Scout24 Telekom Springer Bertelsmann

Scout24: Millardenbewertung für Verlage zu hoch

Zwei Milliarden Euro für geschätzte 350 Millionen Euro Umsatz und einem Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 80 Millionen Euro – das wollten offenbar weder Axel Springer noch Bertelsmann für Scout24 (www.scout24.com) bezahlen. Die Portalgruppe hinter ImmobilienScout24, FriendScout24 oder AutoScout24 will sich der gegenwärtige Besitzer Telekom allem Anschein nach fürstlich bezahlen lassen.

Natürlich steht der magentafarbene Riese auch nicht unter Zeitdruck. Allerdings scheint sich das Geschäft mit Classifieds nicht so vorteilhaft in das bestehende Telekom-Portfolio einarbeiten zu lassen, wie der Bonner Konzern bei der Übernahme im Jahr 2003 noch gehofft hatte. Rund 180 Millionen Euro hatte man damals in einer ersten Tranche ohne die vollständigen ImmobilienScout-Anteile bezahlt – sollte sich zur derzeitigen Bewertung ein Käufer finden, hätte das Obermann-Unternehmen also einen guten Reibach gemacht.

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Derzeit schaut es laut einem Bericht des Manager-Magazins so aus, als würde sich der Einstieg von Finanzinvestoren für die Telekom als wahrscheinlichstes Szenario herausbilden. Nach der Absage der naheliegendsten Interessenten geschieht dies sicherlich auch etwas notgedrungen. Zwar hatte man zunächst sogar einen Börsengang für möglich erklärt, dessen kaum vorhersagbarer Ausgang dürfte ein Listing allerdings eher unwahrscheinlich machen. Derzeit scheint sich Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges von seinen ambitionierten preislichen Vorstellungen jedenfalls nicht abbringen zu lassen. Sollte sein Plan aufgehen, die Tochter – in Häppchen – dennoch zu verkaufen, hätte sich das mutige Manöver gelohnt.

Bild: Rolf van Melis / pixelio.de