Timm Schipporeit

Europas Vorzeige-VC Index Ventures kündigt einen neuen Fonds an: 550 Millionen US-Dollar hat der in London und seit mehreren Jahren auch in San Francisco ansässige Startup-Geldgeber eingesammelt. Zusammen mit dem hauseigenen Wachstumsfonds, der im vergangenen Jahr gestartet wurde und 700 Millionen Dollar schwer ist, stehen dem VC damit 1,25 Milliarden Dollar zur Verfügung. Mit Dick Costolo hat Index gerade erst den früheren Twitter-CEO als neuen Partner in den USA verpflichtet.

Die bisherige Bilanz von Index Ventures ist beachtlich. Allein in den letzten beiden Jahren gingen acht Portfoliounternehmen an die Börse, darunter der Spielehersteller King und der Lieferdienst JustEat. Mit dem Fintech-Unternehmen Adyen, der Mitfahr-Plattform BlaBlaCar, dem Botendienst Deliveroo oder dem erfolgreichen Business-Messenger Slack ist der VC in vielen europäischen und US-amerikanischen Wachstumsgeschichten investiert. In Deutschland gab es gerade erst ein frühes Investment in den Bonitätsprüfer Bonify, zuvor stieg der VC bei der Videoschnipsel-Plattform Dubsmash ein.

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Aus den beiden neuen Fonds sollen sowohl Folge-Investments in die Portfoliogesellschaften als auch neue Engagements getätigt werden. „Etwa die Hälfte wird jeweils nach Europa und in die USA fließen“, erklärt Index-Investor Timm Schipporeit gegenüber Gründerszene. Auch die Geldgeber des neuen Index-Fonds sind ungefähr gleich auf Europa und die USA verteilt.

Woher genau das Geld kommt, will Schipporeit nicht verraten. Nur so viel: Pensionsfonds und Versicherungen haben die halbe Milliarde beigesteuert. Family Offices, die häufig vor allem in kleinere Fonds investieren, seien nicht mit dabei, betont Schipporeit. Für den Index-Mann ist „langfristiges Geld“ wichtig, damit es „in schlechten wie in guten Zeiten verfügbar ist“. Kleinere Anleger würden nervös und zögen ihr Geld zu schnell ab, wenn es einmal nicht so gut laufe.

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Das kann in der Tech-Welt bekanntlich schnell passieren. Zuletzt hatten einige amerikanische Vorzeige-Startups ihre Bewertungen mitunter deutlich nach unten korrigieren müssen. „Der Markt ist tatsächlich etwas überhitzt“, sagt Schipporeit. Für Europa gibt er zwar im Wesentlichen Entwarnung. Nichtsdestotrotz werde es in den kommenden zwölf bis 18 Monaten zu einer Bereinigung kommen. Zumindest würden Investoren bei möglichen Engagements sehr genau auf die Preisschilder schauen und eventuell könnten die Finanzierungsrunden wieder etwas kleiner ausfallen.

Einen Abschwung sieht Schipporeit deswegen aber weder für die europäische noch die deutsche Tech-Szene voraus. Ganz im Gegenteil. Vor allem in Berlin sorge eine neue Generation von VCs für viel frischen Wind: frühere Gründer, die nach dem Exit nun selbst zu Startup-Investoren werden, wie etwa die Zalando-Gründer über den VC Cherry Ventures und eine ganze Reihe an Business Angels. „So etwas definiert ein Ökosystem“, sagt Schipporeit.

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Im europäischen Wettbewerb der Startup-Hubs sieht der Index-Investor Berlin übrigens auf Platz zwei nach London. Die britische Hauptstadt sei vor allem deshalb „knapp voran“, weil sie ein gutes Sprungbrett für Startups in die USA sei – der Sprache wegen und weil enge Beziehungen in die USA bestünden. Und auch, weil London für viele US-Unternehmen die erste Anlaufstelle auf dem Weg nach Europa sei. „Das schafft Aufmerksamkeit und zieht auch große US-Investoren an.“ Nicht zuletzt hebe die höhere IPO-Tätigkeit und der Fintech-Fokus die Stadt an der Themse auf ein anderes Level.

Insgesamt spricht er dem EU-Markt besondere Stärken gegenüber den USA zu. Etwa hinsichtlich der Förderalität: „Zum einen besteht bei hiesigen Gründern von Beginn an das Bewusstsein, dass unterschiedliche Länder auch andere Bedingungen für Unternehmen darstellen. Zum anderen gibt es bereits in frühen Unternehmensphasen einen Willen zur Internationalisierung – und entsprechende Pläne.“ Beides komme Unternehmen in späteren Phasen zugute.

Gleichzeitig weist Schipporeit aber auch auf eine nicht ganz unwichtige Schwäche hin, unter der Europa und besonders Deutschland leide: Der B2B-Markt, also an Unternehmen gerichtete Dienstleitungen und Produkte, käme in Europa noch deutlich zu kurz. Unternehmen wie Zendesk wanderten deswegen schnell in die USA ab. „Für gutes B2B-Geschäft braucht es ein ausgewachsenes Ökosystem“, sagt er. Und das sei in Europa dann eben doch noch nicht so ausgeprägt wie das Pendant in den USA.

Bild: Index Ventures