Innovationsmanagement, Innovation, innovativ

Es ist zugegebenermaßen ein inflationär verwendeter Begriff, den jeder irgendwie anders definiert und doch ist die viel zitierte „Innovation“ ein wichtiger Bestandteil vieler Unternehmen. Doch längst nicht alle Unternehmen, die sich auf die Fahne schreiben, innovativ zu sein, sind es auch. Mal beabsichtigt, mal unbeabsichtigt. Um nicht unbeabsichtigt non-innovativ zu sein, hier eine Checkliste der zehn Wege, mit denen sich Innovationen im Keim ersticken lassen.

1) Innovationsmanagement als abgeschlossenes System

Ideen, die nicht von Ihnen selbst sondern von Mitarbeitern und Kunden oder anderen externen Quellen kommen, sind ein persönlicher Angriff.

Falscher Stolz kann ein mächtiges Werkzeug gegen Innovationen sein. Eine Idee stammt nicht von einem Ihrer Innovations-Manager, den sie dafür teuer bezahlen? Ein Kunde oder jemand anderes, den sie in Ihrer Hierarchie als niedrig betrachten, steuert Feedback bei? Super! Öffnen Sie sich dafür! Innovationen basieren ja geradezu darauf, nicht immer in den eingeschliffenen Bahnen zu denken und externes Feedback liefert ihnen oft den unverbrauchten Blick, der ihnen an einigen Stellen vielleicht schon abhanden gekommen ist. Externes Feedback liefert also immer auch eine Chance, Sachen besser zu machen, Bedürfnisse noch zielgerichteter zu bedienen.

2) Innovationen werden im Unternehmen nicht geteilt

Ihre Unternehmensphilosophie lautet „It is not invented here“ und das wissen auch alle.

Als Not-Invented-Here-Syndrom (NIH) wird die Haltung eines Unternehmens beschrieben, dass bereits existierendes Wissen bei seinen Mitarbeitern oder Institutionen aufgrund des Entstehungsortes nicht beachtet. Anstatt jedoch selbst jedes Problem lösen zu wollen, kann es erfolgsversprechender sein, den Rat von Mitarbeitern einzuholen oder abteilungsübergreifend nach ähnlichen Problemstellungen zu schauen.

Allzu oft sehen sich Unternehmen mit einer Make-or-Buy-Entscheidung konfrontiert und obwohl vielleicht schon an anderer Stelle ein Work-Around oder eine Lösung besteht, wird das Problem selbst angegangen, was häufige höhere Kosten und Zeitaufwände produziert. Pinboards, auf denen die Herausforderungen verschiedener Abteilungen zusammengetragen werden, können hier helfen oder auch ein unternehmensinternes Twitter-System, auf dem Mitarbeiter in kurzen Tweets ihre Themen beschreiben. Auch Teamsitzungen können dazu genutzt werden, wichtige Themenstellungen zu diskutieren – diese dennoch zeiteffizient zu halten, kann jedoch selbst zur Herausforderung werden.

3) Fehlender Veränderungswille

„Wir verändern nichts“ und „Das haben wir schon immer so gemacht“ sind die Core-Values die jeder Mitarbeiter schon am ersten Tag bei ihnen lernt.

Innovation bedeutet auch immer Veränderung und der Mensch mag von Natur aus keine Veränderungen – vor allem nicht, wenn es die zentralen Prozesse des eigenen Unternehmens betrifft. Sollen Innovationen im eigenen Unternehmen umgesetzt werden, bedarf es also auch der entsprechenden Bereitschaft dazu. Und diese Bereitschaft sollte sich nach Möglichkeit nicht nur in den eigenen Reportings bemerkbar machen, sondern wirklich gelebt werden, was auch entsprechende Befugnisse der einzelnen Mitarbeiter sinnvoll macht. Erwartungen sollten klar definiert und Handlungsrahmen abgesteckt werden.

4) Eine fehlende Innovationsstrategie

Eine Unternehmensstrategie zu entwickeln und bekannt zu machen ist für Sie sinnloser Humbug.

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Keine Innovation ohne Strategie. Und das zentrale Element einer Strategie ist nicht nur ihre Ausformulierung, sondern auch ihre Verbreitung. Sollen alle Mitarbeiter bei der Entwicklung von innovativen, neuen Inhalten mit anpacken, müssen sie auch das notwendige Wissen um den Gesamtkontext haben. Was sind Do’s und was sind Don’ts? Welche Ziele werden verfolgt? Wer ist für welchen Bereich verantwortlich usw. Eine transparente Kommunikation kann so viele Stolpersteine innerhalb des eigenen Innovationsmanagements aus dem Weg räumen.

5) Informationssilos verhindern Innovationen

Sie schaffen Informationssilos mit unüberwindbaren Hürden, um Ihre Mitarbeiter nicht unnötig von der Arbeit abzulenken.

Informationssilos gehen in eine ähnliche Richtung wie eine nicht geteilte Strategie. Werden betriebsrelevante Informationen im Unternehmen nicht richtig geteilt, können Innovationen gehemmt werden, die sonst wesentlich günstiger und nachhaltiger das Unternehmen hätten bereichern können. Transparenz bezieht sich insofern sowohl auf Prozesse (Strategie) als auch Inhalte (Informationen): Je offener diese geteilt werden, desto leichter können neue Features, Abläufe und Inhalte implementiert werden.

6) Querdenker unerwünscht

Querdenker sind unerwünscht und werden fristlos gefeuert.

Um alte Strukturen aufzubrechen bedarf es auch der ausführenden Kräfte. Der Unternehmer, der sich Konformisten heranzieht, zementiert auch ein Unternehmen. Sind Mitarbeiter nicht in der Lage, durch frische Ideen zentrale Themen neu zu denken, können sie auch keine Innovationen umsetzen – vom Erdenken selbiger ganz zu schweigen.

7) Killerphrasen verhindern Innovationen

Killerphrasen gehören zu Ihrem Tagesablauf und sind Teil der gelebten Firmenkultur.

Als „Killerphrasen“ werden im Allgemeinen Sätze der Abwehr, Ablehung und Herabsetzung bezeichnet, die keinen konstruktiven Beitrag leisten, sondern im Gegenteil unterminieren. Wer ein solches Kommunikationsverhalten in seinem Unternehmen kultiviert, kann damit rechnen, dass nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch der Wille zu Innovationen zusehends schwinden.

8) Externe Ideen werden abgeblockt

Sie haben ein Schutzschild für externe Ideen und Inspiration um das Unternehmen gelegt.

Innovationen müssen nicht immer aus den eigenen Reihen kommen – dies beweisen unter anderem zahlreiche deutsche Copycats. Doch an fremdem Innovationswissen ist per se nichts auszusetzen, häufig ist es die Execution, die eine Innovation wirklich erst zur Innovation macht, weil sie alte Prozesse aufbricht und im Alltag gelebt wird. Wer sich externem Knowhow verschließt – sei es in Form von Innovationsberatern oder einfach den Ideen Außenstehender – dem bleiben auch spannende Potenziale verschlossen.

9) Mitarbeiter werden nicht zu Innovationen motiviert

Sie können sich nicht vorstellen, dass motivierte Mitarbeiter den Grundstein für Innovation legen.

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Wir hatten es schon einmal: Innovationen müssen auch von jemandem getragen werden und wenn Sie nicht gerade auf allen Hochzeiten tanzen wollen, werden diese Innovationsträger Ihre Mitarbeiter sein. Mitarbeitern eine Motivation zur Entwicklung von Innovationen zu geben und die dafür notwendigen Spielräume zu schaffen – denn häufig wird beides Hand in Hand gehen – sollte daher ein zentrales Element der eigenen Innovationsstrategie sein. Es muss kein Mitarbeiter-des-Monats-Schild in der Cafeteria sein, doch eine kleine Würdigung von kreativem Neudenken kann nicht schaden, insbesondere wenn der entsprechende Ideengeber im Unternehmen dann auch noch mit der Durchführung beauftragt wird.

10) Beim Innovationsmanagement ist Geiz nicht geil

Innovationen sind herzlich willkommen – sie dürfen nur nichts kosten und Ihre Mitarbeiter nicht von der Arbeit ablenken.

Kein neues Feature ohne Kosten, kein veränderter Prozess ohne Aufwand. Klar: Innovationen kosten Geld und Zeit (welche ja bekanntlich auch Geld ist) und wer an beidem spart, spart auch am Innovationsgrad des eigenen Unternehmens. Dabei können sich auch StartUps Innovationen leisten, ohne dafür Mitarbeiter komplett abstellen zu müssen und riesige Budgets bereitzustellen.

Eine grundsätzliche Offenheit ist auch aus Kostensicht der Grundstein von gelungenem Innovationsmanagement und im Zweifel sollten lieber wenige gute Innovationen umgesetzt werden, die dann auch etwas kosten, als viele günstige Ansätze verfolgt werden. Jeder gut in einen innovativen Ansatz investierte Euro kann später deutlich vermehrt ins Unternehmen zurückfließen, während aus halbgaren Innovationen eher mehr Kosten entstehen, als wäre am Anfang etwas Geld in die Hand genommen worden.

Bildmaterial: Taliesin