Tumblr Yahoo Übernahme

1,1 Millarden US-Dollar für Tumblr

Nach nur einem Tag hatten sich die Gerüchte bewahrheitet: Der Internet-Riese Yahoo will für 1,1 Milliarden US-Dollar die Blogging-Plattform Tumblr übernehmen. Den Betrag bezahlt das seit Juli 2012 von der Ex-Googlerin Marissa Mayer geführte Unternehmen in bar, genug Geld dafür hatte das Unternehmen in den vergangenen Monaten speziell für Zukäufe zur Seite gelegt. Seit mehreren Jahren ist das kalifornische Internet-Unternehmen, das aufgrund seines fehlenden Fokus gerne als „Internet-Gemischtwarenladen“ bezeichnet wird, deutlich hinter Wettbewerber wie Google, Facebook oder Microsoft zurück gefallen.

Das soll sich auch, aber nicht nur, mit dem jüngsten Zukauf ändern. Wie sehr Yahoo auf Tumblr setzt, lässt sich leicht am Kaufpreis ablesen. Der Dienst wird immer wieder als Blogging-Plattform bezeichnet, allerdings hat sich der Dienst in den vergangenen Monaten immer weiter zum sozialen Netzwerk gemausert. Dabei hat das an der US-amerikanischen Ostküste ansässige Unternehmen den Spagat zwischen traditionellem Blog mit nahezu vollständig individualisierbarem Design und anpassbarem Aufbau sowie sozialen Funktionen wie Folgen oder Teilen in den vergangenen Monaten sehr gelungen umsetzen können. Besonders die Funktion des „Rebloggens“ ist dabei entscheidend: Sie ermöglicht ähnlich entsprechender Funktionen bei Facebook, Twitter & Co. eine Viralität beliebter Inhalte. „Übersichtlich und einfach in der Bedienung“ lautet das Erfolgsrezept von Tumblr.

Hilft Tumblr Yahoo im Mobilbereich?

Tumblr Gründer David Karp

Tatsächlich kann Yahoo mit Tumblr eine ganze Menge anfangen. Wie Facebook und Google verdient der Internet-Konzern vor allem an Werbung. Mit 100 Millionen Blogs und ingesamt 50 Milliarden Beiträgen – stattliche 80 Millionen kommen täglich hinzu – stellt Tumblr also erst einmal einen verlässlichen Click-Lieferanten dar. Bislang war Tumblr allerdings werbefrei, allein in den Dashboards für das Erstellen von Einträgen Einstellungen finden sich bezahlte Anzeigen. Der 26-jährige Tumblr-Chef David Karp hatte sich in der Vergangenheit immer wieder als starker Gegner von Bannerwerbung präsentiert. Diese würden die Tumblr-Nutzer nicht akzeptieren, hatte der Schulabbrecher sich vielfach zitieren lassen.

Und doch musste Tumblr auch schon ohne Yahoo ans Geld verdienen denken, derzeit ist der Umsatz mit 13 Millionen Euro angesichts der hohen Nutzerzahl noch sehr gering. Neben der Möglichkeit, Beiträge für einen Dollar zu bewerben, finden sich seit wenigen Wochen in der mobilen Tumblr-App deshalb erste bezahlte Werbeschaltungen. Wie auch bei den Dashboard-Anzeigen soll es sich dabei allerdings um sorgsam abgestimmte Werbung handeln, die beim Nutzer nicht als störend empfunden wird. Natürlich behaupten das auch alle anderen Werbenetzwerke. Zudem plane man Werbeoptionen für Blogger, die den Dienst auf ihrer eigenen Domain nutzen.

Anschub für Yahoos Foto- und Videoangebote

Viel wichtiger ist es derweil für Yahoo, überhaupt im mobilen Bereich eine Präsenz aufzubauen – bislang hat das kalifornische Unternehmen hier kein nennenswertes Profil aufbauen können. Tumblr im Gegensatz ist hier überaus gut präsent, neben mobilen Apps für fast alle Plattformen kommen mobile Versionen der einzelnen Blogs selbst hinzu.

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Aber auch das Verbreiten von Foto- und Videoinhalten dürfte für Yahoo weit oben auf der Liste stehen, insbesondere da das ebenfalls zum bislang recht unstrukturiert wirkenden Konzern gehörende Flickr zuletzt sehr unter dem Wachstum der großen sozialen Netze zu leiden hatte. Bereits seit Jahren verkümmert die Bilderplattform gefühlt strategielos im Internet. Nur kurz nach der Ankündigung des Tumblr-Deals stellte Yahoo bereits eine überarbeitete Version von Flickr vor – nun wird sich zeigen, wie gut der Internet-Konzern beide Plattformen verbinden kann.

Auch im Videobereich hatte Yahoo zuletzt deutlich Anteile verloren. Den Zukauf der französischen Plattform DailyMotion, mit dem Yahoo den Rüchstand wieder etwas aufholen wollte, wurde von der französischen Regierung jüngst untersagt. Zwar ist Tumblr per se kein Videodienst. Die mit Tumblr eingekauften Nutzer und die Blogging-Plattform selbst dürften den multimedialen Yahoo-Angeboten aber deutlich bessere Möglichkeiten der Verbreitung bieten.

Viel soll sich nicht ändern – zumindest noch nicht

Dass ungefähr ein Zehntel der 200.000 erfolgreichsten Tumblr-Blogs („Tumblelogs“) erotische oder pornografische Inhalte beinhalten sollen, stört Mayer nicht. Auch sieht Yahoo kein Imageproblem darin – ganz im Gegenteil: Es sei gerade die „Vielfalt der Bloginhalte“, die Tumblr so aufregend mache, hatte die Yahoo-Chefin in US-Medien verraten. Wenn die Plattform nun deutlich stärker in das Blickfeld der breiten Öffentlichkeit rutscht, könnte hier allerdings bald ein Druck entstehen, der Yahoo schnell zum Umlenken zwingt. Gerade in den USA ist der Umgang mit solchen Inhalten eine heißes Thema. Insbesondere Apple hat sich hier durch strikte Regelungen (nicht immer positiv) hervorgetan.

Zunächst wolle man gar nicht viel an Tumblr ändern, heißt es von Yahoo. Und das ist auch gut so – und überaus wichtig für den Bloggingdienst und den Internetkonzern gleichermaßen. Denn in der Einheitswelt von Facebook, Google+, App.net und zu einem etwas geringeren Maß auch Twitter stellt Tumblr eine überzeugende Mischung aus Individualität, einfacher Bedienbarkeit und sozialer Funktionalität dar. Dass unterschiedliche Designs zum Verkauf angeboten werden können, ist ein erster Schritt in Richtung eines kommerziellen Ökosystems. Derzeit krächzen die sozialen Netzwerke unter der Aufgabe, beim Geldverdienen auch an die Nutzer zu denken. Das Potenzial für Yahoo ist riesig, es besser zu machen als die Konkurrenz. Dazu muss Tumblr seinen Wurzeln treu bleiben.

Bildmaterial: Enrique Dans from Madrid, Spain (Portrait), Yahoo