Das HelloFresh-Management mit CEO Dominik Richter, CMO Maximilian Backhaus und COO Thomas Griesel (von links)

Im November wollte Rocket Internet eigentlich sein Unternehmen HelloFresh an die Börse bringen – doch dann wurde der IPO verschoben. Der wohl wichtigste Grund dafür wurde nun bekannt: Oliver Samwer soll beim Börsengang einen Unternehmenswert von über 3,3 Milliarden Euro angestrebt haben. Das berichtete ein Insider, der Einsicht in den unveröffentlichten Börsenprospekt hatte, gegenüber der Wirtschaftswoche.

Bei der jüngsten Finanzierungsrunde des Kochboxen-Versands Ende September bewertete der schottische Investmentsfonds Baillie Gifford HelloFresh noch mit 2,6 Milliarden Euro. Schon diese Summe sorgte für Skepsis – im Februar dieses Jahres hatte die Unternehmensbewertung 624 Millionen Euro betragen. Diverse Analysten und Investoren sagten kürzlich gegenüber der Financial Times, dass das Startup für einen Börsengang zu dem von Rocket gewollten Preis gar nicht bereit sei. Viele äußerten sich skeptisch über die Milliarden-Bewertung.

Die Burn Rate ist ein großer Kritikpunkt: HelloFresh werde voraussichtlich 100 Millionen Euro in diesem Jahr durch Rabattaktionen verbrennen, um Kunden anzuziehen. „Ich würde erwarten, dass solche Verluste noch ansteigen, bevor sie sich in die andere Richtung entwickeln“, befürchtet ein Investor gegenüber der FT. Neil Campling, Technology-Analyst für Aviate Global, sagte der Zeitung: „Absolut niemand, mit dem ich gesprochen habe, hatte Appetit auf diesen Deal.“

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HelloFresh hatte im Vorfeld des angekündigten Börsengangs für Spott gesorgt, indem es explizit sein Ebitda vor Marketingkosten in den Unternehmenszahlen angab – eine Kennzahl, die es so eigentlich nicht gibt. 530.000 aktive Abonnenten hat HelloFresh nach eigenen Angaben. Als solche zählt das Unternehmen alle, die in den vergangenen 13 Wochen mindestens eine Kochbox erhalten haben. Also auch solche, „die eine kostenlose oder verbilligte Kochbox erhalten haben sowie Kunden, die während des entsprechenden Zeitraums eine Bestellung aufgegeben aber ihr Abonnement vor Ende des Zeitraums gekündigt haben“, definiert HelloFresh.

Das Rocket-Venture lässt offen, ob es im kommenden Jahr einen erneuten Börsengang versuchen wird. Gegenüber der FT heißt es, man behalte weiterhin die Marktgegebenheiten im Blick und habe keine Eile, einen IPO zu machen.

Derweil soll Oliver Samwer Schwierigkeiten haben, seine Führungskräfte bei Rocket zu halten. Laut Wirtschaftswoche wollte vor kurzem ein Mitglied der Geschäftsführung zu Delivery Hero wechseln. Samwer habe ihn nur mit „einem substanziellen Aktienpaket“ halten können. Mitte Oktober verließ bereits Andreas Winiarski, Kommunikations-Chef bei Rocket, das Unternehmen. Laut Wiwo habe es zwischen ihm und Samwer Streit über die Strategie der Kommunikationsagentur Rckt und Rockets Börsenkommunikation gegeben.

Bild: HelloFresh