Carlos-Borges-Triprebel-Startup-Helden

Carlos Borges (33), Gründer und CEO von TripRebel

„Startup-Held“ Carlos Borges im Interview

TripRebel setzt bei seinem Hotelbuchungsservice auf das Belohnungsprinzip: Der Hamburger Dienst erstattet seinen Kunden Geld zurück, wenn ein über TripRebel gebuchter Übernachtungspreis vor Reiseantritt sinkt.

Carlos Borges rief das Startup im April 2013 gemeinsam mit Gernot Supp ins Leben. Der studierte Tourismus- und Marketingwissenschaftler Borges hatte vor der Gründung von TripRebel im Brand Management bei Colgate-Palmolive gearbeitet. Sein heute siebenköpfiges Startup war im ersten Jahr eigenfinanziert und wurde im zweiten Jahr von Business Angels unterstützt, darunter Lutz Bethge, der frühere CEO von MontBlanc. Für 2014 veranschlagt das Jungunternehmen des Brasilianers nun einen Umsatz von 70.000 Euro.

In der Reihe „Startup-Helden“ erzählt Borges, wie TripRebel Hotelgästen immer den günstigsten Übernachtungspreis ermöglichen will und was die Nutzer künftig noch erwartet.

TripRebel macht Übernachtungskosten nachträglich günstiger. Wie funktioniert das?

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Eigentlich ganz einfach: Wir beobachten nach der Buchung die Entwicklung des Zimmerpreises mithilfe eines Algorithmus. Wenn ein günstigerer Preis gefunden wird, wird die alte Buchung automatisch storniert und das bessere Angebot gebucht. Dabei kommen uns und unseren Kunden die starken Preisschwankungen zugute, die in der Hotellerie üblich sind: Bei acht von zehn Hotels ändert sich im Zeitraum von 30 Tagen vor der Anreise der Zimmerpreis. Im Schnitt sparen unsere Kunden 20 Prozent des Buchungspreises, das entspricht zum Beispiel 53 Euro für einen Wochenend-Trip.

Warum machen Hotelbetreiber das mit?

Wir arbeiten mit den Buchungsbedingungen der Hotels, streng genommen automatisieren wir etwas, das die Verbraucher auch selbst machen könnten. Wenn man so will, nutzen wir ein „legales Schlupfloch“ in den Stornierungsbedingungen, dabei profitieren wir vor allem von den sogenannten „frei stornierbaren Tarifen“.

Die Verbraucher fordern mehr und mehr Transparenz. Preisvergleich-Webseiten wie Trivago haben schon einen Schritt in diese Richtung gemacht, sie zeigen die aktuell besten Angebote und machen gewissermaßen eine Momentaufnahme des Marktes. Aber Märkte sind keine Momentaufnahmen, sie sind eher wie ein Film, die Preise steigen und sinken ständig. TripRebel nimmt als Erster den ganzen Film auf. So finden wir das beste Angebot im Zeitraum zwischen Buchung und Check-in.

Und wie verdient TripRebel daran?

Wie alle Buchungsportale erhalten wir von den Hotelanbietern eine Provision für jede Buchung, die über uns getätigt wird. Unser Kernservice – die Preiserstattung – ist für den Kunden komplett kostenlos, daran verdienen wir gar nichts.

In welche Richtung soll sich das Produkt TripRebel noch entwickeln und wie wollt ihr das erreichen?

Unser Ziel ist es, die nächste Generation einer intelligenten Buchungsplattform zu werden. Im Schnitt recherchiert ein Verbraucher in Deutschland fünf Stunden, um ein einfaches Hotel zu buchen. Das ist viel zu viel! Wir möchten unseren Kunden nicht nur dabei helfen, Geld zu sparen, sondern ihnen auch einen großen Teil des Suchaufwands abnehmen. Wir werden zu einer Art virtueller Reiseberater, der die Kunden bei der Planung und Vorbereitung unterstützt.

Konkret möchten wir TripRebel um einige Funktionen erweitern, wie die, statt einer Rückerstattung ein Upgrade auf eine bessere Zimmerkategorie zu erhalten. Auch sollen unsere Kunden in Zukunft während des Buchungsvorgangs mehrere Hotels auswählen können, um so ihre Chancen auf eine Rückerstattung oder Upgrade zu erhöhen.

Welche Tipps gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?

Baut Euch ein enges Kontaktnetzwerk auf. Es ist wichtig, sich mit Mentoren zu vernetzen, die die Anfangsphase Eures Startups begleiten. Genauso wichtig ist es, sich mit CEOs anderer Startups auszutauschen und mit Wettbewerbern über Euer Konzept zu sprechen: Eure Möglichkeit, davon zu profitieren, ist viel größer als die Gefahr, dass Eure Idee geklaut oder kopiert wird. Wenn Ihr von Anfang an ein internationales Team aufbaut, steigen Eure Chancen, ein international relevantes Produkt zu schaffen. Dieses Team sollte möglichst an einem Standort sitzen, um sich ständig austauschen zu können.

Die Reisebranche ist ein aktuell beliebtes Digitalisierungsthema für Startups. Welche besonderen Trends zeichnen sich hier für Dich ab?

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Ein wichtiger Trend, der sich überall abzeichnet ist „travel like a local“ – das heißt, Reisender zu sein statt nur Tourist, in Kontakt mit den Einheimischen zu kommen statt Reiseführer zu lesen, eine Art „unplugged“ Reisen, bei dem Job und Freizeit verschwimmen und das Reisen zum Teil des Alltags wird. Daraus ist mit Vileee beispielsweise eine App entstanden, die anhand des persönlichen Profils das beste Stadtviertel für den Reisenden sucht.

Auch das Bedürfnis nach steigender Flexibilität ist ein Thema und führte mit Adioso zu einer App, bei der man statt genauer Reisedaten eine grobe Anfrage ins Suchfeld eingibt, etwa „Barcelona für zwei Wochen an einem Montag im Mai“. Zu dieser Suchanfrage werden neben den Basisleistungen auch die besten Aktivitäten und Touren gefunden. Ein großes Thema ist natürlich auch die Sharing Economy mit Airbnb, Uber oder Blackjet – einem ähnlichen Prinzip für privaten Flugverkehr.

Bild: Carlos Borges