Rösler Gespräch Berlin

Manchmal möchte man glauben, die Internet-Wirtschaft führe eine (virtuelle) Existenz abseits von politischen Einflüssen. Schon von ihrer Dynamik passen sie, so scheint es, kaum zueinander. Dass die Startup-Szene sich allerdings letztendlich nicht von der Politik abkoppeln kann, zeigt schon die feurig geführte Debatte um die vorgeschlagenen Änderungen bei der Beteiligungssteuer. Damit ein offener Dialog geführt werden kann, trafen sich 15 Berliner Jungunternehmen aus dem Tech- und Biotech-Bereich nun mit Wirtschaftsminister Rösler in Berlin.

Startup-Gespräche mit Wirtschaftsminister Rösler

Es war eine gemische Runde aus den Branchen Internet und Biotech, die am Montag mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler in Berlin diskutierte: Amiando (www.amiando.com), Bettermarks (de.bettermarks.com), Betterplace.org, CeGat, Cellendes, Entelios, Goodbeans (www.goodbeans.de), Innosabi (www.innosabi.com), Organic Trade Exchange, Pressmatrix (www.pressmatrix.de), Scopsis, Urban Screen, Upcload (www.upcload.com), Volavis und Zytovision trafen sich mit dem Vize-Kanzler um zu erörtern, was die Startup-Branche derzeitig beschäftigt.

Um es gleich vorweg zu nehmen, der Wirtschaftsminister gibt sich der Bedrohung durch die Bundesrat-Empfehlungen zum Jahressteuergesetz 2013 durchaus bewusst. Durch eine künftig höhere Besteuerung würden dadurch Unternehmensanteile von unter zehn Prozent schlechter gestellt, als sie das bislang sind – was insbesondere die Startup-Branche ganz erheblich benachteiligen würde. Rund 1.500 Unterzeichner hatten sich im Rahmen des Gründerszene-Startup-Manifesto dafür ausgesprochen, stattdessen eine investitionsfreundlichere Lösung umzusetzen.

Erheblicher Nachbesserungsbedarf

Eine ganze Liste an zusätzlichen Anliegen gaben die teilnehmenden Jungunternehmen dem Minister mit auf den Weg – von weiteren steuerrechtlichen Aspekten über den Rückzug der Banken bei der Startup-Finanzierung und der noch ausbaufähigen Startup-Förderung bis hin zu ungeklärten Patent– und Urheberrechtsfragen sieht sich die Bundesregierung derzeit noch erheblichem Nachbesserungsbedarf gegenüber. Wie lässt sich geistiges Eigentum sichern? Gerade bei der internationalen Expansion kann Ideenklau bekanntlich schnell zum Problem werden.

Rösler Upcload

Schon im Vorfeld hatten sich Sebastian Schulze – Gründer von Upcload, das Rösler bereits vergangenen Donnerstag besucht hatte – und Verena Delius, Geschäftsführerin von Goodbeans, dafür ausgesprochen, bessere Anreize für ausländische Talente zu schaffen und Berlin als Internet- und Tech-Standort besser zu vermarkten. Am Beispiel London zeigt sich, dass mit entsprechendem Willen insbesondere der Politik hier eine deutlich stärkere Positionierung möglich ist.

Dass die Anregungen nicht verpuffen, will der Minister durch regelmäßige Treffen in ähnlichem Rahmen sicherstellen. Bereits im Herbst soll das nächste stattfinden. Doch damit soll nach dem Willen Röslers nicht Schluss sein. Etwa wäre auch eine Startup-Messe in Berlin denkbar – insbesondere um die hiesige Szene auch nach außen zu repräsentieren. Bis hin zur direkten Schaffung besserer Kanäle etwa durch eine vom Ministerium begleitete US-Reise reichten die Ideen. Wieviel von den guten Vorsätzen letztendlich in die Tat umgesetzt werden kann, wird nicht nur vom Profilierungswillen Röslers abhängen. Auch ist von der Startup-Branche ein starkes und vor allem gemeinsames Auftreten gefragt.

Bereits vor einigen Monaten hatte es auf Initiative von Gründerszene und dem Bundeswirtschaftsministerium ein Treffen zwischen Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und etwa 15 Köpfen der Startupszene gegeben. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Klaus Hommels, Jens Begemann und Verena Delius. Auch Bundeskanzlerin Merkel hatte zuletzt mit ihrem Internetgipfel Interesse an der Internetszene gezeigt.

Welche Wünsche und Anregungen haben die Gründerszene-Leser an die Politik?