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Returbo-Gründer Simon Schmid

Erst im vergangenen Herbst präsentierte sich das Berliner Unternehmen Returbo als Erfolgsgeschichte auf der Crowdinvesting-Plattform Companisto: Man arbeite bereits profitabel, im ersten Halbjahr 2015 habe man ein Umsatzwachstum von 230 Prozent hingelegt, hieß es damals. Returbo handelt mit zurückgeschickten Produkten von Online-Shops. Die Crowd war von dem Konzept begeistert: Mehr als 1.000 Investoren steckten etwa 1,1 Millionen Euro in das Unternehmen.

Nun hat Returbo Insolvenz angemeldet. Viel ist zu den Gründen noch nicht bekannt. Gründer Simon Schmid verwies auf Gründerszene-Anfrage auf den Insolvenzverwalter. Von diesem hieß es, Groupon sei als wichtiger Vertriebskanal für Returbo weggebrochen. Daraufhin habe sich das Unternehmen vermehrt auf den Zweitmarkt für Möbel fokussiert. Gründer Schmid habe ihm mitgeteilt, der „lang anhaltende Sommer“ sei für den folgenden Absatzeinbruch verantwortlich, so Insolvenzverwalter Torsten Martini gegenüber Gründerszene. Der Umsatz habe sich aus diesem Grund halbiert. Und das Unternehmen war gezwungen, Insolvenz anzumelden.

Was mit den 33 Mitarbeitern passiert und wie es um die Insolvenzmasse bestellt ist, konnte Martini bislang nicht beantworten. Ebenso unklar ist, wie die Chancen stehen, dass die Crowd-Investoren ihr Geld wiedersehen.

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Ein Companisto-Sprecher bestätigte am Freitag, dass Returbo einen vorläufigen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. „Der Gründer hat die Investoren informiert und steht im Austausch mit ihnen“, so der Sprecher. Weitere Auskünfte wollte Companisto nicht geben.

Für die Plattform ist es der insgesamt siebte Ausfall eines Unternehmens. Mit fast 1,1 Millionen Euro Crowd-Kapital dürfte es sich um die bislang größte Crowd-Pleite in Deutschland handeln.

Returbo hat sich auf den Zweitmarkt von Produkten spezialisiert. Zurückgeschickte Produkte, B-Ware aus dem Online-Handel oder Ausstellungsstücke kauft das Unternehmen und verkauft es gewinnbringend über mehr als 30 Absatzkanäle weiter.

Eine Reihe von bekannten Investoren gehören zu den Geldgebern von Returbo. So hält etwa Idealo-Gründer Martin Sinner fast ein Zehntel an dem Unternehmen. Vor vier Jahren steckte außerdem der Wagniskapitalfonds von Bertelsmann einen Millionenbetrag in das Unternehmen, ein Jahr später legten der Londoner Harbert European Growth Capital Fund und der französische Risikokapitalgeber Generis Capital gemeinsam mit den Altinvestoren nach.

Mitarbeit: Niklas Wirminghaus; Bild: Returbo