Lencke Steiner zählt zu den Powerfrauen dieses Landes. So nennt man ja gerne Frauen, die viele Sachen gleichzeitig erledigen – und im Optimalfall auch noch erfolgreich dabei sind. Man bedenke: Die gebürtige Bremerin ist erst 30 Jahre alt.

Zusammen mit ihrem Vater leitet sie die Unternehmensgruppe W-Pack mit 50 Mitarbeitern und rund 15 Millionen Euro Umsatz. Seit diesem Juni ist Steiner, die vor ihrer Hochzeit im vergangenen Jahr Lencke Wischhusen hieß, auch Vorsitzende der Bremer FDP-Fraktion. Und nebenbei tritt sie noch bei der Vox-TV-Show „Die Höhle der Löwen“ als Investorin auf.

Seit einigen Wochen sitzt Steiner für die zweite Staffel auf dem roten Vox-Sessel und bewertet Startups. Viel Geld hat sie bisher nicht investiert, häufig kommt von ihr nur: „Ich bin raus“. Wir haben mit Lencke über ihren Lieblingssatz, ihre Investmentfirma Puschy Investment und Mitleid mit aufgeregten Gründern gesprochen.

Lencke, du machst zum zweiten Mal bei der Höhle der Löwen mit. Wieso?

Weil ich es unglaublich wichtig finde, dass wir die Gründerszene in Deutschland weiter ankurbeln. Ich möchte, dass sich mehr Menschen trauen, ihre eigene Idee umzusetzen. Außerdem zeigen die Fragen von uns Investoren, dass die Idee alleine nicht ausreicht. Insofern hilft es dabei, ein Gespür für die wirklich sinnvollen Geschäftsmodelle zu entwickeln und die Kosten richtig zu kalkulieren.

Du leitest mit deinem Vater das Familienunternehmen W-Pack und bist Vorsitzende der FDP-Fraktion in Bremen. Bleibt da überhaupt Zeit für die Teilnahme an so einer Show?

Wir haben Ende Januar mit den Dreharbeiten begonnen und bis April gedreht, insgesamt ungefähr 14 Tage. Das geht schon – auch weil ich ein tolles Team habe, das mich sehr unterstützt. Die richtige Arbeit fängt allerdings erst nach der Show an, wenn man die Due Dilligence mit den Startups macht.

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Bisher hast du in vier Unternehmen investiert – in der ersten Staffel in CrispyWallet und in dieser Staffel in Babo Blue, Scoo.me und Dinnery. Wieso hört man von dir so häufig den Satz: „Ich bin raus“?

Zum einen habe ich durch meine vielen Tätigkeiten tatsächlich nicht sehr viel Zeit, um mich um viele Startups zu kümmern. Es wäre deshalb unrealistisch für mich, viele Investments zu tätigen. Außerdem tue ich mich mit den Bewertungen der Unternehmen in der Sendung häufig schwer. Ich kenne die Bewertung unserer eigenen Firma, die sich in vielen Jahren harter Arbeit entwickelt hat. Und dann kommen Kandidaten in die Show, die noch nichts geleistet haben, aber eine unglaublich hohe Bewertung abrufen! Das stört mich schon.

Wie genau hast du Crispy Wallet im vergangenen Jahr unterstützt?

Zu Beginn ging es vor allem darum, ein Produkt zu präsentieren, das für den Kunden von Interesse ist und einen großen Mehrwert bietet. Da mussten wir noch an Gestaltung und Qualität arbeiten. Außerdem war es wichtig, einen Vertrieb in verschiedenen Schienen zu erschließen.

Bist du mit der Entwicklung von Crispy Wallet zufrieden?

Mich macht stolz, dass es Marvin Metzke und David Hagenkötter geschafft haben, das Produktportfolio mit der neuen Silikonhülle zu erweitern und sie ihrer Linie „Made in Germany“ treu geblieben sind.

Du hast für die Höhle der Löwen extra die Beteiligungsgesellschaft Puschy Investment gegründet. Hast du neben der Show in andere Startups investiert?

Nein, bisher nicht.

Wie viel Geld hast du eigentlich für Investments zur Verfügung?

Ich habe mir keine Zielzahl gesetzt. Das Produkt, die Idee und das Team müssen mich begeistern. Wenn das der Fall ist, investiere ich.

Sind die Unternehmen in der zweiten Staffel besser als in der ersten?

Die Gründer sind tatsächlich besser vorbereitet, sie verhandeln offener und haben realistische Vorstellungen. Bei einigen bekommt man den Größenwahn aber einfach nicht raus.

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Einige Gründer werden in der Show von euch Juroren ganz schön zerrissen. Hat man da als Jury-Mitglied auch mal Mitleid?

Die Auftritte der Kandidaten werden natürlich bewusst sehr unterhaltsam geschnitten. Es ist eben eine Show mit Spannungsbogen. Natürlich ist es hart, aber man sollte den Gründern auch nichts vormachen. Wir müssen ihr Unternehmenskonzept kritisch hinterfragen. Im echten Leben sind VCs sicher noch viel härter.

Du sagst „im echten Leben“. Wie realistisch ist die Show?

Wir als Investoren sitzen dort völlig ahnungslos, haben keinen Businessplan und wissen wirklich gar nichts. Wir sehen nur die Kulisse. Dann kommen die Kandidaten rein und stellen ihr Konzept vor. Auf Basis der Präsentation müssen wir dann entscheiden, ob wir investieren wollen oder nicht.

Wie lange sprecht ihr mit den Kandidaten?

Wenn es schnell geht, dauert das Gespräch 45 Minuten. Bei einigen hat es aber auch zwei Stunden oder länger gedauert.

Vielen Dank für das Gespräch, Lencke.

Bild: Vox