soundcloud marc strigel interview

2014 zog SoundCloud auch in sein neues Hauptquartier in der Berliner Factory

Die Berliner Musikplattform SoundCloud hat 2014 fast 40 Millionen Euro Verlust eingefahren. Das geht aus einem Report für das britische Handelsregister hervor, den das Unternehmen Anfang der Woche mit reichlich Verspätung eingereicht hat.

Demnach konnte SoundCloud zwar seinen Umsatz steigern, von 11,3 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 17,4 Millionen Euro. Aber insbesondere durch stark gestiegene Personalkosten wuchs auch der Verlust: von 23,1 Millionen Euro im Jahr 2013 auf heftige 39,1 Millionen Euro. Im Durchschnitt zählte SoundCloud 2014 236 Mitarbeiter (im Vorjahr 195), sie verursachten mit 24,6 Millionen Euro den größten Kostenblock (gut 50 Prozent mehr als 2013). Ende 2014 stieg die Teamgröße laut Bericht sogar bis auf 288 Mitarbeiter – inzwischen hat das Unternehmen die Belegschaft offenbar wieder deutlich reduziert.

SoundCloud sei auf dem Weg zum Marktführer, schreibt CEO Alexander Ljung in dem Report. Das habe 2014 „Investitionen in Technologie, Mitarbeiterzahl und Marketing“ erfordert. Im Berichtsjahr habe das Unternehmen auf einen signifikanten Anstieg von Nutzern erlebt, so Ljung. Die zahlenden Abonnenten seien auch für den Löwenanteil der Einnahmen verantwortlich. Gleichzeitig habe man in den USA erste Einnahmen durch Werbung auf der Plattform generiert – über das im Sommer gelaunchte „On SoundCloud“-Programm.

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Ansonsten war 2014 ein schwieriges Jahr für das 2007 gestartete Unternehmen: Zwar gelang im Januar eine 60-Millionen-Dollar-Finanzierung, doch die Schlagzeilen bestimmten vor allem die lange erfolglosen Lizenzverhandlungen mit den wichtigsten Plattenfirmen der Welt – und Gerüchte über eine ebenfalls erfolglos verhandelte Übernahme durch Twitter. Im November 2014 gelang schließlich der erste Deal mit einem der Major-Labels, Warner Music. Erst vor wenigen Wochen schloss SoundCloud auch mit Universal ein Abkommen, verhandelt wird noch immer mit Sony.

Ebenfalls vor kurzem wurde bekannt, dass das Unternehmen Anfang 2015 einen Kredit über 32 Millionen Euro von der US-Investmentfirma Tennenbaum Capital Partners bekommen hat. Außerdem hat sich SoundCloud bei seinen Investoren die Erlaubnis für die Aufnahme von weiteren 65 Millionen Euro in Wandelanleihen geholt. Laut der Financial Times investierten die SoundCloud-Altinvestoren darüber bislang 37 Millionen Euro.

Geprüft wurde die Bilanz des Unternehmens von KPMG – die Wirtschaftsprüfer bestätigen, dass SoundCloud dringend auf weitere Finanzmittel angewiesen sei. Dies sei eine „wesentliche Unsicherheit“, schreiben die Prüfer. Gegenüber der FT gibt sich CEO Alexander Ljung aber zuversichtlich: „Über die Zeit wird SoundCloud eine finanziell nachhaltige und profitable Plattform werden.“

Bild: Hannah Löffler / Gründerszene