Oliver Samwer

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer

Einseitiges Bild der Samwer-Brüder

Das ZDF-Format Frontal 21 hat gemeinsam mit der Wirtschaftswoche recherchiert, wie Oliver, Marc und Alexander Samwer ihr Internet-Imperium aufgebaut haben. Das ZDF-Team erhielt für die Dokumentation Zugang zu der Firmenzentrale von Rocket Internet und durfte sogar ein Interview mit Oliver Samwer führen. Mehrere Monate dauerte die Recherche.

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Dabei herausgekommen ist eine 45-minütige Dokumentation, über die sich streiten lässt. Sie enthält mehrere spannende – wenn gleich mitunter bekannte – Aspekte, von Datendiebstahl über vorgegaukeltes Gutmenschentum in Afrika bis hin zu zweifelhaften Managementpraktiken und weiterhin ausbleibenden Gewinnen bei den meisten Portfoliounternehmen.

Es ist wichtig, dass all dies thematisiert und nicht unter den Tisch gekehrt wird. Und den sonst so geheimnisvollen Oliver Samwer einmal vor der Kamera sprechen und gestikulieren zu sehen, ist interessant – auch wenn der Rocket-CEO nur spärlich zu Wort kommt.

Allerdings wird das Imperium der drei Brüder in „Die große Samwer-Show“ überaus einseitig dargestellt. Die Macher lassen kaum ein gutes Haar an den Brüdern oder ihrem Unternehmen: vermeintlich naive Investoren decken das riskante Geschäft, allenfalls Möchtegern-kreative Mitarbeiter habe man bei Rocket Internet. Ein US-Investor „hasst“ die Samwers – ohne einen Grund zu liefern. Und StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani macht sich auf seine berüchtigte Weise Luft.

Die Machart untermalt den generellen Ton der Dokumentation überdies. Dramatische Musik, schwarz eingefärbte Bilder und wertende Kommentare vom Sprecher suggerieren dem Zuschauer: Den Brüdern kann man nicht trauen.

Harte und vor allem neue Fakten hingegen lässt der Beitrag weitestgehend vermissen. Und so wird unter dem Strich erheblich mehr suggeriert als wirklich aufgedeckt.

Wie seht Ihr das? Wie hat Euch die ZDF-Dokumentation gefallen?

Alle, die „Die große Samwer-Show“ noch nicht gesehen haben, können sie hier anschauen:

Mitarbeit: Hannah Loeffler und Alex Hofmann; Bild: ZDF/Lukas Piechowski