Axel Springer Ergebnis 2012

Springer: Digital-Wandel trägt Früchte

Dass Axel Springer den Wandel zum digitalen Medienkonzern „endgültig vollzogen“ hat, wie stolz bekannt gegeben wird, überrascht wenig. In den vergangenen Monaten und Jahren hatte sich der Konzern redlich darum bemüht, seine Angebote zu modernisieren und im Digitalbereich stärker zu wachsen. Investitionen wie jene in Meinestadt.de, die Digitalkonferenz Hy! Berlin oder den Second-Screen-Anbieter TunedIn aber auch den Start eines eigenen Accelerator-Programms sind nur die jüngsten Ausprägungen dieser Strategie. Mit Zanox hatte sich das Unternehmen zudem im Jahr 2007 recht zeitig an einem Online-Marketing-Spezialisten beteiligt. Das Ergebnis: Im abgelaufenen Jahr setzte der Berliner Konzern mit digitalen Medien erstmals mehr um als mit jedem anderen Geschäftsbereich.

Richtig gemacht hat der Springer-Konzern, der sich im Zusammenhang mit dem gerade beschlossenen Leistungsschutzrecht nicht nur Freunde gemacht hat, vor allem eines: Zuerst – und im Gegensatz zu vielen anderen Verlagshäusern und „Old Economy“-Unternehmen wie KarstadtQuelle oder Neckermann – wurden rechtzeitig die eigenen Basisangebote konsequent gestärkt und nicht Digital-Experimente künstlich hinzugefügt. Der Wandel verläuft dabei allem Anschein nach nachhaltig, auch wenn die digitalen Bereiche immer weiterentwickelt werden müssen. Anpassungen wird es also auch weiterhin geben, möglicherweise auch größere. Und etwa hinsichtlich verschiedener Paywall-Konzepte sind bei den Online-Medienangeboten noch einige Baustellen offen.

Besonders erfreulich ist mit Blick auf die heute vorgestellten Geschäftszahlen derweil, dass im Segment Digitale Medien gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg der Erlöse von 22 Prozent auf 1,17 Millarden nach 962 Millionen Euro zu verzeichnen war. Die digitale Sparte setzt sich zusammen aus „Journalistischen Portalen & anderen digitalen Medien“ wie Bild.de, Aufeminin.com, KaufDa (www.kaufda.de) oder Idealo (www.idealo.de), dazu kommen die Zanox-Gruppe im Bereich „Performance Marketing“ und verschiedene Rubrikenportale.

Springer Digitale Medien Portfolio

Wachstumssegment digitale Kleinanzeigen

Das Wachstum im Digitalbereich ist sowohl auf Konsolidierungseffekte unter anderem im Zusammenhang mit Totaljobs, Visual Meta, SeLoger, Onet.pl und M4N als auch auf ein zweistelliges organisches Wachstum zurückzuführen. Der größte Umsatzanteil entfiel dabei auf die Werbeerlöse, die mit 992,0 Millionen Euro um 25,4 Prozent über dem Vorjahreswert von 791,2 Millionen Euro lagen. Eine weitere gute Nachricht: Mit einer Rendite vor Steuern, Zinsen, Zu- und Abschreibungen (EBITDA) von 20,7 nach zuvor 16,4 Prozent steigerten die digitalen Medien ihre Ertragskraft. Der Verkauf der Spiele-Tochter Gamigo (www.gamigo.de) kostete Springer 16,9 Millionen Euro.

Besonders gut entwickelte sich dabei die Säule Digital Classifieds, in der die Rubrikenportale SeLoger, Immonet (www.immonet.de), Immoweb.be, StepStone (www.stepstone.de), Totaljobs und Meinestadt.de zusammengefasst sind. Ihr Umsatz legte um 48,9 Prozent auf 330,2 Millionen nach zuvor 221,8 Millionen Euro zu. Auch die EBITDA-Rendite verbesserte sich deutlich von 30,7 Prozent auf 41,3 Prozent.

Übernimmt Springer die Scout24-Gruppe?

Diese Entwicklung nährt natürlich weitere Spekulationen um ein mögliches Interesse an der bislang zur Telekom gehörenden und zum Verkauf stehenden Scout24-Gruppe (www.scout24.com). Auch wenn es zum bestehenden Springer-Portfolio durchaus Dopplungen gibt, könnte das Unternehmen mit Immoscout24, Autoscout24 oder TravelScout24 seine Marktstellung weiter ausbauen. Ganz billig würde zwar auch die Scout-Übernahme nicht werden, der Kaufpreis für das Gesamtpaket wird auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Dafür könnte Springer sich die beträchtlichen Kosten für den Aufbau weiterer Angebote sparen.

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Insgesamt stieg der Umsatz bei Axel Springer im zurückliegenden Jahr um 3,9 Prozent auf 3,31 Milliarden Euro an. Im laufenden Jahr 2013 rechnet der Konzern trotz der anhaltenden Probleme im nationalen wie internationalen Printgeschäft mit einem Plus bei den Gesamterlösen im niedrigen einstelligen Prozentbereich – unter der Annahme, dass es zu keiner signifikanten Beschleunigung der rückläufigen Trends im Printgeschäft kommt.

Aufgrund für die weitere Digitalisierung notwendiger Aufwendungen erwarte man einen Rückgang des EBITDA im einstelligen Prozentbereich gegenüber dem Wert des Berichtszeitraums. Das klingt nach substanziellen Investitionen, die Springer-Chef Mathias Döpfner ankündigt. Und auch Wettbewerber Gruner+Jahr ist mit stattlichen 100 Millionen Euro auf Akquise-Tour. Man darf also gespannt sein.

Bildmaterial: Axel Springer AG