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Jochen Schweizer

Die „Höhle der Löwen“, viel Tohuwabohu um nichts? Die TV-Sendung, bei der sich alles um Startups und Investorengelder dreht, kommt bei vielen in der Branche nicht gut weg. Oberflächlich, realitätsfern, zu unterhaltungsorientiert und wenig innovativ lautet die Kritik. Nun sagt auch noch einer der Investoren, Frank Thelen: „Wir haben Deals für die Kamera gemacht.“

Mit-Investor und Unternehmer Jochen Schweizer möchte dem offenbar nicht zustimmen: „Jeder Löwe hat seine eigene Investmentstrategie. Ich kann lediglich über meine und nicht über die meiner Mit-Löwen sprechen. Dazu bin ich auch nicht bevollmächtigt. Ich habe einen sehr klaren Fokus.“ Heißt: Schweizer möchte mit seinen Investments auch dazu verdienen. „Ich habe mein Geld hart verdient, das schmeiße ich nicht zum Fenster hinaus – auch nicht bei ,Die Höhle der Löwen’“, erzählt er bei einem Besuch im Münchner Sitz der Jochen Schweizer Gruppe.

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In der Show habe er deswegen nur Investments getätigt, die er auch im realen Leben unternommen hätte, betont der Unternehmer, der seine Karriere als Stuntman begann und nun Erlebnisgutscheine für Fallschirmspringen, Bungeejumping und Co vermarktet. Besonders mit einer Investition aus der gerade abgedrehten zweiten Staffel sei er bereits sehr zufrieden. Er gibt sich geheimnisvoll, möchte es spannend machen. Schweizer ist seine Begeisterung für die TV-Sendung anzumerken. Besonders das Wort „Löwen“ gefällt ihm, er sagt es oft. An seinem schwarzen Konferenztisch in Reptiloptik ersetzen Flugzeugsessel normale Stühle. Schweizer wippt in seinem auf und ab. Er trägt Multifunktionskleidung. Beim Gespräch isst er Obst. Als seine Frau anruft, begrüßt er sie mit „Hallo, Engel!“ Alle anderen Anrufe drückt er während des Interviews weg.

Die zweite DHDL-Staffel, die vor drei Wochen abgedreht wurde, findet Schweizer noch „cooler“ als die erste. „Und die erste Staffel war schon gut“, findet er. In der zweiten Staffel seien die Gründer und die Ideen noch besser gewesen. Zuviel darf er nicht verraten, die Sendung wird erst im Sommer ausgestrahlt. Es fällt ihm merklich schwer.

Die eine oder andere Info plaudert er dann doch aus. So verrät er, dass er in der jüngsten Staffel eine siebenstellige Summe investiert habe. Und: „Ich bin der Löwe, der am meisten Geld vergeben hat.“ Natürlich stehe aber noch die Due Diligence aus, die Prüfung, ob alle präsentierten Fakten beim Pitch auch der Wahrheit entsprechen.

Nach der ersten Staffel war das bei vier von sieben Startups, in die Schweizer investieren wollte, der Fall. Er findet die Quote gut. An alle vier Startups, denen er Geld gab, können er und sein Pressesprecher sich aber auf die Schnelle nicht erinnern. Nur Hiptrips hat Schweizer auf dem Schirm, die Gründer findet er toll, sie sitzen bei ihm im Haus und gehören mittlerweile zur Gruppe. Denn: Ihr Geschäftsmodell war zu teuer, um sich auf dem Markt zu halten. Nun wurde bei Hiptrips umstrukturiert. Schweizer sagt: „Das ist ganz normal. Wenn ich investiere, dann zuallererst in die Gründer und erst danach in den Markt, das Geschäftsmodell und den Businessplan. Und meine Investments sind immer mit der Fragestellung verbunden: Kann ich diese Idee aus meiner Organisation heraus unterstützen?“

Das heißt allerdings nicht, dass die Konzepte immer etwas mit seinem eigenen Geschäft zu tun haben müssen. In der neuen Staffel DHDL hat der Ex-Stuntman beispielsweise in ein FinTech-Unternehmen investiert.

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Zur Jochen Schweizer Gruppe gehören bislang 21 Tochterunternehmen, der Investment-Arm Jochen Schweizer Ventures ist an zahlreichen Firmen beteiligt. Die Gruppe machte 2014 einen Umsatz in Höhe von 70 Millionen Euro, nach eigenen Angaben sei das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr deutlich zweistellig gewesen. Für 2015 erwartet Schweizer weiteres Wachstum, 25 Prozent hält er für möglich.

Schweizers Lieblingsinvestment hat übrigens gar nichts mit DHDL zu tun. Es ist die App Spontacts, die ihm zu 76 Prozent gehört. Über die App können sich Nutzer zu Freizeitaktivitäten verabreden. Mitte nächsten Jahres soll das Geschäft von Spontacts profitabel sein – die Monetarisierung der Nutzer liefe gut, sagt er. Noch diesen Mai soll außerdem seine eigene App auf dem Markt kommen. Die soll anzeigen, welche Events in der Nähe noch verfügbar und buchbar sind.

„Wollen Sie eine Erdbeere? Ich nehme auch eine“, fragt Schweizer. Themawechsel. Nach welcher Investmentgelegenheit er eigentlich sucht, die er noch nicht gefunden hat? „Geile Frage“, findet Schweizer. Und denkt nach. Er wünscht sich eine Möglichkeit, Feedback von all seinen Kunden in Echtzeit zu bekommen. Zwar sendet er die typischen „Wie war ihr Erlebnis?“-Mails an seine Kunden, doch darauf antworteten nicht alle. Vielleicht findet er ja ein solches Startup in einer nächsten Staffel DHDL? „Spekulation“, sagt er dazu nur.

Bild: Jochen Schweizer