Niklas Östberg

Niklas Östberg, CEO von Delivery Hero

Delivery Hero wechselt erneut seine Strategie: Das Berliner Milliarden-Startup verkündet, seinen Lieferdienst Valk Fleet wieder zu schließen. Erst im Mai 2015 startete Delivery Hero das Logistikunternehmen in Großbritannien und Deutschland – die Zukunft der mittlerweile rund 200 Mitarbeiter und 1.000 Fahrer ist nun ungewiss. Valk Fleet sollte es Restaurants ohne eigenen Lieferservice ermöglichen, ihre Gerichte dennoch ausliefern zu können. Das Startup stellte dabei den Restaurants die Fahrer und nötige Technologie zur Verfügung.

Von Delivery Hero heißt es in einer Mitteilung, man werde sich nun in Sachen Logistik vollständig auf Foodora konzentrieren. Den Restaurant-Lieferdienst hatte Delivery Hero im September von Rocket Internet übernommen. „Das Zusammenführen des gesamten Segments der Food-Lieferung bei Foodora ist der konsequente Schritt für eine nachhaltige Zukunft eines Segments, das für seine niedrigen Margen berüchtigt ist“, heißt es weiter.

Anzeige
Dennoch kommt die Schließung von Valk Fleet überraschend. Noch im November des vergangenen Jahres hatte Delivery-Hero-CEO Niklas Östberg in einer internen Mail erklärt, man wolle nun alle Anstrengungen und Investments auf die eigene Lieferinitiative Valk Fleet richten. Hintergrund war die Entscheidung Delivery Heros nicht weiter in das Berliner Lieferstartup Food Express zu investieren. An dem hielt Delivery Hero knapp 28 Prozent.

Der Fall hatte Schlagzeilen gemacht, da Food Express nach dem Rückzug des Investors in die Insolvenz rutschte und kurze Zeit später vom Delivery-Hero-Konkurrenten Lieferando übernommen wurde. Delivery Hero begründete die Entscheidung damals offiziell so: „Wir sehen in einer eigenen Logistik-Sparte deutlich bessere Entwicklungsmöglichkeiten.“

„Eine Reihe von harten Entscheidungen“

Das hat Delivery Hero viel Geld gekostet. Denn im Frühjahr 2015 floss ein zweistelligen Millionenbetrag in das Berliner Food Express. Dann fing das Unternehmen an, den eigenen Logistikdienst Valk Fleet in Deutschland und Großbritannien groß zu machen und schließlich kaufte Delivery Hero den Wettbewerber Foodora für eine unbekannte Summe von Rocket.

„Im Bereich Food-Logistik haben wir einen schwierigen Lernprozess durchlebt“, erklärt Niklas Östberg den Strategieschwenk. Und: „Dieser Schritt steht in einer Reihe von harten Entscheidungen, die wir in letzter Zeit treffen mussten.“ Im Februar hatte Delivery Hero 30 Entwickler entlassen. Hintergrund: die Entscheidung des Managements, sich stärker „auf technologische Kernprojekte zu fokussieren“.

Vom chinesischen Markt hat sich Delivery Hero ebenfalls komplett zurückgezogen, wie das Unternehmen Anfang März bestätigte. Der Wettbewerb sei zu aggressiv gewesen. 400 Mitarbeiter könnten dadurch ihren Job verlieren.

Aus es dem Umfeld von Delivery Hero heißt es, die Umstrukturierungen seien nun erst einmal abgeschlossen. Die Zeichen stehen allerdings klar auf Sparkurs. Das milliardenbewertete Unternehmen muss Investoren gute Zahlen präsentieren, wenn es an die Börse gehen will. Berichten zufolge soll das noch Ende dieses Jahres der Fall sein. Die Citigroup, Goldman Sachs und die Deutsche Bank sollen Delivery Hero bereits beraten.

Bild: Delivery Hero