sein (via Deutsche Startups), der Cross-Selling-Potenziale freisetzt und die Markenbekanntheit von Privalia in Deutschland zu steigern hilft.