Erfolg reich leben: Selfmade-Man Carsten Maschmeyer

Carsten Maschmeyer ist umstritten. Auf der einen Seite ist er ein echter Selfmade Man, gehört zu den reichsten Deutschen, hält Anteile an mehr als 50 Firmen. Darauf ist er stolz und hat ein Buch mit dem Titel „Selfmade. erfolg reich leben“ geschrieben. „Wir, die wir aus schwierigen Verhältnissen stammen, waren schon früh gezwungen, mehr Biss und eine praktische Intelligenz zu entwickeln, zu improvisieren. Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass viele Halbwaisen in dieser Gruppe sind. Und wer sich auf dem zweiten Bildungsweg nach oben rackert, sagt nicht: Um 16 Uhr ist Feierabend, mir ist der Golfplatz wichtiger – so was kennen wir nicht“, sagte Maschmeyer in einem Interview mit der Frankfurter Sonntagszeitung.

Seit 2014 ist der Unternehmer mit Schauspielerin Veronika Ferres verheiratet – und fühlt sich im Promi-Rampenlicht sichtlich wohl. Das wird ihm auch bei seiner neuesten Nebenbeschäftigung zu Gute kommen: Maschmeyer ist ab der dritten Staffel ein weiterer Investor in der Vox-Castingshow „Die Höhle der Löwen“.

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Die Startup-Szene ist ihm ebenfalls nicht fremd. Über seine Investmentgesellschaft Alstin (Alternative Strategic Investments) hat er bereits eine ganze Reihe an Jungunternehmen mit Kapital für das Wachstum ausgestattet, beispielsweise Blacklane oder das Fintech Barzahlen. Zu verdanken hat er sein Vermögen vor allem dem Verkauf seines Finanzunternehmens AWD an den Versicherungskonzern Swiss Life.

Ein gutes Ansehen haben sich – auf der anderen Seite – aber weder das Finanzunternehmen noch Maschmeyer selbst erarbeiten können. So wird der Unternehmer aus Hannover den Ruf nicht los, mit seinem früheren Finanzvertrieb als eine Art „Drückerkönig“ Tausende Kapitalanleger abgezockt zu haben. Maschmeyer freilich bestreitet das. Immer wieder gab es Kritik an Maschmeyers Geschäftspraktiken und Klüngeleien. Im September 2010 titelte der NDR in einem umfangreichen Bericht: „Abzocker Maschmeyer – Liebling der Politik, Freund des Bundespräsidenten“.

Was man Maschmeyer nicht vorwerfen kann: faul oder eigenbrötlerisch zu sein. Über die Jahre hat er nicht nur einen der größten Finanzdienstleister aufgebaut – sondern auch ein umfangreiches Beziehungsgeflecht. Einen Hehl macht er daraus nicht. „Ein Leben ohne Beziehungen ist wie Tauchen ohne Sauerstoffflasche“, hat Maschmeyer in dem Buch geschrieben. Altbundeskanzler Gerhard Schröder, wie Maschmeyer aus Hannover, ist Duzfreund.

Dicke war der Unternehmer auch mit dem Ex-Bundespräsident und früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, wie zwei Stern-Reporter in einem Buch geschrieben haben, das sich intensiv mit Maschmeyers Beziehungskonto – er nenne es selbst so – auseinandersetzt. Namen wie der von Rentenexperte Bert Rürup, von Ex-IG-Metall-Vize Walter Riester oder des früheren Bundeswirtschaftsministers Philipp Rösler haben nicht nur Einfluss in der deutschen Wirtschaft. Sie dürften Maschmeyer als Chef seiner AWD-„Drückerkolonnen“ sicherlich die eine oder andere Tür geöffnet haben. Mit anderen ehemaligen Geschäftsfreunden, wie dem Schweizer Banker Eric Sarasin, steht Maschmeyer hart im Clinch.

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über seine Startup-Investments im Gründerszene-Interview

Engagiert hatte sich Maschmeyer auch bei der „Venture Plattform“ MIC. Seinen Ausstieg im September verkündete diese auf kuriose Weise: So gab es zwar kein offizielles Statement – dafür zitierte das Unternehmen im Pressebereich der eigenen Seite einen Artikel, mit dem Titel „Maschmeyer ist wohl ausgestiegen“. So geht es auch. Aber Transparenz sieht anders aus.

Speziell für die Vox-Show habe er die neue Investmentgesellschaft „Seed & Speed“ gegündet und ein 15-köpfiges Team – Internet-Spezialisten, Vertriebsprofis und Finanzexperten – für die jungen Gründer abgestellt, erzählte Maschmeyer den Kollegen von Bild. Und: „Sony und Vox wollten mich unbedingt haben. Sie wollten einen weiteren Löwen, der tatsächlich brüllen kann. Und über das notwendige Kapital verfügt.“ Von Ehefrau Veronika Ferres habe er derweil den Tipp bekommen, die Krawatte wegzulassen und sein Lächeln zu behalten, „auch wenn eine Idee mal völlig daneben ist“.

Mit Carsten Maschmeyer hat die „Höhle der Löwen“ einen überaus prominenten, finanziell potenten und für die TV-Welt interessanten Investor bekommen. Aber auch einen, dessen Ruf nicht überall der beste ist.

Bild: Nikolaj Gerogiew per OTRS