dominik richter hellofresh ipo

Dominik Richter, CEO und Mitgründer von HelloFresh

Warum HelloFresh für Rocket so wichtig ist

Vor wenigen Wochen ließ die New York Times die Analyse-Spezialisten von CB Insights eine Liste erstellen. Welche Startups, so der Auftrag, seien derzeit die heißesten Unicorn-Anwärter – also die wahrscheinlichsten Kandidaten dafür, als nächstes eine Milliarden-Bewertung zu erreichen?

Unter den 50 Finalisten waren vor allem gehypte US-Firmen wie Postmates, Harry’s oder DoorDash – und nur ein Unternehmen aus Deutschland: HelloFresh. Zur Erinnerung: Das ist der Kochboxen-Versand der Firmenfabrik von Rocket Internet - nicht unbedingt das Unternehmen aus dem Samwer-Portfolio, das sonst die größten Wellen schlägt. Mal abgesehen von den Spekulationen um einen Börsengang, die in regelmäßigen Abständen aufkommen.

Abseits des Rampenlichts hat das 2011 gegründete Unternehmen aber inzwischen eine für Rocket zentrale Rolle eingenommen. Für die Firmenschmiede ist HelloFresh derzeit das Venture, in das die größten Hoffnungen gesetzt werden können – und auf dem die größten Erwartungen lasten. Nicht ohne Grund: Selbst bei 400 Mitarbeitern und sieben Ländern ist der HelloFresh-Umsatz 2014 um 380 Prozent gewachsen. Die Bewertung – bei der letzten Finanzierungsrunde im Januar knapp 624 Millionen Euro hoch – gilt im Vergleich zum wichtigsten US-Konkurrenten dabei sogar noch als als eher niedrig: Blue Apron wurde erst vor wenigen Wochen mit zwei Milliarden Dollar bewertet.

Damit ist es also gut vorstellbar, dass Rocket den Kochboxen-Versender als nächstes an die Börse bringen wird. Immerhin ist der Inkubator seit der Januar-Runde mit knapp 52 Prozent Mehrheitseigner. Doch CEO und Mitgründer Dominik Richter beteuert: Nein, nein, Druck von Rocket gebe es nicht. Ende August erläuterte Richter erstmals ausführlich vor Journalisten sein Konzept, sprach über die Unternehmensgeschichte und anstehende Herausforderungen.

„Wir sind bei Entscheidungen total im Lead“, sagt Richter über mögliche Einflussnahme seitens des Hauptgesellschafters. Auf Nicht-Startup-Deutsch heißt das: Das Management darf weitgehend selbstbestimmt handeln. Und wenn man Dominik Richter Glauben schenken will, dann gibt es dort andere Prioritäten als einen möglichen IPO: eine bessere Durchdringung bestehender Märkte, ein deutlich verfeinertes Produkt, der Aufbau der Marke HelloFresh. „Wir haben erst 40 bis 50 Prozent des Weges zur Vision zurückgelegt“, sagt der CEO.

Anzeige
Als Richter im Sommer 2011 gemeinsam mit seinem WHU-Studienkollegen Thomas Griesel nach Berlin kommt, da gibt es noch keinen Plan für HelloFresh, für die beiden steht nur fest: Sie wollen gründen. „Wir haben uns viele verschiedene Ideen zugespielt“, erzählt Richter. Ein Kritierium: „Wir wollten etwas machen, wo wir dahinter stehen.“ Ein zweites: „Welche Geschäftsmodelle funktionieren, welche sind technologiegetrieben?“

Sie landen beim Markt für Lebensmittel und Essen. Der nimmt da gerade Fahrt auf in der Startupwelt. Doch Boxen mit Koch-Zutaten zu versenden, das gilt als wenig aussichtsreich. Sie gucken sich um: Da gibt es ein Modell in Japan, schon seit 20 Jahren. Da ist ein Anbieter in Schweden. Doch das Geschäft funktioniert vor allem offline. Ihnen schlägt eine Menge Skepsis entgegen, aber es gibt auch viel Resonanz. Es reicht für eine erste Finanzierungsrunde im Dezember 2011. Ende Januar werden die ersten Zutaten ausgeliefert – in Tüten, die Waren kaufen die Gründer noch selbst im Supermarkt ein.

Das ist so etwas wie der Gründungsmythos von HelloFresh, und damit ähnelt die Geschichte von Dominik Richter und Thomas Griesel auf bemerkenswerte Art und Weise der Founding Story der Zalando-Gründer Robert Gentz und David Schneider, die immer wieder gern berichten, wie sie ihre ersten Pakete mit Flipflops noch selbst im Büro zusammenpackten. Der Fortgang der Geschichte ist bekannt: Zalando wagte vor einem Jahr den IPO.

Noch 2012 nimmt HelloFresh die ersten Auslandsmärkte in Angriff: Österreich, die Niederlande, Großbritannien – und Australien. Das Land am anderen Ende der Welt ist bewusst gewählt und soll ein Testmarkt sein für ein Land, das Rocket-Gründer sonst meiden: die USA.

Seite 1 von 2