Matthias Spiess Spreadshirt

Spreadshirt gehe es so gut wie nie zuvor, deshalb kündigt Gründer und CTO Matthias Spieß seinen Wechsel in den Aufsichtsrat des ehemaligen Startups an. Ende Oktober will er diesen Schritt vollziehen. Spieß gibt an, dass Spreadshirt inzwischen so stabil laufe, dass er sich guten Gewissens aus dem Tagesgeschäft zurück ziehen könne. Damit geht er den gleichen Weg wie Mitgründer Lukasz Gadowski, der sich bereits vor vier Jahren in den Aufsichtsrat verabschiedete.

Guter Zeitpunkt für Wechsel

Spreadshirt (www.spreadshirt.net), das 2001 von Spieß und Gadowski als kleines Startup für individuell bedruckte T-Shirts und Geschenkartikel gegründet wurde, peilt für dieses Jahr einen Umsatz von mehr 60 Millionen Euro an – ein beachtlicher Erfolg, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen vor fünf Jahren noch tiefrote Zahlen schrieb und erst seit 2010 wieder Gewinne einfährt. Heute wird in Leipzig und Polen für den europäischen Markt, in Greensburg (Pennsylvania) und Las Vegas (Nevada) für den nordamerikanischen produziert – Spreadshirt wächst global und ist den Startup-Schuhen längst entwachsen.

Ein guter Zeitpunkt für Matthias Spieß, um sich aus dem operativen Tagesgeschäft zurück zu ziehen und Ende Oktober in den Aufsichtrat des Unternehmens zu wechseln, zumindest sieht dieser es so. Dort trifft Spieß auf Mitgründer Lukasz Gadowski, der diesen Schritt schon vor vier Jahren gegangen ist – auch um mehr Zeit für den Aufbau des Company Builders Team Europe (www.teameurope.net, auch an Gründerszene beteiligt) zu haben. Welche Pläne Spieß für die Zeit nach dem vollzogenen Wechsel hat, will er noch nicht verraten.

Rückblick auf eine turbulente Zeit

Spreadshirt hat gerade noch einmal die Kurve bekommen: Nach dem Einstieg des Risikokapitalgebers Accel Partners (www.accel.com) 2006 war das Unternehmen durch überzogene Wachstumsziele ins Schlingern geraten. Die Strukturen wurden aufgebläht, zuviele neue Mitarbeiter eingestellt – und rote Zahlen geschrieben. Ein Zehntel der damaligen Belegschaft musste entlassen werden. Mit einer zehn Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde durch Accel und Kennet Partners (www.kennet.com) wandelte sich die ganze Geschichte ab 2009 langsam zum Guten, auch wenn in jenem Jahr noch einmal einige Stellen gestrichen wurden.

Heute belegt auch diese Zahl den Aufwärtstrend: Allein im ersten Halbjahr 2012 wickelte Spreadshirt nach eigenen Angaben mehr als 750.000 Bestellungen in Europa und Nordamerika ab. CEO Philip Rooke glaubt, dass dieser Trend in den nächsten fünf Jahren für noch größere Umsatzzahlen sorgen könnte. Er hält das Durchbrechen der 200-Millionen-Euro-Umsatzmarke für realistisch. Gerade der nordamerikanische Markt ist momentan das Zugpferd für Spreadshirt: „Hier haben wir im Vergleich zum Vorjahr 88 Prozent mehr Bestellungen zu verzeichnen“, sagte Rooke noch vor knapp drei Wochen gegenüber Gründerszene.

Konkrete Pläne für die Zukunft hat er auch verkündet: Eine eigene T-Shirt-Linie soll die Qualität verbessern und die Retouren unter die zwei-Prozent-Marke drücken. Neben dem Direktkundengeschäft will sich Spreadshirt in Zukunft mehr um den B2B-Markt kümmern und beispielsweise Arbeitskleidungen für Unternehmen oder Trikots für Sportclubs liefern. Und auch das Weihnachtsgeschäft steht bald vor der Tür: Traditionell sind die zehn Tage vor Heiligabend die umsatzstärksten und arbeitsintensivsten für Spreadshirt.