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Das Social Business dotHIV (www.dothiv.org) sicherte sich die Domain-Endung „.hiv“ und unterstützt damit weltweit Projekte gegen die Verbreitung des Virus. Mit einer jährlichen Gebühr erwerben Unternehmen das Recht an einer .hiv-Domain – der Erlös wird per Voting-Verfahren an Grassroot-Initiativen verteilt. Im undurchsichtigen Markt der Top-Level Domains hat sich das Team um Carolin Silbernagl und Philipp Kafkoulas durchgeschlagen und arbeitet nun von Berlin aus an der roten AIDS-Schleife der digitalen Welt.

dotHIV vertreibt die virtuelle AIDS-Schleife

Der Markt für Top-Level Domains klingt ein wenig nach El Dorado: Ein jeder vermutet Geschäftsmodelle aus Gold und Silber, aber nur wenige machen sich tatsächlich auf die Suche. dotHIV, ein Team um Carolin Silbernagl und Philipp Kafkoulas, versucht seit zwei Jahren Licht ins Dickicht der Website-Endungen zu bringen und damit den weltweiten Kampf gegen HIV und AIDS zu unterstützen. Mit ihrem Social Business wollen sie das weltweit zugängliche virtuelle „Produkt“ Internetdomain zu einem Symbol für Solidarität machen. „Wir möchten die Domain-Endung „.hiv“ ins Internet bringen“, erklärt Geschäftsführerin Silbernagl. „Die drei Buchstaben sollen zur digitalen roten AIDS-Schleife werden, Aufmerksamkeit schaffen und Gelder für Hilfsprojekte sammeln.“

Gestartet am Welt-AIDS-Tag, dem 1. Dezember 2010, ist das Social Business seit 2011 operativ tätig – erst von Hamburg aus und seit einem Jahr in Berlin. Das Sozialunternehmen ist als gemeinnütziger Verein organisiert und beschäftigt zur Zeit zwei Vollzeit-Mitarbeiter und einen großen Kreis an Freiwilligen Unterstützern. Das Startup arbeitet als virtuelles Team von mehreren Standorten und musste schon zu Beginn ordentlich investieren: Um die rund 400.000 Euro zum Antrag der „.hiv“-Toplevel-Domain bereitzustellen, haben bisher sieben Business Angel Unternehmensanteile im Wert von mindestens 25.000 Euro erworben, die Investitionsbank Berlin Brandenburg (IBB) einen Kredit von 135.000 Euro bereitgestellt und die Gründer eigene Finanzmittel in das junge Unternehmen eingebracht.

Der Domain-Markt ist der Wilde Westen

Weltweit sind etwa 235 Millionen Domains registriert, bei einem jährlichen Wachstum von mehr als zehn Prozent wird der Gestaltungsspielraum jedoch langsam knapp. Aus diesem Grund startete die „DNS-Verwaltungsbehörde“ (ICANN) im vergangenen Jahr einen Bewerbungsprozess, der es Organisationen ermöglicht, durch zusätzliche Domainendungen neue Namensräume im Netz zu schaffen. Insgesamt 1900 Anträge gingen der ICANN im Verlauf des Prozesses ein – dotHIV beantragte mit „.hiv“ als einzige Organisation eine Top-Level Domain für einen gemeinnützigen Zweck.

Die letzte Erweiterungsrunde der ICANN brachte 2003 Endungen wie .biz, .jobs oder auch das umstrittene .xxx hervor. Zu den neuen Domain-Endungen der 2012er Runde werden generische Varianten wie .shop oder .music aber auch Markennamen wie .canon oder .youtube zählen.

Dass Top-Level Domains knapp werden, zeigt sich besonders deutlich in der Startup-Namensfindung. Bestand in den guten alten Alando-Zeiten das Problem „nur“ darin einen möglichst leicht verständlichen Unternehmensnamen zu finden und anschließend zwischen .de und .com als Domain-Endung zu wählen, müssen Unternehmen heute deutlich kreativer werden: Startups wie der Siri-Verschnitt Capsule.fm oder die Flohmarkt-App Stuffle.it (www.stuffle.it) zeigen, wie sich die .de/.com-Knappheit geschickt und produktnah zum positiven Wenden lässt.

Mikrospenden für Grassroot-Projekte

TLD-Lizenz – und nun? Mit dem Zuschlag der ICANN wird dotHIV Mitte 2013 zum sogenannten „Registry“ der Domain, hält somit die alleinige Lizenz und betreibt die Domains. Vertrieben werden die Domains über „Registrare“, die dem Endkunden die Kommunikation mit den verschiedenen Registries abnehmen.

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dotHIV wird die „.hiv“-Domain-Endungen für einen jährlichen Betrag zwischen 100 und 150 Euro vertreiben, um von den Erlösen HIV-Projekte zu unterstützen. Als Social Business wird ein kleiner Teil der Erlöse einbehalten um laufende Kosten zu decken und nicht auf Spenden angewiesen zu sein, der Rest soll vornehmlich in Grassroot-Projekte fließen. „Unser Ziel ist es die vielen kleinen Projekte weltweit zu unterstützen, die schon mit kleinen Spenden eine große Wirkung erzielen können“ erklärt Silbernagl den Verwendungszweck der Erlöse.

Pro besuchter „.hiv“-Webseite wandert ein Kleinstbetrag (zwischen 0,1 und 0,01 Cent) der Erlöse in den Topf für aktive Spenden – registrierte Nutzer können per Voting entscheiden, in welches der zur Auswahl stehenden Projekte wieviel der Gelder fließen. Sozialunternehmer halten zusammen: Die Software der Projektwebseite wird dotHIV von der artverwandten Spendenplattform Betterplace.org (de.betterplace.org) kostenlos bereit gestellt.

Damit die Idee hinter dotHIV sich – dem Anlass entsprechend – viral verbreitet, nutzt das Social Business ein breites Netzwerk an Unterstützern: Die Hamburger Kreativagentur think (ehemals KemperTrautmann) unterstützt das Team mit umfassenden pro bono Leistungen, das Domainauktionshaus Sedo ermöglicht den Verkauf besonders wertvoller Namen, mehrere internationale Konzerne haben sich bereit erklärt als Pilotkunden die „.hiv“-Domain in ihre Markenkommunikation aufzunehmen und auch DailyDeal (www.dailydeal.de) hilft mit: Am 25. Oktober stand auf der Deal-Plattform „Pit Knit“, das dotHIV-Maskottchen, zum Verkauf, weitere Charity Aktionen sind in Planung. Im Winter 2013 wird zudem das Neuseeländische Bobteam unter der .hiv-Flagge Rennen fahren und so die Botschaft vom virtuellen Kampf gegen AIDS in die Welt tragen.

DotHIV-Domain: Die Registrierungsphase läuft

Als Kernzielgruppen richtet sich dotHIV vor allem an die Healthcare- und Pharmabranche, Unternehmen mit Interesse an CSR Maßnahmen und hofft zudem auf Registrierungen von Privatpersonen und dem öffentlichen Sektor. Als Social Business will dotHIV trotz sozialem Zweck im freien Markt bestehen ohne langfristig auf Spenden angewiesen zu sein und muss sich hierfür große Ziele stecken: Tragbar erscheint das Modell bei einer niedrigen fünfstelligen Summe an registrierten Domains.

Erst seit einigen Wochen läuft die Vorregistrierung der frischen Domains, doch schon über 4000 mal haben sich Privat- und Geschäftskunden für die rote AIDS-Schleife der digitalen Gesellschaft entschieden. Hat die Vision des jungen Startups das Potenzial zum weltweiten Symbol im Kampf gegen den Virus?