stephan uhrenbacher

Stephan Uhrenbacher ist eine Szene-Instanz. Der Serial-Entrepreneur gründete unter anderem den Zimmervermittler 9flats und die Bewertungsplattform Qype, die 2012 für 50 Millionen an den US-Wettbewerber Yelp ging. Im vergangenen Jahr kündigte Uhrenbacher an, sich überwiegend als Coach für Startups betätigen zu wollen. Im Februar dieses Jahres verriet Uhrenbacher dann allerdings, ein neues Unternehmen gegründet zu haben: Flio. Das neueste Uhrenbacher-Startup ist eine App und thematisiert den Aufenthalt am Flughafen. Mit Flio sollen Reisende etwa schneller ins Wlan kommen, aber auch Informationen und Discounts am Flughafen erhalten.

Im Interview spricht Uhrenbacher über sein neuestes Unternehmen und zieht Vergleiche zu Zeiten, in denen er mit den Samwers um jeden Nutzer kämpfen musste.

Stephan, Du warst bei Geo.de, hast Travelchannel und Lastminute.com gemacht. Ist Reisen Dein Herzensthema?

Mein Herzensthema ist eher der Nutzwert für den Kunden. Da hat sich früher das Thema Reisen aufgedrängt, bevor es mit den reinen Preisvergleichen langweilig wurde. Ich habe ja beispielsweise 2010 auch den Öko-Marktplatz Avocado Store gemacht, weil es keine Infos darüber gab, was gut und was schlecht ist. Ich will immer einen echten Nutzwert schaffen.

Was bei Flio als erstes ins Auge fällt, ist das Thema „Instant Wifi”. Ist das der Fokus der App?

Die App wird langfristig ein Rundumschlag für die Kunden am Flughafen. Es wird noch sehr viel kommen. Aber als ein Grundbedürfnis haben wir herausgefunden, dass ein Kunde am Flughafen ankommt und feststellt, dass er nicht ins Wlan reinkommt. Deshalb haben wir hier zu Anfang viel Energie reingesteckt.

Wie kommt ihr an all diese Daten?

Wir müssen an jedem Flughafen gewesen sein. Es wird demnächst eine skalierbare Technologie geben, aber gerade arbeiten wir noch mit Freelancern und Leuten, die eh viel reisen.

Werden auch die anderen Informationen in der App  händisch zusammengetragen? Etwa die Infos darüber, wo sich Dinge befinden?

Hier handelt es sich derzeit um Editorial Content, auch das ist händisch. Aber es wird eine Komponente geben, bei der Nutzer mitmachen können.

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Ihr bietet auch Discounts und Deals. Funktioniert dieses Konzept am Flughafen besser als bei Groupon und Co?

Als ich noch Qype gemacht habe, hatte ich das Groupon-Thema sehr früh auf dem Tisch. Die Frage war: Machen wir das auch? Kurzfristig war es vielleicht ein Fehler, das nicht zu machen. Aber langfristig war mir immer klar, dass es keinen Gewinner gibt. Bei Flio und dem Thema Flughafen ist es aber eine andere Situation. Wir haben hauptsächlich Retailer, die am Flughafen gigantische Fixkosten haben, wie Mieten oder Betriebskosten. Diese Leute sind deshalb sehr empfänglich dafür, dass sie zusätzliche Kunden bekommen. Und Reisende sind mit herkömmlichen Marketingmaßnahmen eigentlich nicht erreichbar. Man kann zwar Werbung am Flughafen machen, aber die ist galaktisch teuer.

Bleiben wir bei der Zielgruppe: Sprecht ihr eher Viel- oder Gelegenheitsflieger an?

Der Gelegenheitsflieger, der einmal im Jahr nach Mallorca fliegt, der ist uns völlig egal. Wir haben ja beispielsweise Kundenakquise-Kosten. Es richtet sich also eher an die Leute, die sehr viel unterwegs sind. Aber nicht an die ganz elitären aus dem Vielflieger-Forum, die sowieso schon alles wissen und Goldkarten haben.

Wie monetarisiert ihr Flio? Für den Nutzer ist das Angebot kostenlos.

Mit den Retailern sind Lead-Fees vereinbart. Zusätzlich wird es über die Plattform auch Transaktionen geben. Die gibt es noch nicht, aber es wird stark in Richtung Transport und Lounges gehen.

Ihr seid mit einer iOS-App gestartet. Werden Android und Web folgen?

Genau. Flio ist wie Qype ein originales Produkt. Das heißt, dass ich erst einmal eine erste Version baue, diese so weit bringe, dass sie vorzeigbar ist und dann gucke, ob die Leute das akzeptieren. Erst dann gehe ich in die Breite. An diesem Punkt sind wir jetzt.

In einem Interview sagtest Du, dass Flio größer werden soll als Qype. Siehst Du das immer noch so?

Qype hatte irgendwann zwischen 15 und 20 Millionen User im Monat. Flio ist deutlich kommerzieller angelegt als Qype, es ist global und es hat eine sehr interessante Zielgruppe. Vom Potenzial her ist Flio also größer.

Wie unterscheiden sich Deine Startup-Gründungen von einander?

Ich war mit 9flats in Europa einer der ersten, als das Airbnb-Thema aufkam. Das war Ende 2010. Damals war das Thema wahnsinnig klein, wir sind im Februar gestartet und im April gab es dann bereits Wimdu. Der Unterschied ist: Airbnb gab es etwa zwei Jahre zuvor. Und dadurch, dass man den Investoren zeigen konnte, dass es in den USA bereits Traction gab, waren die Verhandlungen wie immer in so einem Fall viel leichter. Bei Qype musste ich ein halbes Jahr lang jeden Angel-Investor abklappern, den es 2006 gab. Und irgendwann gab es Yelp und ich konnte mich vor Investments nicht mehr retten. Und das ist auch heute bei Flio noch so. Wir haben das Ganze jetzt ein Jahr vorfinanziert, können jetzt Traction zeigen und nun kommen die ersten VCs.

Gibst du trotzdem Vollgas, obwohl es noch keinen Wettbewerber gibt?

Man gibt anders Vollgas. Der Fokus liegt eher auf Produktinnovation, Testing und Tracking. Wenn man natürlich in einem brutalen Frontal-Wettbewerb steht – die Samwers auf der einen Seite, die Amis auf der anderen – dann geht es eher um den Market-Share. In einem Startup wie Flio kann man nicht sagen: „Ich mache jetzt 1.000-Euro-Akquisekosten” – wie wir das damals bei Wettbewerbern gesehen haben.

Machst Du nebenbei immer noch viele kleine Projekte oder ist Dein Fokus jetzt Flio?

Aktiv mache ich momentan nur Flio. Ich kann operativ immer nur eine Sache machen. Den Rest mache ich über Beiräte.

Danke für das Gespräch!

Bild: Stephan Uhrenbacher