Keine Lust, analog Kleidungsstücke auszuprobieren?

Schon wieder eine Mode-App? Das klingt nicht besonders innovativ. Immerhin gibt es massenweise Applikationen bei denen dem Nutzer ein Outfit vorgelegt wird und dieser es à la Tinder bewerten kann. Beispielsweise Amaze aus Berlin oder Mallzee und Grabble aus Großbritannien. Ebenfalls in den App-Stores: Fleek, die neuste App von Zalando, mit der das Unternehmen an Millennials herankommen möchte.

Philipp Seybold, CEO und Gründer der Mode-App Combyne, lässt sich von den Wettbewerbern nicht einschüchtern. Seit April 2014 bastelt er in München an der Applikation, die eine Art soziales Netzwerk für Mode-Liebhaber werden soll.

Und es scheint zu funktionieren: Kürzlich schaffte es Seybold gemeinsam mit seinen Mitgründern Christian Dienst und Worathiti Manosroi bei dem internationalen App-Wettbewerb Mobile Premier Awards unter die Finalisten. Unter anderen berichtete Wired über die Münchner.

Was also ist Combyne? Mit der App, die bisher nur als iOS- und Beta-Version erhältlich ist, kann die Nutzerin digital verschiedene Kleidungskombination ausprobieren, per Wisch lassen sich die einzelnen Stücke austauschen. „Im Fashion-Bereich gibt es viele Apps, sie konzentrieren sich jedoch auf den Verkauf der Artikel“, erzählt Seybold im Gespräch mit Gründerszene. „Wir fokussieren uns auf das Ausprobieren und Kombinieren der Stücke – eigentlich auf den Spaß dabei.“

Zurzeit ist Combyne nur auf weibliche Nutzer ausgerichtet, Artikel für Männer sollen jedoch bald folgen. Nach eigenen Angaben testeten seit Ende 2015 27.000 User die Beta-Version.

Wischen, um Stücke zu kombinieren

In der App können sich Nutzerinnen außerdem mit anderen austauschen, man kann ein Outfit teilen und kommentieren. Um zu kommentieren, muss man der anderen Person folgen. Allerdings sind die Kommentare und das Teilen des Outfits für alle persönlichen Follower öffentlich zu sehen. Die Macher planen, in Zukunft auch einen privaten Chat einzuführen.

Geplant ist außerdem, dass Nutzer ihre eigenen Kleidungsstücke und ein Foto von sich hochladen können, damit das virtuelle Anprobieren noch persönlicher wird. Denn bisher werden nach eigenen Angaben nur die Artikel der 40 Händler wie Topshop, Zalando oder Urban Outfitters angezeigt, mit denen das Jungunternehmen bereits zusammenarbeitet.

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Obwohl es naheliegt, dass sich das Startup über Provisionen beim Verkauf von Kleidungsstücken finanziert, wird das laut Seybold nicht die Haupteinnahmequelle sein. Die Macher planen, die Shops der Händler in die Combyne-App zu integrieren. „App-in-App-Prinzip“ nennt Seybold das. „Mobile funktioniert komplett anders als die letzten Jahre online im Webbrowser. Leute laden nicht für jeden Händler eine eigene App runter, es braucht einen zentralen Kanal mit echtem User Value, auf dem die Händler dann ihre individuellen Präsenzen haben.“

Außerdem will sich das Startup über Native Advertising finanzieren – und über den Verkauf von Daten. Wie das aussehen soll, wissen die Gründer noch nicht genau, aber das Grundkonzept steht: Die Händler, mit denen Combyne arbeitet, sollen sich in eine Art Analyse-Backend einloggen können, um die Kleidungskombinationen und Trends der User herauszufiltern. Die Daten einer individuellen Person würden dabei nicht aufs Spiel gesetzt, versichert Seybold. Die Händler seien lediglich an der Masse interessiert.

Mit seinem sozialen Netzwerk für modebewusste Millennials will das junge Unternehmen nun Investoren überzeugen. Bisher waren es Familie, Freunde, die Gründer selbst und einige Business Angels, die etwa 450.000 Euro in das Startup steckten. Derzeit sind die Münchner dabei, eine Seedrunde einzusammeln, mit etwa 650.000 Euro rechnen sie.

Das Combyne-Gründerteam: Philipp Seybold, Christian Dienst und Worathiti Manosroi (von links)

Artikelbild: Gettyimages/Hero Images, Gif: Combyne; Bild: Combyne; Hinweis: Combyne führt eine Media-Kooperation mit dem Stylemagazin Icon, das zum Axel-Springer-Verlag gehört. Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com.