Das Gründerteam von Medlanes: Erik Stoffregen (links) und Emil Kendziorra

Als Medlanes vor zwei Jahren startete, war das Konzept noch gänzlich digital. Damals hieß es, man wolle Patienten online ärztliche Beratungen ermöglichen, also per Smartphone oder PC. Der Nutzer sollte Krankheitsbilder oder Beschwerden über das Portal an Ärzte weiterleiten und medizinischen Rat einholen können. Damals brachte diese Idee den beiden Gründern Emil Kendziorra und Erik Stoffregen die Unterstützung vom Company Builder Rheingau Founders ein.

Nun hat das Berliner Startup eine weitere Finanzierung eingefahren. Der französische Investor Axa Strategic Ventures führt die Runde an, auch Rheingau und einige Business Angels sind beteiligt. Allerdings gibt es das Geld für eine veränderte Idee.

Die beiden Gründer erweitern ihr Konzept nun um ein Offline-Produkt: Hausbesuche. Der Patient füllt vorab einen Fragebogen aus, der das Problem beschreibt. Medlanes sucht den passenden Arzt aus dem eigenen Netzwerk aus und vereinbart einen Termin. Damit soll dem Patienten die Wartezeit in der Arztpraxis erspart bleiben. In den kommenden zwei Wochen soll der neue Service online gehen.

Nur digital ist keine Option

Der Grund für die Anpassung: reine digitale Behandlungen würden hierzulande nicht als medizinische Leistung angesehen, erzählt Mitgründer Kendziorra. Die Kosten müssten daher vom Patienten selber getragen werden – was für potenzielle Nutzer sehr unattraktiv gewesen sei.

Davon abgesehen war die Idee der beiden Schulfreunde aber offenbar auch nicht vollständig durchdacht. Denn in der Ärzteberufsordnung aus dem Jahr 2011 heißt es beispielsweise, dass Mediziner eine Behandlung nicht ausschließlich digital durchführen dürfen. Und: oftmals ist eine reine Online-Behandlung gar nicht umsetzbar, da eine physische Untersuchung nötig ist.

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Doch nicht alles hat sich geändert: Die Nachbehandlung soll weiterhin online erfolgen. Wie bei dem ursprünglichen Konzept auch, sei es dann möglich, über die Plattform von Medlanes einen ärztlichen Rat einzuholen. Die Informationen, Fragen von Patienten oder auch Bilder werden dafür über Medlanes an den Arzt weitergeleitet.

Mit seinem Produkt spricht Medlanes vor allem digitalaffine Patienten an. Zudem dürfte der Service von Medlanes gerade für Personen eine Alternative sein, für die der Gang zur Arztpraxis ein Problem darstellt.

Auch für Ärzte habe das Konzept Vorteile, findet Kendziorra. „Bisher waren Hausbesuche für Ärzte schwierig umsetzbar, vor allem wegen des Zeitaufwands“, so Kendziorra. „Jetzt können wir zu einem Kreuzberger Arzt sagen: Pass auf, da liegt ein Hausbesuch an, der Patient wohnt zwei Straßen weiter.“ Das sei viel effizienter.

Private werden bevorzugt

Zurzeit sei Medlanes für Privatversicherte von Vorteil, denn für die übernehme die Versicherung die Kosten, so Kendziorra. Gesetzlich versicherte Patienten müssen noch selber zahlen. Einen genauen Preis für einen Hausbesuch will Kendziorra nicht nennen, mindestens 50 Euro werde es jedoch kosten.

„Bei Privatversicherung ist so ein Konzept grundsätzlich möglich, Extraleistungen wie Hausbesuche sind aber vom Tarif der jeweiligen Versicherung abhängig“, kommentiert ein Sprecher der Techniker Krankenkasse die Idee von Medlanes. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung sei eine Umsetzung jedoch schwierig. „Sie hängt von der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung ab, die hier für die Vergütung ärztlicher Leistungen zuständig ist, und ihrer Bereitschaft mit dem Portal zu kooperieren.“

Derzeit nur in Berlin

Erst einmal sei das Angebot von Medlanes nur in Berlin erhältlich, hier würden den Patienten nach Angaben von Kendziorra rund 20 Ärzte zur Verfügung stehen. Innerhalb von ein paar Stunden soll ein Termin für einen solchen Besuch stehen, so Kendziorra. Für denselben Tag. Denn sonst könne der Patient auch einfach in die Praxis gehen und Medlanes böte keinen Mehrwert.

Will das Startup seinen ambitionierten Plan wirklich umsetzen, scheint die Anzahl der Ärzte – die übrigens überwiegend Allgemeinmediziner sind – jedoch gering.

Bild: Medlanes