Ganz entspannt in der Mittagspause. Mit der richtigen App kein Problem.

Der Markt für Health- und Fitness-Apps boomt: Freeletics und Runtastic sind zwei prominente Beispiele für mobile Fitness, die ganz ohne Studio und Equipment auskommen wollen. Daneben versprechen Apps, Diätprogramme zu begleiten oder den Puls und den Herzschlag zu messen. Asana Yoga will sich ein Stück vom eHealth-Hype abschneiden und einen Nischenmarkt besetzen: mit Yoga.

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Robin Pratap und Pascal Klein haben im Januar die App Asana Rebel veröffentlicht, die Yoga-Tutorials anbietet. Kurze Videos sollen dazu motivieren, sich jeden Tag ein paar Momente zu gönnen, um Gleichgewicht in den Alltag zu bringen und sich in seinem Körper wohler zu fühlen. Die App beinhaltet verschiedene Trainingsprogramme, die man drei bis zehn Tage täglich absolvieren soll, egal, wo man gerade ist. Dabei ist ein Basiskurs für drei Tage kostenlos. Alle weiteren Trainingseinheiten gibt es nur in der Pro-Version und müssen per Abo für acht Euro pro Monat gekauft werden. Obwohl es viele Konkurrenten gibt, sind sich Pratap und Klein ihres Erfolges sicher.

Gestartet haben sie ihr Geschäft mit dem Yoga vor ziemlich genau einem Jahr. Nach einem BWL-Studium, während dessen sich die beiden kennengelernt und schon einige E-Commerce-Projekte spielerisch ausprobiert hatten, bauten sie eine Online-Plattform, auf der sie Yoga-Matten von einem deutschen Hersteller verkauften. Aus nachhaltigem Material. Pratap hat indische Wurzeln, seine Schwester ist Yoga-Lehrerin, deshalb war die Idee für das eigene E-Commerce-Geschäft schnell gefunden.

Kurze Zeit nach dem Launch der Seite schafften es die beiden mit ihrem Projekt in den ProSiebenSat.1-Accelerator und bauten die Plattform aus: Die Produktpalette wurde erweitert und das Team – mittlerweile zu viert – baute die Marke mithilfe einer Content-Plattform auf. Ihr Anspruch: Jede Frage, die Yoga betrifft, sollte hier beantwortet werden.

Das Team von Asana Yoga mit den beiden Gründern Robin und Pascal hinten mittig

Als das Accelerator-Programm im Juli/August ausgelaufen war, machte sich das Team wieder auf die Suche nach Investoren. Der High-Tech Gründerfonds, drei Business Angels aus München und Astutia Ventures, stiegen ein und investierten eine knappe Million Euro. Das Team wuchs schnell auf acht Mitglieder an und mietete ein Loft in Berlin-Kreuzberg an. Es bietet Wohnraum für einige der Teammitglieder, Büro und genug Fläche, um weitere Yoga-Tutorials zu drehen.

Diese Tutorials für die Hosentasche sollten das Herzstück ihres Business werden. „Wir haben gemerkt, dass man mit E-Commerce nicht so gut skalieren kann, wie gedacht. Also haben wir uns auf ein anderes, digitaleres Produkt gestürzt“, erklärt Klein. Eine halbe Million Euro Umsatz hat die Plattform 2015 nach eigenen Angaben gebracht. Jetzt steckt das acht-köpfige Team fast alle Energie und Arbeitszeit in die App.

Gerade werden noch Testläufe gemacht und das Nutzerverhalten analysiert. In ein paar Wochen soll es intensiv in die Vermarktung gehen. Und dann wird skaliert: Die englische Version werde in maximal zwei Monaten auf dem Markt sein und andere Sprachen schnell folgen. „Deutschland sehen wir als Testmarkt“, sagt Klein. Momentan gibt es nur eine Version für iOS. Denn Apple-User seien potentiell zahlungswilliger. Erst, wenn das Produkt richtig gut sei, wolle man andere Versionen nachziehen.

Kann das funktionieren? Fünf bis zehn gute bis sehr gute Apps mit Yoga-Tutorials seien derzeit auf dem Markt, gibt Klein zu. Außerdem kann man zahllose, kostenlose Kurse für alle Ansprüche auf Youtube finden. Wer soll da acht Euro pro Monat extra zahlen? Aber Klein ist sich sicher, dass die App einen großen und neuen Nutzerkreis adressiert: „Wir machen Yoga gesellschaftsfähig.“ Andere Apps würden versuchen, Yogis aus den Studios heraus zu ziehen. Diese Menschen zahlen meistens schon viel für die Kurse dort und sähen die Online-Tutorials als günstigere Alternative. „Wir wollen Menschen niederschwellig ansprechen, die noch nichts mit Yoga zu tun hatten.“ Die Zielgruppe sind dabei ganz klar jüngere Menschen, für die der Umgang mit dem Smartphone selbstverständlich ist.

Außerdem soll Yoga aus der spirituellen Nische geholt werden. Der Lehrer soll kein Guru sein, sondern die Bewegung im Fokus stehen. Wie es mit dem Online-Shop weiterlaufen soll, ist noch nicht klar. Klein möchte bald eine Eigenmarke mit Yoga-Zubehör einführen, ähnlich wie Freeletics. Die wären mit ihrer App für Asana Rebel übrigens in vielerlei Hinsicht Vorbild gewesen; ihr Angebot an Freeletics-Kleidung hatte Fans allerdings sehr enttäuscht.

Bild: Gettyimages / Westend61