MyParfum

Der Rückkauf-Trend

Es scheint im Trend zu liegen: Schnell wachsende Startups ziehen renditehungrige Investoren an, die mit frischen Millionen das Wachstum zusätzlich forcieren – doch den Unternehmen ist damit oftmals kein Gefallen getan. Denn je höher man kommt, desto tiefer kann man fallen. Und befindet man sich erst einmal im freien Fall, kann sich der Investor schnell zur Heuschrecke entwickeln.  Dann wird noch schnell probiert, das vermeintlich verlorene Investment zu retten, nur um sich danach auf und davon zu machen – ein Prozedere, das unter VCs leider mehr Regel als Ausnahme ist.

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Doch seit dem  DailyDeal-Rückkauf durch die Heilemann-Brüder, die die Couponing-Plattform gegründet und später an Google verkauft haben, ist der Unternehmensrückkauf salonfähig geworden. So kommt es, dass auch MyParfum (www.myparfum.de) ein derartiges Schicksal widerfährt.

Das 2008 gegründete Unternehmen, das 2012 nach rasantem Wachstum in wirtschaftliche Schieflage geraten war und Anfang des Jahres Insolvenz anmelden musste, verkündet nun, dass die Gründer Matti und Yannis Niebelschütz das Unternehmen aus der Insolvenzmasse herausgekauft haben.

MyParfum mit zu schnellem Wachstum

Nachdem MyParfum seit 2008 Schritt für Schritt aufgebaut wurde, konnten drei Jahre später bereits schwarze Zahlen geschrieben werden. Der Proof-of-Concept war erbracht, die Idee innovativ und selbst die Zahlen stimmten. Das zog natürlich reichlich Investoren mit prallgefüllten Portemonnaies an, die einen Teil vom MyParfum-Kuchen abhaben wollten.

Im Jahr 2012 folgte dann der rasante Aufstieg: Finanz- und Media-Investoren kamen an Bord, die Mitarbeiterzahl explodierte von 15 auf 60 und ein neues Büro an der Spree wurde bezogen. „Die vier Jahre von der Gründung im ehemaligen Kinderzimmer bis hin zum Umzug ins 1.000qm Büro waren wie ein Märchen“, sagt Matti Niebelschütz. „Dann kam der Zusammenbruch.“ Die Kosten stiegen wesentlich schneller an als die Umsätze: Auf einmal stand man mit einem Vielfachen der Fixkosten da, die im Gegensatz zu früher nicht mehr aus dem Cashflow bedient werden konnten.

MyParfum als nachhaltiges Familienunternehmen?

Die Finanzierungen erzeugten ein Wachstum, dem die Nachhaltigkeit abhanden gekommen war. Die wirtschaftliche Schieflage erkannte dann auch das Management und begann bereits Ende 2012 durch Nichtverlängerung von befristeten Verträgen und Kündigungen den Personaletat zu verringern. Doch die Schlinge zog sich Anfang 2013 noch enger zu und MyParfum rutschte in die Zahlungsunfähigkeit: Ein Insolvenzverfahren wurde eröffnet.

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Anfang Juni dann erfolgte die Übernahme der insolventen Firma durch die Gebrüder Niebelschütz, die neben der Geschäftsidee auch zehn Mitarbeiter behalten konnten. Die Herangehensweise der Brüder hat sich nun allerdings grundlegend geändert: „Aus den schmerzhaften Erfahrungen der letzten Monate habe ich gelernt“, erklärt Matti Niebelschütz.

Von nun an wird das Unternehmen als Familienunternehmen ohne externe Investoren fortgeführt und soll nachhaltig wachsen. „Wir schreiben mit MyParfum eine außergewöhnliche Geschichte. Nun ist es Zeit für ein neues Kapitel.“ Für das zweite Halbjahr 2013 sind bereits grundlegende Veränderungen angekündigt – man darf gespannt bleiben.

Bild: MyParfum