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Merkel-Pose im Berliner Büro: Die Number26-Gründer Maximilian Tayenthal (links) und Valentin Stalf

Wohin er auch geht, Valentin Stalf lässt keinen Zweifel daran, was er von alteingesessenen Banken hält. Ob Konferenz oder Awardverleihung, die Geldhäuser kriegen ihr Fett weg. „Ich sehe es nicht so, dass ohne Banken nichts weiter geht“, sagte Stalf vor kurzem bei einer Diskussion über aufstrebende Fintechs. „Ich brauch keine Bank, ich bau meine eigene.“ Träge findet er viele der großen Institute, und kundenunfreundlich. Stalfs Ziel ist es, all das besser zu machen. Er will aus Number26 eine große, europäische Bank bauen. Eine „Milliarden-Company“.

Größenwahn bei einem weiteren Berliner Startup? Nein – der 29-Jährige weiß genau, dass der Weg zur Europa-Bank noch weit ist. Aber er weiß auch, was er und sein Mitgründer Maximilian Tayenthal bislang geschafft haben: eine innovative Banking-App zu bauen, etwas, woran schon viele große Institute gescheitert sind. Zur App gehört ein kostenloses Girokonto mit Mastercard, wofür das Startup mit der Wirecard Bank kooperiert. Denn eine eigene Banklizenz hat Number26 nicht. Noch nicht.

2013 gründen Tayenthal und Stalf in einem Wiener Wohnzimmer. Ihr Startup trägt da noch einen anderen Namen, ihre Ziele sind deutlich überschaubarer. Papayer nennen sie ihr Produkt. Das Konzept: Eltern geben ihren Kindern eine aufladbare Geldkarte, mit der Papayer-App können die Teenager und ihre Eltern die Ausgaben im Blick behalten. Doch mitten in der Betaphase Ende 2013 wird den beiden Gründern klar, dass die Erwachsenen das Produkt vor allem für sich selbst nutzen.

Und, dass dieser Markt eigentlich viel, viel größer ist.

„Eine große Aufgabe, die Mut erfordert“

So entsteht der Gedanke, ein vollwertiges, europäisches Girokonto anzubieten. „Mit einem solchen Ziel startet man ja nicht. Das ist eine große Aufgabe, die Mut erfordert“, sagt Stalf. Sie beraten sich intensiv mit ihren Angel-Investoren, die allesamt aus dem Banking-Bereich kommen. Dann ist der Pivot beschlossene Sache: Number26 soll kein Produkt für eine Bank machen, „die sind meist viel zu langsam mit der Umsetzung“, findet Stalf – sondern selbst in Konkurrenz zu den großen treten.

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Gegen die kapitalstarken Geldhäuser will Number26 mit einem stärkeren Fokus auf den Kunden ankommen. So sind die Funktionen der App auf dessen Bedürfnisse abgestimmt: Nutzer können ihre Ausgaben in bestimmte Kategorien wie Miete, Restaurantbesuche oder Einkäufe einsortieren. Sie sehen, wie viel ein bestimmter Bereich in den wöchentlichen Gesamtausgaben ausmacht. Rechnungen können abfotografiert und gemeinsam mit der passenden Abbuchung gespeichert werden. Mit einem Wisch können Kunden in der App ihre Bankkarte sperren und entsperren.

Bisher ist das Konto lediglich per Einladungscode zu haben. „Die User Experience muss stimmen“, erklärt Stalf. „Um das zu gewährleisten, lassen wir Kunden nach und nach zu. Wenn sich zu viele an einem Tag anmelden wollen, kann das für ein Startup schon eine Challenge sein.“ Bislang hat Number26 nach eigenen Angaben etwa 20.000 Kunden. Und 38 Mitarbeiter, bald sollen es bis zu 30 mehr sein.

Wie kommt man an einen berühmten Investor wie Peter Thiel?

Möglich macht das Wachstum Paypal-Gründer Peter Thiel. Der hat sich im April an der Serie A von Number26 beteiligt, bei der zehn Millionen Euro flossen. Aus dem Handelsregister-Eintrag lässt sich schließen, dass die Unternehmensbewertung bei etwa 47 Millionen Euro gelegen haben dürfte. Bei der Seed-Runde im Sommer 2014 lag die Bewertung noch bei knapp sieben Millionen Euro. Zwei Millionen wurden damals investiert, vor allem von den VCs Earlybird und Redalpine.

Wie man an Peter Thiel kommt? War gar nicht so schwer. Stalf erzählt: „Direkt nach unserem Launch Ende Januar bekamen wir viel Aufmerksamkeit von Investoren.“ Valar Ventures, einer der von Thiel finanzierten Fonds, sei von sich aus auf das Startup zugekommen. „Deswegen konnte die Series A sehr schnell geclosed werden. Das Ganze hat von der ersten Mail bis zur Unterschrift etwa drei Monate gedauert.“

Dabei liege das Geld laut Stalf noch immer unberührt auf dem Konto. Die Runde sei durch die Aufmerksamkeit früher zustande gekommen als geplant, sagt er. Und grinst. Wie eigentlich immer. Dafür habe er sogar einmal einen Klassenbuch-Eintrag bekommen. ‚Valentin grinst frech zurück‘, stand dann da. Woher die gute Laune? Man muss doch Spaß im Leben haben, antwortet Stalf.

„Die suchen Unicorns“

Denn unter genug Erwartungsdruck stehen Stalf und sein Team nach der prominent finanzierten Serie A. Er weiß, dass sein amerikanischer Investor mehr erwartet als einen schnellen Exit für ein paar Millionen. „Die suchen Unicorns, die das Potenzial haben an die Börse zu gehen. Das ist natürlich interessant für uns, aber noch ein sehr weiter Weg.“ Doch das passt zur Vision von Number26, der europäischen Bank. Den Kontakt zum Valar-Team findet Stalf da „extrem hilfreich“.

Blickt der Gründer auf die vergangenen zwei Jahre zurück, ist er zufrieden: „Wir haben zur richtigen Zeit die richtigen Investoren in die Company geholt. Die Angels zu Beginn mit ihrem Banking-Fachwissen; dann die beiden international bekannten Frühphasen-VCs und schließlich Valar. Die Entscheidungen bei einer Finanzierungsrunde beeinflussen bereits, wen man bei der nächsten anziehen kann.“

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Als nächstes wollen Tayenthal und er das Produkt intelligenter machen. Der Nutzer soll zum Beispiel unverzüglich per Push-Mitteilung informiert werden, wenn eine Kontoabbuchung nicht in sein übliches Ausgabeverhalten passt. Missbrauch will Number26 künftig auch mit einer Location-basierten Funktion verhindern: Befindet sich das Handy an einem anderen Ort als dort, wo mit der Karte gezahlt werden soll, wird die Transaktion verhindert. Mittelfristig sollen außerdem EC-Karten und Überziehungslimits angeboten werden können; auf lange Sicht, sagt Stalf, wolle sich das Startup in Richtung eines Marktplatzes entwickeln. Rund um das Number26-Konto soll es beispielsweise Sparprodukte geben, in die einfach und transparent investiert werden kann.

So will Number26 junge Leute ansprechen und Kunden der Konkurrenz zum Wechsel animieren, denn letztlich ist die Kundengewinnung der entscheidende Faktor für den Erfolg. Wettbewerber sind nicht nur die großen Institute – sondern zunächst vor allem Direktbanken wie die DKB, Comdirect, Ing-DiBa – und die Münchner Fidor-Bank. Das 2009 gegründete Institut will „die sich im Internet immer stärker abzeichnenden Web-2.0-Verhaltensweisen in den Bereich der Finanzdienstleistung“ übertragen. Die App Outbank DE wiederum verfügt über viele Funktionen, die auch Number26 in seiner App hat, bietet aber kein eigenes Konto an.

Auf mobile first setzen noch weitere europäische Banking-Startups: Tom Blomfield, Mitgründer von GoCardless, arbeitet zur Zeit an seinem neuen britischen Banking-Startup Mondo. Das soll mit der smarten, jungen Bank Starling konkurrieren, die Blomfield mitaufgebaut, dann aber wegen internen Spannungen verlassen hatte.

Mit ihrer Idee sind die Number26-Gründer also längst nicht alleine. Doch mit Valars Unterstützung hoffen sie, sich durchsetzen zu können. „Ganz am Anfang wären wir wahrscheinlich happy gewesen, die Company für ein paar Millionen an eine Bank verkaufen zu können“, so Stalf. „Doch unsere Entwicklung ist viel dynamischer. Mit der aktuellen Finanzierungsrunde besteht die Möglichkeit, selbst eine Milliarden-Company zu bauen.“

Bild: Michael Berger/Gründerszene
Disclaimer: Number26 hat 2013 am Accelerator-Programm von Axel-Springer Plug and Play teilgenommen, einem Joint Venture von Axel Springer und dem Plug and Play Tech Center. Der Verlag ist darüber in das Startup investiert. Er ist auch Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com.