Amen Caitlin Winner

Amen-Mitgründerin Caitlin Winner geht

Es ist selten ein gutes Zeichen, wenn Gründer unverhofft ihr Unternehmen verlassen. So nun geschehen beim nicht zuletzt durch den Einstieg des Schauspielers Ashton Kutcher gehypten Berliner Startup Amen (amenhq.com) rund um Frontmann Felix Petersen: Mitgründerin Caitlin Winner hat das Berliner Jungunternehmen verlassen und sich in die USA verabschiedet. Ihrem Facebook-Profil nach arbeitet sie dort für das soziale Netzwerk selbst. Wie Netzwertig berichtet, hat auch Amens Lead Developer Ricki Gregersen das Startup im April verlassen. Nun wird allem Anschein nach versucht, das Unternehmen an Yahoo zu verkaufen, aber auch das Berliner Startup Tape.tv (www.tape.tv) sei möglicherweise einer der Gesprächspartner.

Amen ist eine Meinungsplattform, bei der Nutzer Aussagen über Personen, Orte und Dinge treffen können, die andere Nutzer anschließend durch ein „Amen“ bestätigen können. Das 2011 zusammen mit Florian Weber, einem Twitter-Entwickler der ersten Stunde, gegründete Berliner Jungunternehmen ist vor allem aufgrund seiner namhaften Investoren bekannt geworden. Index Ventures (www.indexventures.com), Sunstone Capital, A Grade (Ashton Kutcher, Ron Burkle, Guy Oseary), Path-Gründer Dave Morins Slow Ventures, Alexander Ljung und Eric Wahlforss von SoundCloud (www.soundcloud.com) sowie Christophe Maire hatten Amen mit mehreren Millionen Euro ausgestattet. Ziel von Amen, einer nur für Apples iOS verfügbaren App, ist es, aus individuellen Meinungsäußerungen eine Art „Best of“ zu generieren und diese als Hitlisten einfach zugänglich zu machen.

Allerdings scheint die App seit dem Start vor knapp zwei Jahren keine kritische Masse erreicht zu haben. Zwar hat Amen selbst in typischer Startup-Manier nie konkrete Zahlen genannt. In den vielfältigen App-Listen konnte die Meinungs-App allerdings nie längerfristig einen nennenswerten Rang erreichen. Vor wenigen Wochen erst wurde als Ergänzung die App Thanks gelauncht, die stärker als das eher spielerisch konzipierte Amen die bislang gesammelten Daten als Empfehlungen darstellen und über welche die Informationen weiter verdichtet werden sollten – und mit der sich Amen für mögliche Käufer aufhübschen wollte. Öffentlich gemacht hatte das Projekt seinerzeit Schauspieler Kutcher auf Twitter.

Auffällige Ruhe

Anzeige
Seit dem Launch ist es um beide Apps allerdings auffällig ruhig geworden. So sind die sozialen Kanäle weitestgehend versiegt – was bei einem Unternehmen, das auf die Lebendigkeit seiner Nutzercommunity baut, kaum besonders positiv zu werten ist. Zuvor hatte insbesondere Amen-CEO Petersen, der sich zuvor mit dem Exit seiner Gründung Plazes an Nokia einen Namen gemacht hatte, meist kräftig die Werbetrommel gerührt. In den vergangenen Monaten hatte sich Petersen verstärkt als Business Angel engagiert, etwa bei Mentor oder bei Loopcam.

Für den US-Schauspieler und namhaften Startup-Investor Kutcher würden mögliche Probleme bei Amen gleich den zweiten Fehlschlag in Berlin bedeuten. Vor wenigen Wochen erst hatte die Buchungsplattform GetYourGuide den von ihm finanzierten Erlebnismarktplatz Gidsy geschluckt. Details zur Transaktion wurden nicht genannt, dem Vernehmen nach soll bei dem Exit aber nicht gerade beträchtliches Geld geflossen sein. Sollte sich Amen derzeit tatsächlich in Gesprächen mit möglichen Interessenten befinden – tatsächlich dürfte man einigerorts auf Brautschau gewesen sein –, ist auch für den Meinungs-App-Anbieter kaum ein besonders einträglicher Exit zu erwarten.

Fragen nach dem Amen-Geschäftsmodell und Kritik am starken Hype um das Jungunternehmen gab es schon zuvor: Ob sich wie beabsichtigt mit Werbung in den Rankings tatsächlich ausreichend Geld verdienen lässt, kann trotz des möglichen Reizes für die bewerteten Unternehmen durchaus bezweifelt werden – insbesondere, solange es eine (zumeist) geringe Zahl der abgegebenen Stimmen einem Wettbewerber einfach machen würde, das Urteil zu verfälschen.

Dass die Nutzung nicht so hoch war wie ursprünglich erhofft, darf wohl als gesichert gelten. Wie es derzeit konkret um Amen bestellt ist und wie die Zukunft aussehen soll, wollte das Berliner Unternehmen gegenüber Gründerszene nicht kommentieren.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von toolmantim, Gerd Altmann / pixelio.de