Good Beans, Young Internet, Panfu, Verena Delius

Young Internet heißt jetzt Good Beans

Bisher konzentrierte sich das Young-Internet-Team rund um Geschäftsführerin Verena Delius auf die Programmierung von Onlinewelten für Kinder und zeichnete dabei verantwortlich für Spiele wie Panfu (www.panfu.com) oder Oloko (www.oloko.com). Ab sofort visieren die Berliner Games-Macher dabei jedoch einen neuen Markt an: Mobile-Games. Die Entwicklung ihrer Onlineplattformen wird auf ein Minimum heruntergefahren, dafür wird das mobile Geschäft rund um die Themen iPhone, iPad und Android fokussiert.

Young-Internet-Mitgründer Moritz Hohl fasst zusammen, worum es dem Team dabei geht: “Wir sind 100 Prozent fokussiert darauf, die erfolgreichste Mobile-Gaming-Company für Familien weltweit zu werden. Unsere Kinder werden nicht mehr vor PCs mit Maus und Tastatur sitzen. Die Zukunft sind Touch-Devices. Ab Mitte des Jahres werden wir monatlich eine App launchen.”

Doch damit nicht genug – neuer Fokus, neue Marke: Ab dem heutigen Tag firmiert das bisher als Young Internet bekannte Team unter dem neuen Namen Good Beans und vollzieht damit ein komplettes Rebranding seiner Marke. Ausgesucht haben sich die Berliner dafür einen Namen, der breit gefasst ist, keine spezifische Zielgruppe adressiert und an einen chinesischen Brauch angelehnt ist, bei dem für jedes schöne Erlebnis eine Bohne von einer Tasche in die andere wandert. Die Szene dankt dem Team auf jeden Fall dafür, dass es keinen New Economy-Namen gewählt hat, der mit -o endet und jeden Betrachter über dessen Fokus rätseln lässt.

Good Beans wird eine Mobile-Games-Firma

Dass ein solcher Wandel nicht ohne Spuren von statten geht, versteht sich von selbst. So mussten im November 2011 insgesamt 15 der 60 Mitarbeiter gehen, zumal mit der Fokussierung auf Mobile andere Job-Profile (vor allem iOS-Developer gebraucht wurden). Glaubt man Geschäftsführerin Verena Delius, sei dieser doch recht harsche Einschnitt von 25 Prozent sehr human abgelaufen, indem die betroffenen Mitarbeiter unmittelbar in Vorstellungsgespräche bei anderen Unternehmen vermittelt wurden und nun alle einen Job hätten.

Für diesen gewagten Turn-Around verweist Verena Delius darauf, dass Studien angeblich gezeigt hätten, dass insgesamt 70 Prozent aller Kinder in Deutschland Zugriff auf ein Smartphone oder iPad hätten – mit Panfu will sie es mobil auf 100.000 Downloads in den ersten drei Tagen bringen.

Wie genau sich die Maßnahmen von Young Internet dabei gestalten, geht auch aus einem Tedx-Talk hervor, den Geschäftsführerin Verena Delius im Februar hielt. Dennoch ist allen Beteiligten klar, dass es ein gewagter Turn-around ist, den Good Beans anstrebt. Der mobile Spielemarkt wird als vielversprechend gehandelt, doch das galt für den Mobile-Sektor als ganzen auch lange Zeit, bis er endlich abhob.

Als Chance haben die Good Beans dabei vor allem die derzeitige Intransparenz im Appstore ausgemacht und wollen die Auffindbarkeit von kinderfreundlichen Apps für Eltern verbessern, indem sie neben dem eigenen Content auch die Suchqualität erhöhen. Als Geschäftsmodell entschied sich der Berliner Developer gegen Upfront-Bezahlmodelle (Apps kosten einen Fixpreis) und setzt stattdessen auf In-App-Purchases (innerhalb der Spiele können Items oder Kapitel dazugekauft werden), damit nicht von vornherein Nutzer abspringen.

Gelingt Good Beans der Proof-of-Concept?

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Initial finanziert wird dieses Unterfangen wohl zunächst durch die existierenden Web-Titel Panfu und Oloko, die laut Flurfunk der Branche monatlich Einnahmen von 250.000 Euro (bei Kosten von 50.000 Euro) einbringen sollen. Und auch CEO Verena Delius gibt zu: “Wahrscheinlich hätten wir mit einem Onlinefokus die nächsten 24 Monate mehr Geld verdient. Aber wir wollen die Firma für die nächsten zehn Jahre aufstellen.” Gelingt der Proof-of-Concept, dürfte sicherlich eine Finanzierungsrunde eingeschoben werden – schon jetzt soll bei der IBB eine Finanzierung über 750.000 Euro angefragt worden sein. Doch bis zu einem Proof-of-Concept dürfte es schwierig sein, auf dem konservativen deutschen VC-Markt Kapital für ein solches Marketing-Spiel einzutreiben.

Dabei möchte das fortan Good Beans heißende Unternehmen für diesen Proof-of-Concept nicht nur selbst Content-Apps produzieren, sondern auch einen Angebotskosmos rund um das Thema Apps bilden. Der derzeitigen Intransparenz im Appstore wollen die Berliner begegnen, indem sie die Auffindbarkeit von Apps verbessern und so zu der Instanz im Appbereich für Kinder werden. Und auch wenn sicherlich kinderfreundliche Casual-Games im Stile von Cut the Rope oder Angry Birds auf der To-Do-Liste stehen, wird es für dieses Jahr bei den Good Beans wohl allein um Reichweitengewinnung gehen.

Mobile-Marketing wird Good Beans Stellschraube

Als wichtigste Stellschraube mobiler Spiele kristallisiert sich bisher – Überaschung! – das Thema Marketing heraus. Details entscheiden über gute Platzierungen im AppStore und auch wenn Anbieter wie Madvertise (www.madvertise.de) zwar einen schnellen Push bieten und auch Apple viele Apps lange präsent hält, führt bisher kaum ein Weg an guten Bewertungen vorbei. Um nachhaltig in der mobilen Welt einen Effekt zeitigen zu können, bedarf es vieler guter Bewertungen, die eigene Community muss greifen.

Im Gegensatz zu App-Anbietern, die von Null starten, kommen Good Beans also seine bereits existierenden Webspiele als Marketing-Kanal und Know-how-Geber zugute. Für die Kreativbohnen muss es daher nun also darum gehen, einen schnellen Landgrab im Mobile-Bereich zu initiieren, denn schon binnen dieses Jahres dürften die ersten großen Marketing-Budgets in den Mobile-Bereich geshiftet werden – so schätzt es das Team rund um CEO Verena Delius. Nicht umsonst tummeln sich etwa auch schon große Player wie Wooga oder Disney, das mit seiner App “Where’s my Water?” gerade massiv an Reichweite gewinnt, im mobilen Sektor.

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Während Wooga (www.wooga.com) zur Reichweitengewinnung beispielsweise auf einen smarten Facebook-Mechanismus setzt, dürften Push-Notifications, Sharing-Funktionen, Newsletter und In-Game-Werbung zu den Marketing-Maßnahmen von Good Beans werden, mit denen sie in diesem Marketingspiel die Reichweite ihrer existierenden Titel auf weitere Spiele übertragen müssen. In seiner Grolly-App konvertiert Good Beans nach eigenen Angaben zurzeit zehn Prozent seiner Nutzer in zahlende User – ein solider Wert. Währendessen soll die Response auf Newsletter und In-Game-Popups für Panfu durchschnittlich bei stolzen 40 Prozent liegen.

Geht der Plan, die eigene aktive Zielgruppe in den mobilen Sektor zu shiften auf? Oder ist dieser Turn-around zwar ein mutiger Schritt, aber einer, der ein paar Jahre zu früh getätigt wird? “Es gibt keinen Plan B”, sagt auch Geschäftsführerin Delius, in dem Wissen, dass dieser Turn-around ein Ganz-oder-gar-nicht-Manöver ist. Doch gelingt es, könnten spannende Exit-Kanäle winken…

Mobile-Games – ein spannender Exit-Case?

Ähnlich den Social-Games könnten Mobile-Games also der nächste Goldrausch der Internetbranche werden. Auch Gameforge-Gründer Klaas Kersting versucht sich derzeit mit Flaregames (www.flaregames.com) an einem Mobile-Startup, zu dessen Finanzierungsrunde Gründerszene auch zahlreiche Games-Experten zu den Chancen von Mobile-Games befragte. Deren Tenor: Ein heißes Eisen.

Dieses Eisen möchte nun auch Good Beans schmieden und hofft dabei auf die Bewegung des Marktes: Zahlreiche Investoren zeigen sich dieser Tage sehr interessiert am mobilen Games-Sektor und gerade die Konzentration auf Kinder bis 14 Jahre könnte hier ein spannendes Fenster bieten, fokussieren sich doch die großen Web-Spieleschmieden wie Zynga, EA oder Wooga vor allem auf eine Zielgruppe zwischen 14 und 30 Jahren.

Entscheidet sich einer dieser Player aus einer Make-or-Buy-Überlegung heraus zu einer Übernahme von Good Beans, ergänzen sich die untschiedlichen Zielgruppen also gut. Einem entsprechenden Exit dürfte dann auch eher eine Reichweitenbewertung als eine reine EBIT-Bewertung zugrunde liegen. Spätestens Ende des Jahres dürfte Good Beans wissen, ob sich dieser Shift gelohnt hat und ob die Rechnung aufgeht oder nicht. Das Zeitfenster ist da, sehr herausfordernd ist dieses Unterfangen dennoch.