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Fred Destin gibt Startups Überlebenstipps

Dieser Mann hat in seinem Investorleben schon einige Startups scheitern sehen: Fred Destin, langjähriger Investor bei Atlas in Boston, seit diesem Sommer beschäftigt bei Accel Partners in London.

Wie Gründer die ersten 24 Monate ihres Startup-Lebens überstehen können, verriet Destin am Donnerstag beim Pioneers Festival in Wien. Ausgangspunkt des Talks war seine Beobachtung über das Unvermögen vieler Gründer, die Perspektive ihrer Investoren einnehmen zu können: „Entrepreneure verstehen nie die Regeln, wann sie die nächste Finanzierungsrunde machen können.“

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Er werde oft gefragt: Wie viele User braucht ein Startup? Wie viel Umsatz muss man machen? Seine Antwort: „So denken wir nicht. Diese Regeln sind fließend.“ Was vorhanden sein müsse: scalability und repeatability, also die Möglichkeit, schnell zu skalieren, und eine Verfasstheit des Unternehmen in der Art, dass Prozesse mitwachsen können und nach klaren Regeln wiederholt werden können. Allerdings dürften Gründer nicht vergessen: „Du bist in einem Rennen mit tausenden anderer Startups.“

In vier Bereichen lassen sich nach Destin entscheidende Fehler vermeiden:

  1. Talent: „Die Niederlage beginnt zuhause.“ Die meisten Startups scheiterten an internen Konflikten – weil sich Mitgründer nicht mehr verstehen, weil die Investoren nicht den Erwartungen entsprechen, weil die ersten Angestellten zu schnell und nicht sorgfältig genug ausgewählt wurden. Es sei besser, monatelang den potenziell richtigen Mitgründer zu casten anstatt sich mit einem Freund zusammen zu tun, der sich nicht notwendigerweise als ein guter Geschäftspartner erweisen würde.

    Damit zusammen hänge der Fehler, Equity zu früh festzuzerren. Destin zitiert das berühmte Beispiel des US-Startups Zipcar, wo sich Mitgründerin Antje Danielson, obwohl sie 50 Prozent der Anteile hielt, erst kaum am Aufbau des Startups beteiligte – und sich dann ganz zurückzog.

    Ähnlich wichtig sei aber die Auswahl der ersten Angestellten: „Wenn du zu Beginn mittelmäßige Leute einstellst, bist du verloren.“

  2. Zeit: Gründer unterschätzten regelmäßig, wie schnell sie aus ihrem Zeitplan geraten würden. Ein Plan, der vorsehe, im ersten Quartal Recruiting zu machen, im zweiten zu launchen, im dritten sich auf Metrics zu konzentrieren und dann die Serie A anzugehen, würde in der Realität wahrscheinlich eher so aussehen: Recruiting im ersten Quartal, im zweiten noch einmal Recruiting, im dritten Probleme im Backend beseitigen anstelle zu launchen, im vierten Quartal schließlich der Launch – und dann eiliges Fundraising, denn das Startup kämpfe schon ums Überleben. Viele Gründer seien „nicht realistisch, was den ganzen Scheiß angeht, der Startups passiert“.
  3. Entscheidungen: Gründer müssten bereit sein, Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Sie müssten in der Lage sein, die Mission zu definieren – und sich nur darauf zu fokussieren. Und dann: „Move the ball down the field every day!

    Destin verweist auf Alex Chesterman, Gründer des britischen Immobilienplatzes Zoopla, zu dessen Investoren auch Destin gehörte. Chestermann sei nie auf Konferenzen gegangen, habe Journalisten keine Interviews gegeben: alles Zeitverschwendung. Fokus sei schwierig – aber habe einen Riesenvorteil: „Wenn man einmal begonnen hat sich zu fokussieren, dann wird alles einfach.“

  4. Kapital: „Geld ist wichtiger als deine Mutter“, sagt Destin – und löst damit auf Twitter eine skurrile Diskussion aus:
Bild: Gründerszene