EatÜber-Gründerin Chanyu Xu auf dem Dach von Rocket Internet, ihrem neuen Arbeitgeber.

Chanyu Xu: Wechsel zu Rocket Internet

Schon mit Anfang Zwanzig gründete die Wahlberlinerin Chanyu Xu die Hotel-Bewertungs-Plattform Customer Alliance. Drei Jahre nach dem Start, Ende 2012, stieg sie dort aus, um sich ihrer Leidenschaft zu widmen: Gesundes Essen. Sie gründete den Lieferservice EatÜber, der im Sommer 2013 startete.

Bereits seit mehreren Wochen ist die Seite von EatÜber nicht mehr erreichbar, der Service wird nicht mehr angeboten. Mittlerweile arbeitet die 27-Jährige bei EatFirst, dem neuen Lieferdienst von Rocket Internet. Im Interview erzählt sie, was aus ihrem Startup wurde und welche Aufgaben sie bei EatFirst übernimmt.

Xu, du hast vor rund eineinhalb Jahren EatÜber gegründet. Jetzt ist die Seite nicht mehr erreichbar. Was ist daraus geworden?

Wir haben das Projekt beendet, weil nach einem Jahr nicht das herausgekommen ist, was wir uns erhofft hatten. Ende August haben wir noch sehr erfolgreich das Catering für eine große Hochzeit gemacht. Dann habe ich gemeinsam mit den Investoren überlegt, welche Möglichkeiten es gibt, um EatÜber weiterzuführen. Es gab die Option mehr in den Bereich Catering oder B2B zu gehen. Doch das wäre alles sehr aufwendig gewesen, weil ich auf operativer Ebene und als Gründerin alleine war. Ich hatte zwar tolle Investoren, die konnten mir aber im täglichen Geschäft nicht helfen. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, den Stecker zu ziehen. Eine rationale Entscheidung.

Wieso hast du nicht einige der Aufgaben an Mitarbeiter abgegeben?

Ich hatte ein Team und auch Mitarbeiter mit Erfahrung im Gastronomiebereich. Es haben aber trotzdem Ressourcen gefehlt – sowohl beim Personal als auch beim Geld. Das Team bestand größtenteils aus Fahrern und Köchen.

Hattet ihr zu wenig Kunden, um gute Umsätze zu erzielen?

Wir hatten genügend Kunden und es lief insgesamt auch sehr gut – in den Wintermonaten waren wir fast profitabel. Aber uns hat der lange Atem gefehlt. Es hätte funktionieren können – aber nur mit viel mehr finanziellem und personellem Aufwand. Auch meine Investoren haben an die Idee geglaubt und hätten mir mehr Geld gegeben.

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Aber mit mehr Geld hättet ihr doch mehr Mitarbeiter einstellen können?

Das stimmt. Aber es ist sehr schwierig, Leute zu finden, die sowohl die Gastronomie als auch den Startup-Bereich verstehen.

Und wie geht es jetzt weiter?

Ich bleibe im Food-Bereich. Ich habe schon länger Kontakt zu Torben Schulz, dem Mitgründer von EatFirst. Wir haben festgestellt, dass es viele Schnittstellen gibt und wir gut zusammenarbeiten können.

Das heißt, du bist jetzt bei EatFirst. Wie ist es denn?

Wir haben ein super Team, das Startup-Erfahrung hat und sich für Essen begeistert. Das Konzept von EatFirst kann man noch analytischer angehen als das von EatÜber. Dort war das Modell komplexer, mit einem größerem Menü und Auslieferung rund um die Uhr.

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Hast du mit EatÜber darüber nachgedacht, das Konzept ähnlich wie EatFirst aufzubauen?

Ja, aber es wäre schwierig gewesen, das so abzuändern. Auch aus den bereits genannten Gründen.

Was zählt zu deinen Aufgaben bei EatFirst?

Zurzeit arbeite ich mich im Bereich Food ein. Dabei helfe ich unter anderem den beiden Chef-Köchen in Berlin und London bei der Menüentwicklung und koordiniere zwischen den zwei Standorten. Ich schaue welche Rezepte aus London auch in Berlin umgesetzt werden können oder andersherum. Wenn EatFirst in andere Städte expandiert, werde ich als Country Co-Founder vor Ort das Team und die Infrastruktur aufbauen. Welche Stadt das sein wird, ist aber noch nicht sicher.

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Was hat dich an dem Konzept von EatFirst überzeugt?

Es ist nicht nur das Konzept, es vor allem das Umfeld, in dem ich jetzt arbeite. Außerdem möchte ich internationale Erfahrung bei der Skalierung eines Geschäftsmodells sammeln. Ich glaube daran, dass EatFirst den Lieferdienstmarkt total verändern wird.

Wieso glaubst du das?

Weil EatFirst eine neue Customer Experience ermöglicht. Bisher warten Lieferdienst-Kunden bis zu zwei Stunden auf ihr Essen, wissen nicht, wann ihr Essen ankommt und wo sich der Fahrer befindet. Dabei bestellt jeder sein Essen erst dann, wenn er schon hungrig ist und will dann nicht lange warten. Außerdem bietet EatFirst jeden Tag zwei verschiedene Gerichte an. Das bedeutet, man kann sich auf einfache Art und Weise abwechslunsgreich und gesund ernähren.

War es schwierig für dich, zurück in ein Angestelltenverhältnis zu wechseln? Hättest du nicht lieber wieder dein eigenes Ding gemacht?

Das ist häufig eine Ego-Frage. Mir geht es vor allem darum, etwas dazu zu lernen. Deswegen habe ich mich für EatFirst entschieden, um international und operativ mehr Erfahrung zu sammeln. Und um auch zu sehen, wie Company Building in einem schnell skalierbarem Umfeld funktioniert. Auf diese Herausforderung freue ich mich sehr.

Danke für das Gespräch, Xu.

Bild: Hannah Loeffler / Gründerszene