berlinale socius

Daniel Butler, CEO von Socius, während seines Pitchs

„Die digitale Revolution kam ganz schön schnell“

60 Sekunden, um zu pitchen – selbst jeder Kurzfilm ist länger. Trotzdem bleibt den zehn Startups auf der Berlinale nicht mehr Zeit, um ihre Idee vorzustellen. Im Publikum sitzen vor allem Filmproduzenten und ein paar Vertreter von Fernsehsendern. Die Berliner Startups wollen die Alteingesessenen davon überzeugen, mal etwas Neues auszuprobieren, zum Beispiel eine Software, mit der einfacher Animationen hergestellt werden können oder ein Fernseh-Angebot für unterwegs.

Die Idee zur Veranstaltung im Berliner Gropius Spiegelzelt hatten die Organisatoren European Firm Market, Medienboard Berlin-Brandenburg und Startup Germany. „Wir wollen unsere Marktteilnehmer aus der internationalen Filmindustrie mit der innovativen Startup-Szene, die es in Berlin gibt, verknüpfen“, sagt Manu Guddait vom European Film Market. Wenn der Austausch gut läuft, soll es das Treffen kommendes Jahr wieder geben.

Anzeige
Zu den Besuchern gehörte auch der deutsche Filmproduzent Peter Rommel, 59 Jahre alt. Er blickt auf die letzten Jahre im Business zurück: „Die digitale Revolution kam ganz schön schnell. Da habe ich gemerkt, dass ich mich selbst auf den neuesten Stand bringen muss.“ Also hat er Kooperationen zu jungen Firmen gesucht, die sich mit neuen Medien auskennen. Nun arbeitet er mit der Berliner Produktionsfirma Honigstudios zusammen. Das Ziel: einen interaktiven Film ohne Skript drehen.

Dies sind die zehn Startups, die die Filmproduzenten vom Hocker reißen wollen:

  1. Vast Media ist ein Berliner Forschungsunternehmen, das Werbekampagnen von internationalen Produktionsfirmen und TV-Sendern analysiert. Die Informationen werden auf dem Portal anderen Medienunternehmen zur Verfügung gestellt. Kunden wie Sony Pictures und RedBull nutzen die Seite als Inspiration und zahlen jährlich Abogebühren an Vast Media. Die Firma wurde 2010 von Matthias Puschmann und Henner Herwig Jürgens gegründet, zwei Jahre später wurde die Plattform gelauncht. Momentan sind sechs Mitarbeiter bei dem Startup beschäftigt.
  2. Das Amsterdamer Startup Vigour ermöglicht es Medienunternehmen, mehrere Screens gleichzeitig für ihre Zwecke zu nutzen. Reibungslos sollen Zuschauer zwischen verschiedenen Bildschirmen wechseln können. Die Serie, die man unterwegs auf dem Smartphone schaut, soll beispielsweise zu Hause leicht auf den TV-Bildschirm gebracht werden können. Das Smartphone wird dann zur Fernbedienung. Ramon Duivenvoorden, Jim de Beer und Marcus Besjes gründeten Vigour Mitte 2012.
  3. Das Berlin-Babelsberger Startup Wonderlamp ermöglicht es mit seiner Software Djinni, schneller und günstiger Animationen zu erstellen. Die Software basiert auf Technologien aus Film und Gaming; die Firma wurde im Jahr 2010 gegründet. CEO ist Stephan Schindler.
  4. Wie emotional Zuschauer auf Sendungen reagieren, misst Christina Matern, CEO von Emolyzr. Im Labor in Berlin werden Testpersonen Elektroden ins Gesicht geklebt, um die Reaktionen auf Gesehenes festzuhalten. So können Kunden überprüfen, ob ihre bezweckte Botschaft wirklich ankommt. Seit Dezember 2013 gibt es das Berliner Startup.
  5. Socius ermöglicht mit einem digitalen Marketing-Tool, die spannendsten Inhalte, die beispielsweise über einen Film oder eine TV-Sendung gepostet wurden, aus sozialen Medien herauszufiltern. Daraus wird eine Website erstellt, die die schönsten Momente festhalten und somit die Marke stärken soll. Dies soll helfen, Zuschauer zu binden. Socius sitzt in Berlin und wurde im Oktober 2013 von den Briten Daniel Butler und Frode Jensen gegründet.
  6. Die  Zoobe-App verzeichnet bereits über zwei Millionen Downloads. Mit ihr können die User witzige Grüße und Sprüche aufnehmen und an Freunde verschicken. Gesprochen werden die Grüße von verschiedenen animierten Filmfiguren, zuletzt von Paddington, passend zum Start des Bärenfilms. Bestimmte Animationen können in der App gekauft werden. CEO Lenard Krawinkel gründete sein Berliner Startup bereits 2008.
  7. Tvib zeichnet auf, wann welche Werbespots im TV laufen – eine Information, die ohne den Service nicht verfügbar ist. Diese Information wird so für Unternehmen, die auch Web-Marketing betreiben, nutzbar. Läuft beispielsweise im Fernsehen ein Werbespot von Zalando, kann ein Konkurrent wie Deichmann seine Biddings bei Google anpassen, und dafür sorgen, dass die eigene Werbung ganz oben auftaucht, wenn nach Schuhen gesucht wird. Thomas Grandoch und Marc Holtbecker haben das Unternehmen im Jahr 2013 gestartet.
  8. Moviepilot ist eine Film-Plattform, die vergangenes Jahr von dem französischen Verlag Webedia für 15 Millionen Euro gekauft wurde. Die Seite bietet Geschichten und Spiele für über sieben Millionen Film-Fans. Im B2B-Bereich macht Webedia für seine Kunden außerdem Social-Media-Marketing. Moviepilot wurde im Jahr 2007 von  Tobias BauckhageJon Handschin und Ben Kubota in Berlin gegründet.
  9. Die Berliner Firma Videopath will Videos interessanter machen und Zuschauer dazu bringen, sich aktiver mit ihnen zu beschäftigen. Das Tool ermöglicht, Web-Elemente in Clips einzubetten, also Webseiten, Blog-Posts und Bilder, die dann angeklickt werden sollen. Gegründet wurde das Startup im Oktober 2013 von Anna Rose und David Scharf.
  10. Download and go – so funktioniert der Service von Dailyme TV. Das Startup bietet einen mobilen Service mit den Lieblingsprogrammen des Nutzers. Die kann der User vorher definieren, sie werden im Wlan geladen und sind dann unterwegs verfügbar. Die Plattform ist überwiegend werbefinanziert und wurde 2007 in Berlin von  Holger Schween und Stefan Bielau gegründet.
Bild: Lia Darjes