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Seltenes Oliver-Samwer-Interview

“Jon, ich baue keine Boote, ich baue Flugzeugträger.” Oliver Samwer ist dafür berühmt, sich aus Interviews heraus zu stehlen, wenn Laune oder Interviewfragen nicht passen. Als sich Jon Soberg, Partner beim US-VC Blumberg Capital (www.blumbergcapital.com), an einem winterlichen Nachmittag in München mit dem Seriengründer trifft, um ein potenzielles Rocket-Internet-Investment zu besprechen, lässt sich Oli Samwer auf ein seltenes Interview ein, in dem er interessante Einblicke in seine Arbeit teilt.

In dem Interview, welches vollständig auf VentureBeat nachzulesen ist, spricht er unter anderem über die Gründung von Rocket Internet im Jahr 2007: “Als ich in den 1990er Jahren in den USA studierte, war ich von der Startup-Szene im Silicon Valley überwältigt. Das Internet schien ein Spielplatz für die Verwirklichung von Geschäftsideen zu sein. Meine Brüder und ich stiegen dann einfach ein.”

“Wollten immer nur gute Unternehmen bauen”

Der Company Builder war offenbar nicht von Beginn an auf die Weltherrschaft ausgelegt: “Wir wollten immer nur gute Unternehmen aufbauen. Als wir sahen, dass es in Deutschland gut lief, übertrugen wir das Konzept auf immer weitere Märkte. Die Zuversicht, dass wir einen globalen Einfluss erzielen können, entwickelte sich erst mit der Zeit”, so Oliver Samwer.

Wer an die Samwers denkt, denkt auch ans Klonen – auch Jon Soberg interessierte sich brennend für die Meinung des Rocket-Gründers zum Thema. Dass es neben den Ideengebern vor allem auch auf die Umsetzer ankommt, ist keine neue These. “Den ‘Innovators’ gilt unser höchster Respekt”, sagt Oliver Samwer, “wir konzentrieren unsere Anstrengungen allerdings hauptsächlich auf Letztere und sind damit bisher sehr erfolgreich gewesen. Tatsächlich sind wir sehr innovativ, was die ‘Execution’ angeht.” Ganze 90 Prozent des Erfolgs eines Unternehmens würde die Execution ausmachen und in einer immer transparenter werdenden Welt noch an Bedeutung gewinnen.

Über 55 aktive Unternehmen in mehr als 40 Ländern, die über 20.000 Mitarbeiter beschäftigen, verfüge Rocket Internet derzeit. Dass die Reichweite des Company Builders in den USA kaum bekannt ist, scheint Oliver Samwer jedoch nicht zu stören: “Wir gefallen uns in der Rolle des stillen Riesen im Hintergrund.” Mit den Gründern der Rocket-Portfolio-Unternehmen schließe er sich mindestens im Wochentakt kurz. “Ich bin gern Teil von Teams, und man kann nur einen Beitrag leisten, wenn man die Details kennt.”

Hire-and-Fire und neuer Fonds

Auf die Frage Sobergs nach Hire-and-Fire-Phänomenen bei Rocket reagiert Oli Samwer eher ausweichend: “Wenn du bei Rocket anfängst, lernst du sehr viel, nicht nur über Geschäfte, sondern auch über dich selbst. Wir sind ein einzigartiges Ökosystem von hochtalentierten Menschen.” Die meisten Portfolio-Unternehmensgründer seien Mitte 20 bis Anfang 30 und würden von Beginn an eine riesige Verantwortung auferlegt bekommen.

Für den neuen Samwer-Fonds Global Founders Capital wünscht sich der zweitälteste der drei Brüder eine klare Abgrenzung zu den Rocket-Aktivitäten nach außen: “Der Fonds ist explizit auf Gebiete, in denen sich Rocket noch nicht aufhält, und ausschließlich auf Investments ausgelegt.” Die Themen Big Data, Reisen und mobile Apps sieht Oliver Samwer auf dem Vormarsch. Er freue sich darauf, auch weiterhin mit enorm talentierten jungen Menschen einige der weltbesten Unternehmen aufzubauen.

Das Originalinterview ist auf VentureBeat nachzulesen.