Maximilian Solter

Maximilian Soltner

Köln, Anfang Juni: In einer vollbesetzten Kirche berichten Geschäftsleute und Gründer ganz unverblümt von gescheiterten Karrieren und schief gelaufenen Projekten. Es ist FuckUp Night in der Rheinmetropole. Wer hier einen Vortrag hält, hat etwas gehörig in den Sand gesetzt.

Einer der Redner ist Maximilian Soltner. Der 26-jährige Pforzheimer wirkt souverän, trägt einen grauen Pullover, darunter ein hellblaues Hemd. Er sagt, das Scheitern sei für ihn wichtig gewesen. Fehler seien eben unvermeidbar. Und aus ihnen sollen nun auch die Zuhörer lernen.

2011 übernimmt er gemeinsam mit drei Partnern eine GmbH in München, die sie mit neuem Team und neuem Konzept neu aufstellen. Sie wollen als eine der ersten eine SaaS-Lösung für Unternehmen bauen, die das Customer-Relationship-Management mit sozialen Daten anreichert. Damit sollen digitale Anzeigen personalisiert ausgespielt werden, etwa auf Facebook. Soltner ist damals gerade 22: „Es war super, in dem Alter Erfahrungen in Mitarbeiterauswahl und -führung zu machen“, sagt er.

Das erste Geld kommt aus eigener Tasche, doch das Geschäftsmodell zahlt sich schnell aus: Ein großes Luftfahrtunternehmen nutzt den Dienst, auch ein bekannter Automobilhersteller ist Kunde. Die Gründer kommen auf einen Jahresumsatz von rund 700.000 Euro. „Weil wir einer der ersten Anbieter auf dem Gebiet waren, konnten wir schnell skalieren“, sagt Soltner. Aber: „Da ging der Fuckup los.“

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Mit den ersten großen Kunden kommt der Stress, das inzwischen über 20-köpfige Team arbeitet 80 bis 100 Stunden in der Woche. Zu viel. Es kriselt schwer. „Da fällt man in ein Loch. Andere hätten in der Situation vielleicht gesagt: ‚Kein Problem, mit der richtigen Mitarbeitermotivation kriege ich das wieder hin‘. Aber mir hat es an Erfahrung gefehlt.“ Das Gründerteam gerät aneinander, ihre Vorstellungen gehen auseinander. Also fassen sie den Entschluss, die Firma zu verkaufen. Mitte 2013 kommt das Aus für Soltner und zwei seiner drei Mitgründer: Eine Agentur übernimmt das Startup, an dessen Spitze mittlerweile eine Geschäftsführerin steht.

Auszeit nach dem großen Knall

„Das war eine krasse Zeit. Nach dem Ausstieg habe ich erst einmal versucht, wieder klar zu kommen“, so Soltner. Anfangs fällt es ihm schwer, sich zu motivieren. Er arbeitet als Freelancer und versucht den Einstieg bei einer anderen Firma. Es folgt eine Zeit zum Durchatmen, Herunterfahren. Wohltuend sei sie gewesen, erinnert er sich.

Großen Wert auf Sicherheit im Job legt er jedoch nicht. „Ich habe keine Angst vor dem Risiko“, erklärt er. Von seinen Eltern, beide selbstständig, kennt er es nicht anders. Zwar hat er vor der Gründung in München bei der mittlerweile eingestellten Video-Plattform Sevenload gearbeitet. Aber: „Wenn man dann einmal gegründet hat, ist eine Festanstellung ein zu großer Unterschied. Mir hat das danach keinen Spaß mehr gemacht. Und darum geht es doch im Endeffekt. Ich will meine Zeit so verbringen, dass ich Spaß dabei habe. Auch bei der Arbeit.“

Das ist nur eine der Lehren, die Soltner aus dieser Gründung gezogen hat. Eine weitere: In Startups sind schnelle Entscheidungen überlebenswichtig. Und: „Wenn man sein ganzes Herzblut in ein Startup steckt, dann muss das in einem geilen Team passieren. Man muss vorher eruieren, ob Gründer und Mitarbeiter zueinanderpassen“, sagt Soltner. „Das wäre bei uns sicher auch nicht schlecht gewesen.“

80-Stunden-Woche? Halb so wild!

Der Gründergeist in Soltner schlummert nicht lange, irgendwann kommen wieder die ersten Ideen. Sein zweites Projekt startet Soltner Mitte 2014, gemeinsam mit Alex Holzhammer, einem ehemaligen Arbeitskollegen. Noch steckt Tripsuit nicht einmal in der Beta-Phase. Doch wenn es soweit ist, soll der Dienst bei der Reise-Planung helfen und individualisierte Urlaubsvorschläge ausspucken. Ein Nebenprojekt haben die beiden Gründer schon auf den Markt gebracht: den personalisierten, manuell betreuten WhatsApp-Reiseberater Travel Homie.

Anders als bei Startup Nummer eins seien diesmal im Voraus klare Absprachen getroffen worden, etwa wer bei schwierigen Entscheidungen das letzte Wort hat oder welche Ziele erreicht werden sollen. „Da Alex und ich uns schon länger kennen, wissen wir, wie der andere tickt“.

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Heute arbeitet Soltner wieder 80 Stunden die Woche. Doch die, sagt er, seien weniger anstrengend. Inzwischen entscheide er selbst, wann er über neuen Ideen brüte. Trotzdem ist Job immer präsent. Zusammen mit seinem aktuellen Geschäftspartner teilt er sich nämlich nicht nur das Startup, sondern auch eine Wohnung, die gleichzeitig das Büro darstellt. Bislang offenbar ohne Probleme.

Gerade haben die Gründer den vierten Tripsuit-Mitarbeiter eingestellt. Im nächsten Schritt soll das Produkt A/B-Tests durchlaufen, Markt-fit gemacht werden. Für Ende des Jahres ist eine Finanzierungsrunde angesetzt.

Dass es Tripsuit wie seiner ersten Gründung ergehen wird, schließt Soltner aus: „Wenn ich daran zweifeln würde, würde ich es nicht machen.“ Er habe eben aus seinen Fehlern gelernt. Und wenn es doch soweit kommt? Dann wäre die nächste Gründung wahrscheinlich nicht weit. Sicherheit ist einfach nicht sein Ding.

Bild: Maximilian Soltner

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