Spotify, Deutschland

Sehnlich wurde von vielen musikbegeisterten Internetnutzern der Launch von Spotify (www.spotify.de) in deutschen Landen erwartet, nun ist er da. Der schwedische Musikdienst startet mit dem heutigen Tag sein Angebot auch hierzulande und greift damit den deutschen Platzhirschen Simfy an.

Lizenzfragen bremsten Spotify aus

Bisher hatten vor allem offene Lizenzfragen den Start des 2006 gegründeten Spotify in Deutschland verzögert – mit Grooveshark war daran sogar bereits ein großer Player im Markt gescheitert. Als Grund nannte Grooveshark damals “die unverhältnismäßig hohen Betriebskosten”, welche vor allem den Bestrebungen der GEMA zugeschrieben wurden.

Bei Spotify soll dies anders werden: Spotifys Start wurde durch eine Gebührenordnung der Musikverwertungsgesellschaft Gema und des IT-Fachverbands Bitkom aus dem Dezember vergangenen Jahres möglich gemacht, welche einheitliche lizenzrechtliche Grundlagen für Streaming-Dienste in Deutschland geschaffen hat.

Deutschland wird damit das 13. Land, in dem Spotify aktiv wird und durch sein Streaming-Angebot sollen Nutzer so auf 16 Millionen Musiktitel zugreifen können, die – gegen eine entsprechende Gebühr – auch offline oder mobil über eine App gehört werden können. Den Weg dieser Technologie, die das Streaming von einem eigenen Server mit der Technik von Peer-to-Peer-Netzwerken (P2P) verbindet, ebneten unter anderem Dienste wie Napster oder Kazaa. Mittels einer API bietet Spotify darüber hinaus externen Entwicklern auch die Möglichkeit, eigene Anwendungen zu entwickeln, die an die Inhalte des schwedischen Dienstes andocken.

Zur Konkurrenzsituation von Spotify

In Deutschland ist es vor allem Simfy (www.simfy.de), das mit Spotify um die Gunst der Nutzer buhlt. Auch der Dienst aus Köln will es auf über 16 Millionen Songs bringen und bietet neben einem Offline-Modus auch eine Mobile-App an. Angesichts der komplizierten deutschen Lizenzlage ist es eine beachtliche Leistung Simfys, sich so schnell so potent platziert zu haben. Andere internationale Dienste benötigten dafür wesentlich länger oder scheiterten wie Grooveshark komplett daran.

Unangreifbar wird der deutsche Akteur für Spotify dadurch dennoch nicht: Usability-seitig weist Simfy nach wie vor einige Marotten auf. Neben Störungen der automatischen Song-Wiedergabe und häufigen Abstürzen machen Werbevideos nach jedem Song das Nutzungserlebnis der Plattform im freien Modus häufig unangenehm. Vor allem waren zuletzt kaum Werbespots externer Anbieter auf Simfy zu sehen.

Neben dem deutschen Simfy und dem schwedischen Spotify sind auch Aupeo (www.aupeo.com), der französische Anbieter Deezer (www.deezer.de), das britische Portal Rara (www.rara.com) und das von den Skype-Gründern Niklas Zennström und Janus Friis gegründete Rdio (www.rdio.com) in Deutschland aktiv, während in den USA Rhapsody (www.rhapsody.com) als Streaming-Platzhirsch gilt.

Auch Napster (www.napster.de) ist nach Umstellung seines Dienstes mit einem entsprechenden Streaming-Angebot vertreten und berechnet seinen Nutzern dafür einen Betrag von 12,95 Euro im Monat. Demgegenüber positionieren sich Spotify, Simfy und Rdio mit 9,99 Euro monatlich etwas günstiger, während bei den meisten Anbietern auch stets kostenlose Angebote mit Werbung bestehen.

Was hält der deutsche Markt für Spotify bereit?

Neben dem Gaming-Segment scheint sich angesichts von Akteuren wie Simfy, SoundCloud (www.soundcloud.com) oder Tape.tv (www.tape.tv) also auch das Musiksegment zu einer deutschen Stärke zu entwickeln. Tape.tv wird dabei zukünftig als exklusiver Bewegtbild-Partner von Spotify agieren und mit seiner App Spotify-Usern das Entdecken neuer Musik ermöglichen.

Wenn es Spotify gelingt, mit einem guten Produkt aufzuwarten, kann der schwedische Anbieter den deutschen Markt womöglich noch einmal aufrollen. Entscheiden wird sich dieses Gefecht wohl vor allem zwischen den beliebten Schweden und dem deutschen Platzhirschen Simfy. Auch Apples iTunes dürfte in diesem Kontext noch eine Rolle spielen und aus deutscher Sicht bleibt es vor allem spannend, wie sich Simfy letztenendes positionieren kann.

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Update, 14.03. 2012, 17.06 Uhr:

Spotify soll sein deutsches Angebot ohne ein Abkommen mit der Gema gestartet haben, doch eine baldige Einigung soll wahrscheinlich sein.

Bildmaterial: Stefan-Xp, FlyingPete