Hauptsache nicht so verstaubt wie die alte Konkurrenz: Marko Wenthin von der Solarisbank

Schon mit der Einrichtung setzt sich das Berliner Startup von der alten Bankenwelt ab. In einen Raum der Solarisbank kommt demnächst ein Pokertisch. Dort sollen künftig die 30 Mitarbeiter entspannen können. Und das werden sie zur Abwechslung auch brauchen – denn die Pläne des Banken-Startups sind ambitioniert.

Seit Mitternacht besitzt das Unternehmen offiziell eine Vollbanklizenz von der Bafin – und will mit seinem Angebot in eine Marktlücke stoßen. Der Hintergrund: Viele Startups sind mit ihren Apps und Plattformen auf die Hilfe von Banken angewiesen. Insbesondere Fintechs kommen für ihre Angebote oft nicht ohne Bankenpartner aus.

Die jungen Bankenangreifer sollen dann künftig auf der Plattform der Solarisbank ihre Produkte bauen können. Und sind damit nicht mehr auf lange Entscheidungswege der Bankenpartner angewiesen. E-Commerce-Unternehmen seien ebenfalls eine interessante Kundengruppe, erklärt Marko Wenthin, Vorstand der Solarisbank, gegenüber Gründerszene. „Auch Marktplätze sind auf Banken angewiesen, weil extrem hohe Summen über ihre Plattform abgewickelt werden.“ Die Produkte der Startup-Bank seien extra auf Unternehmen aus der Digitalbranche zugeschnitten.

„Es ist keine Finleap-Bank“

Entstanden ist die Idee im Fintech-Inkubator Finleap, der bereits Startups wie Savedo und Clark hervorgebracht hat. „Die Idee kam auf, als Finleap nach einer Bank für seine Fintechs gesucht hat“, sagt Wenthin. Dann fiel die Entscheidung: „Wir bauen uns selber eine Bank.“

Anzeige
Heraus kam ein Angebot für eine weitaus größere Zielgruppe – und nicht nur die eigenen Unternehmen. „Die Finleap-Startups sind nicht gezwungen uns zu nutzen“, betont Wenthin. Gespräche würden sie trotzdem führen. Er betont: „Es ist keine Finleap-Bank.“

Ein fundamentaler Unterschied zu den Banken sei ihre fortschrittliche Technik, heißt es vom Startup. Über Schnittstellen – sogenannte APIs – könnten die Startups ihre neuen Angebote „schnell und unkompliziert“ anbinden. Services, die sie nicht selber haben, will die Solarisbank durch Partner anbieten. Etwa für die Identifikation oder die Ausgabe von Kreditkarten. Am Ende soll die Bank „für die Digitalunternehmen ein One-Stop-Shop werden“. Schon bald ist der Schritt ins europäische Ausland geplant.

Banken wie die Wirecard kooperieren bereits mit mehreren Fintechs und gelten als fortschrittlicher als die alten Branchenriesen. Doch auch von dieser Konkurrenz will sich die Solarisbank absetzen, beispielsweise bei den Preisen. „Wir erarbeiten zusammen mit den Startups ein Pricing-Modell – und wollen den jungen Unternehmen die Möglichkeit geben, erstmal mit uns zu wachsen“, sagt Wenthin.

Gründer mit Banking-Erfahrung

Wie viel Geld in die junge Bank geflossen ist, verrät Marko Wenthin nicht. „Fünf Millionen Euro müssen wir als Mindestbetrag zurücklegen, die dürfen auch nicht angefasst werden“, sagt der Bank-Vorstand. Die Finanzierung liege deutlich darüber. Finleap sei ein wichtiger Geldgeber, aber nicht der einzige.

Das Management der Solarisbank hat bereits Erfahrung in der Banking-Branche. Wenthin baute etwa die Deutsche Handelsbank mit auf und war für die Deutsche Bank tätig. Auch Andreas Bittner, der zweite Kopf hinter der Bank, war unter anderem Geschäftsführer der Fondsdepot Bank. Das Tech-Team leitet Peter Grosskopf, der seit 2014 für den Inkubator HitFox Group als CTO mehrere Gründungen begleitet hat.

Die 30 Mitarbeiter arbeiten bereits seit einigen Monate an dem Produkt. Allein die Banklizenz zu bekommen habe acht Monate gedauert, heißt es vom Unternehmen. Das sei vergleichsweise schnell.

Bild: Solarisbank/Max Threlfall