IFC-Zentrale in Washington: Die Weltbank-Tochter investiert in Kreditech

Ursprünglich wollte Kreditech mit seiner Serie C einmal 150 Millionen Euro einsammeln. Mit 82,5 Millionen, die das Hamburger Scoring-Startup im Herbst von Peter Thiel und J.C. Flowers bekam, blieb man jedoch deutlich unter der Zielmarke. Jetzt geht es immerhin ein Stück weiter in die richtige Richtung: Weitere zehn Millionen Euro für die Serie C bekommt Kreditech von der Internationalen Finanz-Corporation (IFC), die zur Weltbank gehört.

Die IFC, die auch schon in die Rocket-Unternehmen Lamoda und Dafiti investiert hat, fördert als Entwicklungsbank den privaten Sektor in Entwicklungs- und Schwellenländern. Das passt: Schließlich ist es die Vision von Kreditech, den „underbanked“ Kunden abseits westlicher Industrieländer Zugang zu Krediten und anderen Bankprodukten zu verschaffen. „Mit dem neuen Investment werden wir unsere Scoring-Technologie weiter vorantreiben, um unser Produktangebot weiter zu verbessern und auszuweiten“, lässt sich Alexander Graubner-Müller zitieren, der im November Mitgründer Sebastian Diemer als CEO abgelöst hatte.

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Nach Aussage des Unternehmens soll das Geld insbesondere in eine neue Plattform namens Monedo fließen. Das Produkt errechne wie andere Kreditech-Produkte auch die Kreditwürdigkeit von Nutzern mithilfe von deren Daten aus sozialen Netzwerken, biete aber nicht nur Kredite, sondern auch eine elektronische Geldbörse und Lösungen zum Finanzmanagement. Bislang gibt es das Produkt in den beiden wichtigsten Kreditech-Märkten, Spanien und Polen. Russland, Tschechien und Mexiko sollen bald folgen.

Aus einer ganzen Reihe weiterer Länder – Australien, Peru, Kasachstan und der Dominikanischen Republik – hat sich Kreditech im vergangenen Jahr zurückgezogen. Dort rechneten sich die Produkte des Startups trotz aggressiver Wachstumsbemühungen offenbar einfach nicht. Gegenüber dem Handelsblatt erklärt CFO René Griemens den Rückzug so: „Wir setzen jetzt erst einmal auf ein etwas langsameres Wachstumstempo und mehr Nachhaltigkeit.“ Von einem Scheitern in diesen Märkten wolle er nicht sprechen, eher von einer „veränderten Strategie“.

Aber auch die scheint weiter viel Geld zu kosten. Nach Informationen von TechCrunch arbeiten die Hamburger gerade an einer weiteren, üppigen Kreditfinanzierung, die bis zum dritten Quartal 2016 stehen soll. Im Januar 2015 hatte Kreditech schon einmal 200 Millionen US-Dollar Fremdkapital von Victory Park Capital bekommen. Das Geld braucht Kreditech, um sein Kreditgeschäft am Laufen zu halten.

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Die zehn Millionen Euro von der IFC kommen hingegen überwiegend in der Form von Eigenkapital. Die Weltbank-Tochter sei „ein besonders kritischer Investor und hat uns einer ausführlichen Risikoprüfung unterzogen“, betont Griemens. Gemeinsam mit dem Investor habe man sich auch auf eine „Responsible Lending Policy“ geeinigt. In der Vergangenheit wurden die exorbitant hohen Zinssätze der Kreditech-Mikrokredite immer wieder kritisiert.

Erstmals legt Kreditech auch Zahlen für das vergangene Jahr offen. Der Umsatz lag demnach 2015 bei 41,3 Millionen Euro, was ein 96-prozentiges Wachstum gegenüber dem Vorjahr bedeute. Noch vor zehn Monaten hatte das Startup allerdings – wie bei der Serie C – ganz andere Ziele ausgegeben: Damals hieß es, für 2015 erwarte man einen Umsatz von 50 bis 60 Millionen Euro.

Bild: AgnosticPreachersKid  - CC BY-SA 3.0; MItarbeit: Georg Räth